Aschermittwoch 2026: Kommunalwahlkampf in Bayern erreicht Höhepunkt auf großen Bühnen
Der Fokus beim politischen Aschermittwoch im Jahr 2026 liegt eindeutig auf der bayerischen Kommunalwahl am 8. März. Die Parteien schicken dafür eine Vielzahl von Rednern ins Rennen – darunter auch zahlreiche prominente Politikerinnen und Politiker. Die Dreiländerhalle in Passau ist nur eine von vielen Locations für die groß angelegten Parteiveranstaltungen an diesem besonderen Tag im bayerischen Wahlkampfkalender.
Zweieinhalb Wochen vor der entscheidenden Wahl
Zweieinhalb Wochen vor der bayerischen Kommunalwahl am 8. März wollen die Parteien den politischen Aschermittwoch als zentrale Bühne für ihren finalen Wahlkampf nutzen. Anders als bei Landtags- und Bundestagswahlen findet der Kampf um die Wählerstimmen auf kommunaler Ebene ansonsten in der Regel ohne derartige überregionale Großveranstaltungen statt. Wie in jedem Jahr sind die Erwartungen an die Rednerinnen und Redner enorm hoch: Im historischen Rückblick wurde hier traditionell laut und bisweilen auch derbe ausgeteilt.
Die politische Relevanz des Aschermittwochs ist heute zwar nicht mehr mit früheren Jahrzehnten vergleichbar – gerade für die Stimmungslage innerhalb der Parteien und die Mobilisierung der eigenen Anhängerschaft bleibt der Aschermittwoch jedoch von erheblicher Bedeutung. Für viele Parteien stellt er den letzten großen Auftritt vor der eigentlichen Wahl dar.
CSU setzt in Passau auf Markus Söder
In der Passauer Dreiländerhalle werden wie in jedem Jahr wieder symbolisch „gefühlte 10.000“ am längsten Stammtisch Platz nehmen. In Wirklichkeit sind es aufgrund der strengen Auflagen der Feuerwehr deutlich weniger Besucher – die Halle darf nur rund 4.000 Personen fassen. Dennoch wird Parteichef und Ministerpräsident Markus Söder alles geben, um den besonderen Status der CSU als Regionalpartei mit Regierungsverantwortung sowohl in München als auch in der Bundesregierung zu betonen.
Dabei dürfte er auch mit den Freien Wählern – immerhin Koalitionspartner in der bayerischen Landesregierung – nicht gerade glimpflich umgehen. Die Hauptgegner in Söders Reden bleiben jedoch seit Jahren unverändert: die Grünen und die AfD stehen im Fokus seiner Kritik.
Grüne setzen in Landshut auf Doppelspitze
Im Jahr 2020 erzielten Bayerns Grüne bei der Kommunalwahl mit 17,3 Prozent das beste Ergebnis ihrer Geschichte. Hinter der CSU landete die Partei damals auf dem respektablen zweiten Platz. Inzwischen bläst ihnen auf Landes- wie Bundesebene jedoch erheblicher Gegenwind entgegen. Beim Aschermittwoch setzt die Partei daher auf ihre starke Doppelspitze: Landtagsfraktionschefin Katharina Schulze und Bundestagsfraktionschefin Katharina Dröge werden die Bühne in Landshut teilen.
Beide werden es sich nicht nehmen lassen, ihre deutlichen Kritikpunkte an den Regierungen in München wie Berlin fundiert und pointiert zu formulieren. Für die Grüne Partei stellt der Auftritt eine wichtige Gelegenheit dar, vor der Kommunalwahl noch einmal Momentum zu generieren.
Freie Wähler in Deggendorf mit Hubert Aiwanger
Für Hubert Aiwangers Freie Wähler ist die anstehende Kommunalwahl von ganz besonderer strategischer Bedeutung. Die Partei beruft sich traditionell gerne auf ihre kommunalen Wurzeln – zur politischen Wahrheit gehört allerdings auch, dass die Freien Wähler mit ihren Ambitionen auf Bundesebene bisher deutlich gescheitert sind. Neben Parteichef Aiwanger stehen auch zwei Redner auf dem Programm, die den Aschermittwoch bisher nur als Zuhörer kannten: Florian Wiedemann, Landrat des Landkreises Bayreuth, und Digitalminister Fabian Mehring.
AfD hofft in Osterhofen auf Mandatszuwachs
Die AfD hofft bei der Kommunalwahl auf eine deutliche Aufstockung ihrer Mandatsträger in bayerischen Städten und Gemeinden. Die Umfragen sehen die Partei in Bayern seit Jahren klar als zweitstärkste Kraft – allerdings stets hinter der dominierenden CSU. Beim Aschermittwoch bietet die Partei eine ganze Fülle von Rednern auf: Landtagsfraktionschefin Katrin Ebner-Steiner, Landeschef Stephan Protschka und Vize-Bundestagsfraktionschef Markus Frohnmaier werden in Osterhofen erwartet.
Inhaltlich dürften alle die üblichen Themen der Partei ansprechen: die Dauerkritik an den Regierenden in Berlin wie München steht dabei sicherlich im Mittelpunkt der geplanten Reden.
SPD setzt in Vilshofen auf bundespolitisches Gewicht
Mit Vizekanzler und Parteichef Lars Klingbeil kann die SPD neben Bayern-SPD-Chefin Ronja Endres bei ihrem Aschermittwoch in Vilshofen an der Donau definitiv ein bundespolitisches Schwergewicht aufbieten. Die Sozialdemokraten leiden in Bayern jedoch schon seit langem unter einer kontinuierlich sinkenden Zustimmung in der Wählergunst.
Die anstehende Kommunalwahl hat daher für die Genossen eine essenzielle Bedeutung: In vielen bayerischen Städten und Gemeinden stellt die SPD noch immer Bürgermeister und muss nun ihre hart erkämpften kommunalen Mehrheiten entschlossen verteidigen. Der Auftritt von Klingbeil soll hier zusätzliche Schubkraft verleihen.
Weitere Parteien mit unterschiedlichen Strategien
Wegen des parallel laufenden Landtagswahlkampfs in Baden-Württemberg hat die Linke ihre ursprünglich in Thyrnau bei Passau geplante Veranstaltung kurzerhand nach Stuttgart verlegt – ein absolutes Novum in der langen Geschichte des politischen Aschermittwochs in Bayern.
Das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) erwartet mit den Bundesvorsitzenden Fabio De Masi und Amira Mohamed Ali nach Tiefenbach, die FDP begrüßt Vize-Parteichef Wolfgang Kubicki nach Dingolfing und bei der ÖDP stehen in Passau Reden der Landesvorsitzenden Agnes Becker und Tobias Ruff auf der Agenda. Jede Partei verfolgt dabei ihre eigene Strategie, um vor der entscheidenden Kommunalwahl noch einmal maximale Aufmerksamkeit zu generieren.



