Sechs Jahre nach dem Tod einer 35-jährigen Frau in Berlin-Treptow beschäftigt sich das Berliner Landgericht mit einem außergewöhnlichen Fall. Einem 42-jährigen Mann wird Tötung auf Verlangen vorgeworfen. Der Angeklagte legte zu Prozessbeginn ein vollumfängliches Geständnis ab. Er gab an, seine Bekannte in einen Würgegriff genommen und getötet zu haben. Die Frau habe ihn wiederholt und eindringlich darum gebeten, ihrem Leben ein Ende zu setzen. Schließlich habe er nachgegeben und sie auf ihren ausdrücklichen Wunsch hin getötet.
Die Hintergründe der Tat
Die Tat ereignete sich am 30. Mai 2020 in der Wohnung der 35-Jährigen in Berlin-Treptow. Die Frau litt seit vielen Jahren unter einer schweren depressiven Symptomatik. Laut Anklage bat sie den Angeklagten mehrfach und eindringlich, ihr beim Sterben zu helfen. Der 42-Jährige habe sich schließlich von ihrem Wunsch leiten lassen. Die beiden Deutschen hatten sich 2015 in einer Selbsthilfegruppe kennengelernt.
Der Angeklagte schilderte, dass er zunächst versuchte, die Frau von ihrem Vorhaben abzubringen. Als sie ihn im Frühjahr 2019 erstmals um Hilfe bat, war er sich sicher, ihrem Wunsch nicht zu entsprechen. Es habe sich jedoch ein innerer Konflikt entwickelt. Irgendwann überwog der Wunsch zu helfen. Kurz vor der Tat fertigten die beiden ein Video an, auf dem die Frau ihren Sterbewunsch äußerte.
Die Entdeckung der Leiche
Knapp eine Woche nach der Tat wurde die Polizei durch eine Betreuerin der Frau alarmiert. Die Beamten fanden die Leiche auf einer Matratze. In der aufgeräumten Wohnung entdeckten sie einen Abschiedsbrief sowie diverse Medikamente. Ein Beamter schilderte, dass keine Abwehr- oder Kampfspuren vorhanden waren. Allerdings war die Verwesung bereits weit fortgeschritten. Die Polizisten gingen aufgrund der Gesamtsituation von einem Suizid durch Tablettenvergiftung aus. Es wurden Unterlagen über eine psychische Erkrankung gefunden, zudem ein Bargeldbetrag von etwa 2.500 Euro. Es gab keine Anzeichen für ein Fremdverschulden.
Ermittlungen nach anonymem Hinweis
Die Schwester der Verstorbenen sagte vor Gericht aus, dass einer ihrer Brüder sich kurz vor dem Tod um eine Behandlung in einem psychiatrischen Krankenhaus gekümmert hatte. Die Schwester habe zugestimmt. Schon seit Jahren habe sie zurückgezogen gelebt und nicht mehr arbeiten können. Vor etwa zehn Jahren habe sie in sektenähnlichen Gruppierungen Liebe und Halt gesucht.
Erst ein anonymer Hinweis rund vier Jahre nach dem Tod der 35-Jährigen führte zu neuen Ermittlungen. Der Prozess ist auf vier weitere Tage bis zum 21. Mai terminiert.



