AfD-Kandidat nennt Kreisverwaltung 'Faultierfarm' - Dörk wehrt sich bei Wahlforum
AfD-Kandidat nennt Verwaltung 'Faultierfarm' - Dörk wehrt sich

Wahlkampf in der Uckermark: Kontroverse Debatte über Verwaltung und Jugendgewalt

Die Spannung war greifbar, als sich Landrätin Karina Dörk (CDU) und ihr Herausforderer Felix Teichner (AfD) beim Nordkurier-Wahlforum am 9. April im Medienturm Prenzlau gegenüberstanden. Bereits im Vorfeld hatte die 61-jährige Amtsinhaberin ihrem politischen Gegner medienwirksam den Handschlag verweigert – eine Reaktion auf KI-generierte Wahlplakate, die Dörk mit Merkel-Raute in einem magentafarbenen Dreieck zeigten. „Das ist geschmacklos und nicht zu überbieten“, kritisierte die Kommunalpolitikerin scharf.

Verspäteter Auftritt und halbe Entschuldigung

Die Veranstaltung begann mit einer ungewöhnlichen Verspätung: Während Dörk pünktlich um 10 Uhr auf dem Podium Platz nahm, fehlte Teichner zunächst. Erst nach einem Erinnerungsanruf traf der 35-jährige Güstower mit über 20 Minuten Verspätung ein – er habe sich fälschlicherweise 12 Uhr notiert. Gleich zu Beginn ging Teichner auf die umstrittenen Plakate ein: „Aus heutiger Sicht würde ich sie nicht mehr drucken lassen. Wenn es Sie verletzt hat, tut es mir leid.“ Dörk nahm diese „teilweise Entschuldigung“ zwar an, blieb aber verstimmt: „Es wäre gut gewesen, wenn er die Plakate auch entfernt hätte.“

Krankenhaus-Zukunft und Schuldfrage

Im weiteren Verlauf diskutierten die Kontrahenten zahlreiche Leserfragen, darunter die Zukunft des Prenzlauer Krankenhauses. Dörk zeigte sich zuversichtlich: In der kommenden Woche sei ein Vor-Ort-Termin mit Vertretern der Uniklinik Greifswald geplant, um Prenzlau und Angermünde zu Lehrkrankenhäusern zu entwickeln. Teichner bekräftigte ebenfalls sein Bekenntnis zur Einrichtung, machte jedoch den bisherigen Betreiber GLG für die Misere verantwortlich: Durch Umstrukturierungspläne sei das Personal demotiviert worden, teure Leasing- und Honorarkräfte hätten das Defizit vergrößert.

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Emotionale Debatte über Jugendgewalt

Besonders kontrovers wurde es beim Thema „verhaltensauffällige Jugendliche mit Migrationshintergrund“. Dörk räumte Probleme mit gewalttätigen Tschetschenen ein und verwies auf Gespräche mit dem Ministerium. Sie hoffe, einen 18-jährigen Täter abschieben zu können, bei einem 16-jährigen Bruder seien jedoch die Hände gebunden. Teichner konterte scharf: „Namen und Gesichter sind seit Langem bekannt.“ Er verwies auf eine Mutter, die bereits 2018 beklagt habe, dass ihre Tochter wegen permanenter Drangsalierung suizidgefährdet gewesen sei. „Seitdem hat sich die Lage verschlimmert: Handys und Portemonnaies werden in Bussen abgezogen, Schlägereien auf Dorffesten provoziert.“ Der AfD-Mann forderte, eine Notlage auszurufen und die Jugendlichen „dorthin zu bringen, wo sie hingehören“.

„Faultierfarm“-Vorwurf und geplante Mitarbeitergespräche

Ein weiterer Streitpunkt war der Begriff „Faultierfarm“, den Teichner ins Spiel brachte – nicht als eigene Wertung, wie er betonte, sondern als Kritik von Bürgern. „Ich weiß, dass an einigen Stellen der Behörde locker mit der Arbeitsmoral umgegangen wird“, erklärte der Bewerber. Im Falle seiner Wahl wolle er zeitnah Einzelgespräche mit Mitarbeitern führen. Dörk schoss zurück: „Ich stelle mich vor meine Verwaltung. Die Beschäftigten leisten einen wichtigen Beitrag.“ Der Begriff suggeriere pauschalisierte Vorwürfe, die nicht der Realität entsprächen.

Rechtstreue versus politischer Gestaltungswille

Bei der Frage, ob ein Landrat eher Gestalter oder Verwalter staatlicher Vorgaben sei, wurde Teichner emotional. Er verwies auf die Coronazeit, in der er – ähnlich wie der MOL-Landrat – keine Bußgeldbescheide ausgestellt hätte. Dörk hielt dagegen: „Ich habe einen Eid geschworen, mich an Recht und Gesetz zu halten. Wenn wir uns nicht als Umsetzungsebene verstehen, haben wir hier irgendwann Anarchie.“

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Ausblick auf die Wahl am 19. April

Zum Abschluss betonte Dörk ihre Hoffnung, dass die Wähler zwischen ihrer Parteizugehörigkeit und ihrer bisherigen Arbeit unterscheiden könnten. Einen Plan B für den Fall ihrer Nichtwahl habe sie noch nicht: „Aber da fällt mir was ein, wenn es so weit ist.“ Teichner rechnet mit einem knappen Ergebnis: „Ich weiß nicht, zu wessen Gunsten das gehen kann.“ Bei einer Niederlage wolle er weiter im Landtag und in der Prenzlauer Stadtverordnetenversammlung arbeiten. Eine Zusammenarbeit der politischen Verantwortungsträger wünsche er sich – doch einen Handschlag gab es auch am Ende nicht. Dörks letzte Worte: „Wenn Sie darauf Wert legen, dass ich Ihnen die Hand gebe, dann nehmen Sie die Plakate ab! Eine Woche ist noch Zeit.“