Anklams Bürgermeisterwahl: Galander feiert deutlichen Sieg mit über 72 Prozent
Erst nach Mitternacht endete die Wahlparty für Michael Galander im Anklamer Theater, wo er mit rund 100 geladenen Gästen seinen klaren Wahlsieg feierte. Mit über 72 Prozent der Stimmen tritt der Politiker nun seine vierte Amtszeit als Bürgermeister von Anklam an. Dieser Erfolg könnte ihn am Ende zu einem der dienstältesten Bürgermeister in Mecklenburg-Vorpommern mit potenziell 32 Dienstjahren machen.
Breite Unterstützung aus Landes- und Bundespolitik
Das Echo auf die Bürgermeisterwahl am Sonntagabend war beachtlich. Glückwünsche kamen von der Ministerpräsidentin, dem Innenminister, Staatskanzleichef Patrick Dahlemann und Vorpommern-Staatssekretär Heiko Miraß – alle von der SPD. Auch aus der Landespolitik, von Bürgermeisterkollegen und der Kreispolitik erreichten den Wahlsieger positive Rückmeldungen.
Michael Galander gab zudem bekannt, mit dem CDU-Bundestagsabgeordneten und Staatssekretär im Digitalministerium, Philipp Amthor, gesprochen zu haben. „Über den großen Anklang und den Zuspruch freue ich mich sehr“, betonte der Bürgermeister in seiner Reaktion auf die überwältigende Unterstützung.
Stadtvertreter gratulieren über Fraktionsgrenzen hinweg
Auch aus der lokalen Stadtpolitik fanden sich zahlreiche Gratulanten im Anklamer Theater ein. Galander dankte insbesondere seiner eigenen Fraktion IfA sowie der sozial-ökologischen Bürgerplattform, die sich im Wahlkampf klar für ihn als Kandidaten positioniert hatte. Fraktionschefin Ilona Zerbe überreichte dem Bürgermeister zur Wiederwahl einen Blumenkorb für den heimischen Garten.
Die CDU-Fraktion hatte sich vor der Wahl auf eine neutrale Haltung verständigt und weder für den Amtsinhaber noch für den AfD-Herausforderer Jörg Valentin Stellung bezogen. Dennoch waren am Wahlabend viele Gesichter der Christdemokraten aus der Stadtpolitik anwesend, um zu gratulieren.
Spannungen in der Stadtvertretung bleiben bestehen
In der Zeit vor der Wahl hatte Bürgermeister Galander selbst von einem zerrütteten Verhältnis zur Stadtpolitik gesprochen und der CDU vorgeworfen, stadtpolitische Themen zu instrumentalisieren, um gegen ihn Stimmung zu machen. Ein Vorwurf, den die Christdemokraten entschieden zurückweisen.
Die entscheidende Frage lautet nun: Ist nach der Wahl wieder alles in Ordnung? Galander betonte nach seinem Sieg, dass seine Handreichung zu den Stadtfraktionen bestehen bleibe. Über das Erscheinen der Stadtvertreter bei seiner Wahlparty habe er sich ehrlich gefreut – auch wenn diese angekündigt haben, ihn weiterhin kritisch zu begleiten.
Die nächste Bewährungsprobe steht bereits in der kommenden Woche am 23. April an, wenn eine Sonderstadtvertretersitzung zur GWA und kommunalrechtlichen Fragen stattfindet. Diese Sitzung wird zeigen, ob der scheinbare Frieden nach der Wahl von Dauer ist.
AfD zeigt sich zurückhaltend bei Gratulationen
Markus Schultz als AfD-Mitglied des Stadtpräsidiums schaute nach der Wahlbeobachtung kurz beim Bürgermeister vorbei, um zu gratulieren. Sein Parteikollege und Galanders Kontrahent Jörg Valentin war dagegen noch am Abend in der Stadt unterwegs, bevor er sich auf den Heimweg nach Greifswald machte.
Valentin äußerte auf Nachfrage des Nordkuriers, dass er sich ein anderes Ergebnis im Sinne der Stadt Anklam gewünscht hätte. Die Wochen im Wahlkampf hätten bei ihm jedoch Themen aufgeworfen, die er als Rat den Mitgliedern der Stadtpolitik weitergeben möchte. „Diese sind aber auch selbst auf einem guten Weg“, schätzte Valentin ein.
Glückwünsche an den Wahlsieger gab es von ihm nicht – dieser Zeitpunkt sei erst gekommen, wenn das Endergebnis amtlich festgestellt wurde, so die Position des AfD-Politikers. Dies könnte bereits am Dienstag der Fall sein, wenn um 16 Uhr der Gemeindewahlausschuss tagt.
Die politische Landschaft in Anklam bleibt somit auch nach der Bürgermeisterwahl spannungsgeladen. Während Michael Galander seinen klaren Wahlsieg feiert und breite Unterstützung von überregionalen politischen Akteuren erhält, deuten die angekündigte kritische Begleitung durch Stadtvertreter und die bevorstehende Sondersitzung darauf hin, dass die Arbeit für den Bürgermeister in seiner vierten Amtszeit alles andere als einfach werden wird.



