Kiel löscht Instagram-Werbung für digitalen Kirchenaustritt nach Kritik der Kirchen
Kiel löscht Werbung für Online-Kirchenaustritt nach Kritik

Kieler Verwaltung löscht kontroverse Instagram-Werbung für digitale Dienste

Ein gut gemeinter Versuch der Stadt Kiel, für ihre neuen digitalen Verwaltungsdienste zu werben, ist spektakulär nach hinten losgegangen. In einem mittlerweile gelöschten Instagram-Video hatte die Stadtverwaltung demonstriert, wie Bürgerinnen und Bürger Termine beim Standesamt künftig per Online-Videosprechstunde erledigen können – und dabei ausgerechnet den Kirchenaustritt als anschauliches Beispiel gewählt.

Empörung bei katholischer und evangelischer Kirche

Die Reaktionen der Kirchen ließen nicht lange auf sich warten. Beate Bäumer, Leiterin des katholischen Büros Schleswig-Hürttemberg im Erzbistum Hamburg, äußerte sich gegenüber den Kieler Nachrichten deutlich: "Es ist sehr befremdlich, dass eine Verwaltung öffentlich den Kirchenaustritt bewirbt." Auch die protestantische Seite zeigte sich wenig erfreut über die Darstellung.

Pastor Wilko Teifke, landeskirchlicher Beauftragter der Nordkirche beim Land, betonte gegenüber derselben Zeitung: "Ein Austritt aus der Kirche ist kein neutraler Vorgang wie eine Ummeldung oder ein neuer Personalausweis, sondern berührt sehr persönliche Fragen von Glauben, Zugehörigkeit und Lebensgeschichte."

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Inhalt des gelöschten Videos

Das kontroverse Video zeigte eine junge Frau, die in einem Standesamt auf ihren Termin wartet, um aus der Kirche auszutreten. Stattdessen erfährt sie in einer Online-Videosprechstunde, dass sie diesen Vorgang nun komplett digital erledigen kann – von der Antragstellung bis zur Beurkundung. Ihre begeisterte Reaktion: "Das mache ich", sagt sie und reckt den Daumen nach oben.

Inzwischen ist das Video von der Instagram-Plattform der Stadt Kiel verschwunden. Eine Sprecherin der Stadt erklärte gegenüber der Bild-Zeitung, der Beitrag sei "gelöscht worden, um weitere Irritationen zu vermeiden". Es sei niemals die Absicht gewesen, Werbung für Kirchenaustritte zu machen. "Ziel des Beitrags war es vielmehr, neue Onlinedienste vorzustellen", so die offizielle Stellungnahme.

Details zum digitalen Verwaltungsangebot

Bei der neuen Online-Videosprechstunde können sich Bürgerinnen und Bürger per Webcam direkt mit dem Amt verbinden lassen. Die technischen Details:

  • Anträge werden komplett papierfrei eingereicht
  • Antragsteller müssen sich mit einem gültigen Ausweis identifizieren
  • Die Gebühren von 20 Euro pro Kirchenaustritt lassen sich per PayPal oder Kreditkarte bezahlen
  • Das System soll unnötige Wege zum Amt vermeiden

Laut den Kieler Nachrichten hat das Kieler Standesamt pro Jahr mit etwa 4000 Kirchenaustritten zu tun. Die Anmeldung für diese Dienstleistung bleibt weiterhin möglich, ebenso wie zahlreiche andere Verwaltungsdienstleistungen, die bereits online verfügbar sind.

Landesregierung prüft das Verfahren

Ob dieser Pilotversuch den gesetzlichen Anforderungen genügt, will nun das Land Schleswig-Holstein überprüfen. Ein Sprecher des schleswig-holsteinischen Innenministeriums teilte der Deutschen Presse-Agentur mit, das Ministerium nehme den Fall zum Anlass, sich das Verfahren der Stadt Kiel näher erläutern zu lassen, um es anschließend fachlich bewerten zu können.

Diese Entwicklung zeigt deutlich die sensiblen Grenzen, die bei der Digitalisierung von Verwaltungsdienstleistungen beachtet werden müssen – besonders wenn es um persönliche und weltanschauliche Themen wie den Kirchenaustritt geht.

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