Lychen sucht unter Zeitdruck neuen Betreiber für Bootssteg
Noch liegt Schnee auf dem Bootssteg an der Postablage in Lychen, der Stadtsee ist zugefroren. Doch die touristische Wassersaison in der Flößerstadt rückt unaufhaltsam näher. Die entscheidende Frage, die sich nun stellt: Wer wird in diesem Jahr den städtischen Bootssteg betreiben?
Interessenbekundungsverfahren gestartet
Um diese Frage zu klären, hat die Stadt Lychen ein sogenanntes Interessenbekundungsverfahren auf den Weg gebracht. Die Verwaltung hat die Ausschreibung unter „Aktuelle Meldungen“ auf der Startseite ihrer Homepage platziert, um möglichst viele potenzielle Bewerber zu erreichen.
Die Stadt befindet sich im Zugzwang. Bereits im März des vergangenen Jahres hatte sie dem vormaligen Pächter Stefan Schwichtenberg den Pachtvertrag gekündigt. Trotz dieser Kündigung vermietete Schwichtenberg noch bis zum Ende der Saison Bootsliegeplätze an dem Steg. Zwischen Pächter und Verpächter herrscht ein anhaltender Rechtsstreit. Im November vergangenen Jahres übergab Stefan Schwichtenberg jedoch alle Schlüssel, sodass die Stadt seither wieder die volle Verfügungsgewalt über den Steg und alle dazugehörigen baulichen Anlagen besitzt.
Stadtverordnete beauftragen Bürgermeisterin
Die Lychener Stadtverordneten haben Bürgermeisterin Karola Gundlach (parteilos) damit beauftragt, das Vergabeverfahren in die Wege zu leiten. „Die Abstimmung mit den Fraktionen hat etwas länger gedauert“, erklärte Karola Gundlach dazu. Zunächst mussten sich Stadtverordnete und Verwaltung auf Eckwerte zur Ausschreibung verständigen.
Die Bewerbungsfrist im Interessenbekundungsverfahren endet am 20. März. Bewerber müssen bis dahin unter anderem ein detailliertes Nutzungskonzept vorlegen, das sich an den Vorstellungen der Stadt zur Bewirtschaftung des Steges sowie des gesamten Hafenareals orientiert.
Anforderungen an künftigen Pächter
Zu den zentralen Aufgaben des künftigen Pächters gehören:
- Die Vermietung von Liegeplätzen an wassertouristische Gäste
- Die Einrichtung eines Empfangs- und Servicepunktes
- Die Betreuung der Pächter von Dauerliegeplätzen
- Die Bewirtschaftung der Ver- und Entsorgungsanlagen
- Die Einnahme der Kurtaxe im Auftrag der Stadt
Mindestens neun Liegeplätze sollen ausschließlich wassertouristischen Gästen vorbehalten bleiben. Darüber hinaus erwartet die Stadt ein zweites Standbein in Form einer gastronomischen Einrichtung in den vorhandenen Containern, die auch die zahlreichen Gäste in Lychen während der Saison zu einem Besuch am See einladen soll.
Finanzielle Rahmenbedingungen
Die Stadt Lychen ruft ein Mindestgebot von 29.000 Euro für die jährliche Pacht auf. Sie behält sich eine inflationsbedingte Steigerungsrate vor, wobei die Pacht jeweils ein Jahr später zu entrichten ist. Der Pachtvertrag soll bereits für dieses Jahr gelten und über einen Zeitraum von fünf Jahren abgeschlossen werden, mit einer jährlichen Verlängerungsoption.
Ambitionierter Zeitplan
Nach den Erfahrungen der letzten Pachtvergabe im Jahr 2021, als sich drei Bewerber fanden, geht Bürgermeisterin Karola Gundlach davon aus, dass es auch diesmal Interessenten für die Betreibung der Steganlage geben wird. Die endgültige Entscheidung über die Vergabe der Pacht treffen die Stadtverordneten.
Die Interessenten sollen zu einem Gespräch mit den Stadtverordneten eingeladen werden, bei dem sie Gelegenheit haben werden, ihre Vorstellungen zum Betrieb der Anlage ausführlich darzulegen. „Mein Wunsch ist, dass wir so schnell wie möglich eine Auswahl treffen“, betonte Karola Gundlach.
Tatsächlich ist der Zeitplan äußerst ambitioniert. Die nächste reguläre Gelegenheit, über die Vergabe der Pacht zu entscheiden, ist die Stadtverordnetenversammlung am 13. April. Zu diesem Zeitpunkt hat die touristische Saison in Lychen jedoch bereits begonnen.
Plan B für den Notfall
Dieser enge Zeitrahmen ist der Bürgermeisterin durchaus bewusst. Deshalb muss sie bereits über einen „Plan B“ nachdenken. „Wir müssen uns als Stadt darauf vorbereiten, die Liegeplätze unter Umständen selbst zu vermieten“, erklärte sie. Dabei gehe es weniger um die Dauerliegeplätze, deren Vermietung eher unproblematisch sei. Die größere Herausforderung wären die Gastliegeplätze, an denen Wassertouristen anlegen wollen, wenn sie die Lychener Gewässer besuchen.
„Ich hoffe, dass wir uns nicht ernsthaft darüber Gedanken machen müssen“, gab sich Karola Gundlach dennoch zuversichtlich. Die Stadtverwaltung arbeitet mit Hochdruck daran, einen geeigneten Pächter zu finden, bevor die Wassersaison in vollem Gange ist und die ersten Boote in Lychen anlegen wollen.



