Dritter Prozess gegen Harvey Weinstein: Vergewaltigungsvorwürfe erneut vor Gericht in Manhattan
Weinstein: Dritter Prozess zu Vergewaltigungsvorwürfen in New York

Dritter Prozess gegen Harvey Weinstein: Vergewaltigungsvorwürfe erneut vor Gericht in Manhattan

Der gefallene Hollywood-Mogul Harvey Weinstein (74) steht am Dienstagmorgen erneut vor dem Criminal Court in Manhattan – bereits zum dritten Mal wird dieser Fall verhandelt. Hinter den Kulissen macht sich jedoch Ernüchterung breit, viele Beobachter sprechen inzwischen von einer juristischen Farce, einem Dauerlauf ohne klares Ziel. Trotzdem ist das öffentliche Interesse enorm: Der Gerichtssaal ist bis auf den letzten Platz gefüllt, die aus sieben Männern und fünf Frauen bestehende Jury steht seit vergangener Woche fest.

Vorwürfe der Macht, Kontrolle und Manipulation

Im Zentrum des Verfahrens stehen die Vorwürfe von Jessica Mann (41), einer ehemaligen Schauspielerin und Friseurin. Sie behauptet, Weinstein habe sie im März 2013 in einem Hotel in Midtown Manhattan vergewaltigt. Der Angeklagte weist alle Anschuldigungen entschieden zurück. Staatsanwältin Candace White zeichnet ein drastisches Bild der mutmaßlichen Tat: Eine 27-jährige Frau, die „Nein“ sagt, und ein Mann, der dies nicht akzeptiert.

„Dieser Fall handelt von Macht, Kontrolle und Manipulation“, betont White. Treffen in Luxussuiten seien in der Filmindustrie zwar üblich, doch laut Anklage nutzte Weinstein genau diese Umgebung gezielt aus, um die Kontrolle zu behalten und hinter verschlossenen Türen zu bekommen, was er wollte. Er habe die damals angehende Schauspielerin bewusst umworben und ihre Hoffnung auf eine Hollywood-Karriere skrupellos ausgenutzt.

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Verteidigung kontert mit intimen Nachrichten

Weinsteins Anwalt Jacob Kaplan dreht den Spieß um und erklärt: „Dieser Fall dreht sich um Einvernehmlichkeit, Entscheidungen und Reue.“ Seine Verteidigungsstrategie basiert auf Manns eigenen Worten: Vor Gericht zitiert er aus jahrelangen Nachrichten, die sie an Weinstein geschickt haben soll, darunter Botschaften wie „Ich liebe dich“, „Ich vermisse dich, großer Kerl“ und „Ich schätze alles, was du für mich tust“ – bis ins Jahr 2017, also Jahre nach der angeblichen Vergewaltigung.

Der Anwalt führt weiter aus, dass Mann weniger als 24 Stunden nach dem mutmaßlichen Übergriff mit Weinstein und seiner Tochter gefrühstückt haben soll. Seine zentrale Frage an die Jury lautet: Passt dieses Verhalten zu den schweren Vorwürfen? „Am Ende wird es ihr Wort sein – gegen ihre eigenen Worte“, fasst Kaplan zusammen.

Frontaler Angriff der Verteidigung

Kaplan stellt die entscheidende Frage: Warum kehrte Jessica Mann immer wieder zu Weinstein zurück, warum blieb sie über Jahre hinweg in Kontakt? Seine Antwort: Weil es keine Vergewaltigung gegeben habe. Erst durch die Berichte über andere Frauen habe Mann ihre Beziehung zu Weinstein neu bewertet.

Auch Manns psychische Verfassung rückt in den Fokus der Verteidigung. Kaplan spricht von Panikattacken und Klinikaufenthalten – Probleme, die laut seinen Angaben nichts mit Weinstein zu tun hatten. In medizinischen Unterlagen sei von anderen Belastungen die Rede, nicht von dem angeblichen Übergriff. „Manche Entscheidungen sind gut, manche schlecht. Aber Reue macht aus Einvernehmlichkeit keine Straftat“, argumentiert der Anwalt. Man könne Weinsteins Lebensstil kritisieren – „aber das bedeutet nicht, dass er ein Verbrecher ist“.

Komplexe Prozessgeschichte

Der Fall zieht sich bereits seit Jahren durch die Gerichte, was den neuen Prozess besonders brisant macht:

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  • 2020 wurde Weinstein in New York unter anderem wegen der Vergewaltigung von Jessica Mann zu 23 Jahren Haft verurteilt.
  • 2024 kippte ein Berufungsgericht dieses Urteil – der Schuldspruch wurde aufgehoben und ein neuer Prozess angeordnet.
  • 2025 folgte der zweite Anlauf vor Gericht, bei dem es um die Vorwürfe mehrerer Frauen ging.

In diesem zweiten Verfahren sprach die Jury Weinstein im Fall Miriam „Mimi“ Haley schuldig, im Fall Kaja Sokola jedoch frei. Im zentralen Vorwurf der Vergewaltigung von Jessica Mann konnte sich die Jury jedoch nicht einigen – das Verfahren endete hier ohne Urteil. Genau deshalb kommt es jetzt zum dritten Anlauf: Weil die Geschworenen im Fall Mann keine Entscheidung treffen konnten, wird dieser Teil des Verfahrens 2026 noch einmal neu verhandelt – diesmal steht ausschließlich ihr Vorwurf im Mittelpunkt.