Vom Gemeindearbeiter zum Landrat auf Zeit: Ein ungewöhnliches Praktikum in Ludwigslust-Parchim
Ronny Mathes-Langut, Gemeindearbeiter in der Gemeinde Spornitz, wollte es genau wissen: Was macht eigentlich ein Landrat den ganzen Tag? Diese Frage stellte er direkt an den Verwaltungschef des Landkreises Ludwigslust-Parchim, Stefan Sternberg (SPD), beim Jahresempfang seiner Heimatgemeinde. Die Antwort kam prompt und unerwartet – eine Einladung zu einem zweitägigen Praktikum im Landratsamt.
Zwei intensive Tage im Dienst des Landkreises
Insgesamt 48 Stunden lang begleitete Mathes-Langut den Landrat zu sämtlichen Terminen seines dicht gepackten Arbeitsalltags. Das Programm reichte von internen Dienstberatungen über Besuche bei verschiedenen Unternehmen in Ludwigslust bis hin zu einer wichtigen Beratung mit Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD). „Ich hatte mir schon gedacht, dass man bei einem so großen Gebiet wie unserem Landkreis viel unterwegs ist, aber von morgens um 8 Uhr bis abends 21 Uhr – das ist wirklich ein beeindruckendes Pensum“, berichtet der Praktikant beeindruckt.
Der Spornitzer, der normalerweise für die Liegenschaften seiner Gemeinde zuständig ist, staunte über die thematische Breite der Kreisverwaltung: „Bei uns in der Gemeinde gibt es schon viel zu beachten, aber die Kreisverwaltung kümmert sich um alles von Gesundheitsfragen über Jugendschutz bis hin zum Baurecht und der Kommunalaufsicht.“ Während seiner zwei Tage als „Landrat auf Zeit“ wurde ihm deutlich, wie häufig der Verwaltungschef auf unvorhergesehene Situationen reagieren und schnelle Entscheidungen treffen muss – eine Aufgabe, die umfangreiches Wissen über aktuelle Themen erfordert.
Positive Bilanz und gegenseitiges Lernen
Nach seiner kurzen Amtszeit zieht Mathes-Langut eine durchweg positive Bilanz: „Im Landkreis Ludwigslust-Parchim wird vieles richtig gemacht. Die Menschen, mit denen ich in den vergangenen Tagen gesprochen habe, sind froh, in dieser Region zu leben.“ Als gebürtiger Spornitzer, der auch in der Gemeinde aufgewachsen ist, freute ihn diese Übereinstimmung besonders.
Auch Landrat Stefan Sternberg profitiert von dem ungewöhnlichen Austausch: „Viele Abläufe laufen hier so automatisch, dass es immer wieder interessant ist, wenn jemand von außen darauf schaut und man sie erklären muss. Davon profitieren wir selbst auch.“ Der SPD-Politiker kann sich sogar gut vorstellen, den Spieß umzudrehen und selbst ein Praktikum bei Ronny Mathes-Langut zu absolvieren.
Sternberg erinnert sich an eine frühere Aktion namens „In Deinen Schuhen“ für den Social-Media-Auftritt des Landkreises, bei der er in einer Straßenmeisterei, einer Bäckerei und einer Schule mitgearbeitet hatte: „Das war spannend und hat viel Spaß gemacht. Ich halte insgesamt viel davon, miteinander zu reden und sich ein eigenes Bild von den Dingen zu machen, bevor man sich eine Meinung bildet.“
Einblicke, die bleiben
Die zwei Tage haben bei Ronny Mathes-Langut nachhaltigen Eindruck hinterlassen. Nicht nur sah er viel vom Landkreis, sondern er verstand auch, wie zahlreiche Themenstränge in der Kreisverwaltung zusammenlaufen. „Ich weiß nicht, ob ich mir all diese Informationen merken könnte“, gibt der Gemeindearbeiter ehrlich zu und zeigt damit Respekt vor der komplexen Aufgabe des Landrates.
Dieses unkonventionelle Praktikum beweist, wie wertvoll der direkte Austausch zwischen Verwaltungsspitze und Bürgern sein kann. Es fördert nicht nur das gegenseitige Verständnis, sondern zeigt auch, wie vielfältig und anspruchsvoll die Arbeit in der kommunalen Selbstverwaltung ist – von den frühen Morgenstunden bis in den späten Abend.



