Kita-Finanzierung in der Krise: Lychen fordert mit Resolution Hilfe vom Land Brandenburg
Die Stadt Lychen in der Uckermark sieht sich bei der Finanzierung ihrer Kindertagesstätten vom Land Brandenburg im Stich gelassen. Nachdem das Deutsche Rote Kreuz (DRK) als Träger der Kita "Cohrs-Stift" im November 2025 die Kündigung des Betriebs angekündigt hatte, musste die Stadt handeln. In der jüngsten Stadtverordnetenversammlung wurde ein neuer Zwei-Jahres-Vertrag beschlossen, der mit einer drastischen Erhöhung der städtischen Zuschüsse verbunden ist.
Verdopplung der Zuschüsse als Notlösung
Um die drohende Schließung der Einrichtung abzuwenden, in der aktuell 75 Kinder betreut werden, hat die Stadt Lychen den jährlichen Zuschuss für Betriebskosten von 90.000 Euro auf 180.000 Euro verdoppelt. Diese Maßnahme stellt für den städtischen Haushalt eine enorme Belastung dar und markiert für die politisch Verantwortlichen einen kritischen Punkt. Lychen ist dabei kein Einzelfall – zahlreiche Kommunen in Brandenburg klagen über ähnliche finanzielle Engpässe bei der Kita-Finanzierung.
Fraktionsübergreifende Resolution an die Landesregierung
Im Vorfeld der Stadtverordnetenversammlung hatten sich alle Fraktionen darauf verständigt, eine gemeinsame Resolution an die Landesregierung zu richten. Klaus Schroeter (SPD), der Verfasser der Resolution, stellte das Dokument in der Sitzung vor. Darin bringt die Stadt zum Ausdruck, dass sie sich als kleine Kommune bei der Kita-Finanzierung alleingelassen fühlt. "Wir fordern die Landesregierung auf, endlich für eine ausreichende Finanzierung der örtlichen Träger der Jugendhilfe zu sorgen", heißt es in dem Text. Bereits 2022 war eine Reform der gesetzlichen Grundlagen angekündigt worden, die jedoch bis heute nicht umgesetzt wurde.
Neun Forderungen für strukturelle Veränderungen
In ihrer Resolution formulieren die Lychener Stadtverordneten neun konkrete Forderungen zur Beseitigung struktureller Probleme im brandenburgischen Kitagesetz:
- Die kurzfristige Projektfinanzierung durch ein zusätzliches Kita-Budget von acht Millionen Euro für 2026 soll in langfristige, kalkulierbare Förderungen umgewandelt werden
- Ein neues Finanzierungsmodell mit Sockelbeträgen je nach Kita-Größe und davon abhängigen Festbeträgen pro Kind soll gesetzlich verankert werden
- Besondere Berücksichtigung kleiner, strukturschwacher Kommunen wie Lychen bei der Finanzierung
Die Resolution fand fraktionsübergreifend die Zustimmung aller Stadtverordneten und verdeutlicht die Dringlichkeit der Situation. Die vollständige Resolution ist auf der Internetseite der Stadt Lychen veröffentlicht.
Die Kita-Finanzierung entwickelt sich zunehmend zu einem zentralen kommunalpolitischen Thema in Brandenburg. Während die Landesregierung mit dem zusätzlichen Kita-Budget für 2026 einen ersten Schritt unternommen hat, fordern die Kommunen nachhaltige Lösungen, die über kurzfristige Finanzspritzen hinausgehen. Die strukturellen Probleme des aktuellen Systems belasten insbesondere kleine Gemeinden wie Lychen, die trotz begrenzter finanzieller Ressourcen eine verlässliche Kinderbetreuung gewährleisten müssen.



