Historischer Wechsel in Aschaffenburg: CSU erobert erstmals seit 1970 das Rathaus
In einer überraschenden Wendung hat der bisherige Chef der Kriminalpolizei Aschaffenburg, Markus Schlemmer von der CSU, die Oberbürgermeisterwahl für sich entschieden. Damit löst er den langjährigen Amtsinhaber Jürgen Herzing von der SPD ab und beendet eine Ära, die seit 1970 ununterbrochen von Sozialdemokraten geprägt war.
Stichwahl bringt klare Entscheidung
Bei der entscheidenden Stichwahl am Sonntag konnte sich der 57-jährige Schlemmer mit einem deutlichen Vorsprung durchsetzen. Laut dem vorläufigen amtlichen Endergebnis erhielt er 56,3 Prozent der gültigen Stimmen. Sein Kontrahent Herzing, der seit 2020 das Amt des Oberbürgermeisters innehatte, kam auf 43,7 Prozent. Die Wahlbeteiligung lag bei 47,5 Prozent, wobei in der Stadt mit rund 73.000 Einwohnern knapp 54.000 Bürger wahlberechtigt waren.
Vorgeschichte und Hauptwahlgang
Bereits im Hauptwahlgang am 8. März hatte sich abgezeichnet, dass ein Machtwechsel möglich sein könnte. Damals erreichte Amtsinhaber Herzing 38,2 Prozent der Stimmen, während Herausforderer Schlemmer auf 41,1 Prozent kam. Herzing war in dieser Runde gegen insgesamt vier Kandidaten angetreten, konnte sich aber nicht direkt durchsetzen, was die Stichwahl erforderlich machte.
Neue Ära für die Stadt am Untermain
Markus Schlemmer, der als Kriminaldirektor eine langjährige Karriere bei der Polizei vorweisen kann, wird sein neues Amt offiziell zum 1. Mai antreten. Seine Wahl markiert einen bedeutenden politischen Wandel in Aschaffenburg, das unweit der hessischen Grenze liegt und traditionell als SPD-Hochburg galt. Erstmals seit über fünf Jahrzehnten zieht damit ein CSU-Politiker ins Rathaus ein, was viele Beobachter als Zeichen für veränderte politische Prioritäten der Wähler interpretieren.
Die Übergabe der Amtsgeschäfte wird in den kommenden Wochen vorbereitet, während Schlemmer bereits damit begonnen hat, sein Team für die neue Verwaltungsspitze zusammenzustellen. Experten erwarten, dass sein Hintergrund in der Sicherheitspolitik und Verwaltung neue Impulse für die Stadtentwicklung bringen könnte.



