Bürgerforum in Lübz: Wie gut ist unsere Gesellschaft auf Krisen vorbereitet?
Bürgerforum Lübz: Krisenvorsorge in der Gesellschaft

Bürgerforum in Lübz: Gesellschaftliche Krisenvorsorge im Fokus

Wie gut sind wir als Gesellschaft auf mögliche Krisen vorbereitet? Diese zentrale Frage stand im Mittelpunkt eines Bürgerforums zur Krisenvorsorge, das am Freitag, dem 10. April, in Lübz stattfand. Die Veranstaltung wurde von der Fraktion „Zukunft Ludwigslust-Parchim (ZLP)“ organisiert und richtete sich gezielt an Einwohner, die mehr über Notfallvorsorge und kommunale Abläufe im Ernstfall erfahren wollten.

Fachwissen und praktische Einblicke

Rund 50 interessierte Bürger folgten der Einladung ins Hotel Zur Eldenburg, wo sie von zwei Expertinnen wertvolle Einblicke erhielten. Birgit Waniorek, eine erfahrene Koordinatorin im Bevölkerungsschutz, und Astrid Becker, Bürgermeisterin von Lübz, referierten über verschiedene Aspekte der Krisenvorsorge. Die Veranstalterinnen betonten zu Beginn ausdrücklich, dass es nicht darum gehe, auf Kriegsszenarien einzustimmen, sondern um Orientierungswissen und gemeinsames Handeln.

Dr. Margret Seemann, Co-Vorsitzende der ZLP-Fraktion, erläuterte, welche Arten von Krisen gemeint sind: „Dazu zählen beispielsweise Hochwasserereignisse, Dürren, aber auch Hacker-Angriffe auf kritische Infrastrukturen oder Amokläufe.“ Das Forum konzentrierte sich auf drei Kernbereiche: individuelle Vorbereitung der Bürger, Abläufe auf kommunaler Ebene und die Stärkung der Handlungsfähigkeit der gesamten Stadtgesellschaft.

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Solidarität als Schlüsselfaktor

Birgit Waniorek, die für ihr Engagement im Bevölkerungsschutz von der Landesregierung als „Frau des Jahres 2026“ ausgezeichnet wurde, verdeutlichte die Bedeutung von Solidarität in Krisensituationen. „Es ist wissenschaftlich belegt, dass in Ausnahmesituationen, in denen Menschen zusammenhielten, mehr Individuen die Krise überstanden als in Szenarien, wo sich das Recht des Stärkeren durchsetzte“, berichtete sie. In ihren Schulungen vermittelt sie nicht nur Erste Hilfe, sondern auch Selbstschutz und strukturiertes Handeln in außergewöhnlichen Lagen.

Ein praktischer Tipp von Waniorek betraf die Grundbevorratung: Sie regte an, diese solidarisch in der Nachbarschaft abzustimmen, sodass beispielsweise ein Haushalt Wasser, ein anderer Konserven bevorratet. „Dadurch entsteht mehr als nur Wissen – es entsteht Vertrauen in die eigene Handlungsfähigkeit“, erklärte sie.

Kommunale Vorsorge und ihre Grenzen

Bürgermeisterin Astrid Becker erläuterte, wie Lübz auf Katastrophenfälle vorbereitet ist, etwa durch sogenannte „Leuchttürme“ und „Wärmeinseln“. Allerdings machte sie deutlich, dass es keine umfassende „Vollkasko-Versorgung“ geben könne. „Die Wärmeinseln sind beispielsweise nicht als Übernachtungsstellen konzipiert, und eine Grundbevorratung obliegt jedem Bürger selbst“, so Becker. Sie betonte, dass die öffentliche Vorsorge an Grenzen stoße und Eigenverantwortung unverzichtbar sei.

Fazit: Vorbereitung ohne Panik

Nach knapp zwei Stunden endete das Bürgerforum mit dem einhelligen Eindruck der Teilnehmer, dass es an der Zeit sei, intensiver über Krisenvorsorge nachzudenken – jedoch ohne in Aktivismus oder Panik zu verfallen. Die Veranstaltung stärkte das Bewusstsein für die Bedeutung von Solidarität, strukturiertem Handeln und der Zusammenarbeit zwischen Verwaltung, Einsatzkräften und Bürgerschaft. In einem grundsätzlich sicheren Land wie Deutschland könnten Krisen kurzfristig eintreten, doch Vorbereitung bedeute nicht Angst, sondern praktische Orientierung und gemeinschaftliches Engagement.

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