Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter im FC-Bayern-Aufsichtsrat: Unklare Vergütung sorgt für politischen Wirbel
Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) hat einen prestigeträchtigen Posten im Aufsichtsrat des FC Bayern übernommen, doch die Umstände dieser Nebentätigkeit werfen kritische Fragen auf. Unmittelbar vor der anstehenden Kommunalwahl am Sonntag sorgt der Fall für erhebliche Unruhe im Münchner Rathaus, wie aktuelle Recherchen der AZ belegen.
Vergütung ungewiss: Reiters Aussagen im Stadtrat
Im Münchner Stadtrat gab Dieter Reiter am Mittwoch überraschende Einblicke in seine neue Position beim deutschen Fußball-Rekordmeister. Auf Nachfrage erklärte der Oberbürgermeister: "Ich könnte Ihnen jetzt nicht sagen, ob und in welcher Höhe ich überhaupt vergütet werde." Diese Frage sei bei der Annahme des Postens nicht prioritär gewesen, betonte der erklärte Bayern-Fan.
Reiter versuchte zu betonen, dass er den Stadtrat nicht übergangen habe. Zwar habe er bereits im Februar an einer Aufsichtsratssitzung des milliardenschweren, börsennotierten Vereins teilgenommen, doch dabei sei er nur "als Gast" anwesend gewesen. Im Handelsregister sei er bislang ebenfalls nicht verzeichnet.
Politische Kritik und Ultimatum der ÖDP
Die ÖDP setzte OB Reiter in einem Dringlichkeitsantrag ein klares Ultimatum: Bis Donnerstag, 5. März, 9 Uhr soll er schriftlich Auskunft geben über:
- Konkrete Aufgaben im Aufsichtsrat
- Zeitlichen Aufwand des Mandats
- Vereinbarte Vergütung
- Nutzung städtischer Ressourcen
ÖDP-Vorsitzender Tobias Ruff betonte: "Wenn der Oberbürgermeister einer Millionenstadt eine Spitzenfunktion bei einem wirtschaftlich mächtigen Akteur vor Ort übernimmt, dann ist das kein privates Hobby." Es gehe um politische Integrität und die Glaubwürdigkeit des Rathauses.
Rechtliche Bedenken und Vergleichszahlen
Nach Beamtenrecht sind Nebeneinkünfte ab 10.000 Euro pro Jahr genehmigungspflichtig. Ob Reiter diese Schwelle überschreitet, bleibt unklar – sein Büro äußert sich dazu nicht. Doch Vergleichszahlen geben Anlass zur Sorge:
- Der ehemalige Audi-Chef Markus Duesmann erhielt 2023 im Bayern-Aufsichtsrat 75.000 Euro
- Im Vorjahr waren es sogar 99.860 Euro
Rechtsexperten, mit denen die AZ gesprochen hat, bezweifeln, dass solche Einnahmen ohne Genehmigung rechtlich zulässig wären. Zudem halten sie nachträgliche Genehmigungen für unwahrscheinlich.
Politisches Verfahren und Wahlausblick
Dringlichkeitsanträge, das Thema noch vor der Kommunalwahl umfassend zu behandeln, wurden von einer Mehrheit aus SPD, Grünen, CSU und FDP abgelehnt. Reiter selbst kommentierte trocken: "Es wäre schon sinnvoll, abzuwarten, ob nicht jemand von Ihnen Oberbürgermeister ist."
Umfragen sehen den Amtsinhaber bei der anstehenden Wahl deutlich vor seinen Konkurrenten von Grünen und CSU. Sollte er gewinnen, würde dies seine dritte Amtszeit als Münchner Oberbürgermeister bedeuten. Bis zur nächsten Aufsichtsratssitzung will Reiter das Ergebnis einer Prüfung seiner Rechtsabteilung vorlegen, die alle offenen Fragen klären soll.
Der FC Bayern ließ eine Anfrage der AZ, ab wann Dieter Reiter offiziell Teil des Aufsichtsrats ist, unbeantwortet. Im Handelsregister ist weiterhin sein Vorgänger Edmund Stoiber eingetragen, der das Amt bis Februar innehatte. Nach Vereinsangaben ist Reiter bereits seit 2017 Mitglied des Verwaltungsbeirates des FC Bayern.



