Münchner Geldbeutelwaschen: Traditioneller Brauch vor dem Rathaus soll leere Kassen füllen
Am Aschermittwoch fand im Münchner Rathaus wieder eine jahrhundertealte Tradition statt: das Geldbeutelwaschen. Oberbürgermeister Dieter Reiter, Stadtkämmerer Christoph Frey sowie die Bürgermeister Dominik Krause und Verena Dietl hielten ihre Geldbeutel in den Fischbrunnen vor dem historischen Rathaus. Dieser symbolische Akt soll Geld in die städtischen Kassen spülen – und das könnte die bayerische Landeshauptstadt aktuell dringend gebrauchen.
Ein Brauch mit historischen Wurzeln
Begonnen hat diesen ungewöhnlichen Brauch nicht die politische Führung, sondern das Dienstpersonal vor vielen Jahrhunderten. Die Angestellten wollten ihren Herrschaften nach dem ausgelassenen Fasching verdeutlichen, wie leer deren Geldbeutel tatsächlich waren. Aus dieser Geste entwickelte sich über die Jahrzehnte eine feste Tradition im Münchner Rathaus, die regelmäßig am Aschermittwoch zelebriert wird.
Ausfall im Vorjahr und aktuelle Finanzsorgen
Im vergangenen Jahr musste das Geldbeutelwaschen ausfallen, nachdem ein Mann einen Anschlag auf eine Demonstration des Gewerkschaftsbundes Verdi verübte, bei dem eine Frau und ihre Tochter ums Leben kamen. Oberbürgermeister Dieter Reiter von der SPD äußerte am Mittwoch auf dem Marienplatz mit einem Augenzwinkern: „So leer wie in diesem Jahr, in dem das Geldbeutelwaschen ausfiel, waren unsere Kassen jedenfalls noch nie.“ Tatsächlich stehen die städtischen Finanzen unter erheblichem Druck.
Ende 2024 fiel es dem Rathaus schwer, einen genehmigungsfähigen Haushalt aufzustellen. Zur Deckung der laufenden Kosten, insbesondere für das Personal, darf die Stadt keine neuen Schulden aufnehmen. Derzeit bleiben lediglich 31 Millionen Euro als finanzieller Spielraum übrig – und das trotz beeindruckender Steuereinnahmen von 9,5 Milliarden Euro. CSU-OB-Kandidat Clemens Baumgärtner zeigt sich verwundert: „Wie das nicht reichen kann, will mir nicht in den Kopf.“
Sparmaßnahmen und Investitionsbedarf
Um die angespannte Finanzlage zu verbessern, schlägt Baumgärtner vor, Gebäude nicht mehr im sogenannten „Goldstandard“ zu errichten. Tatsächlich baut die städtische Wohnungsbaugesellschaft aktuell fast doppelt so teuer wie vergleichbare Gesellschaften in Berlin. Auch Oberbürgermeister Reiter kündigte Sparmaßnahmen an: weniger Gestaltungswettbewerbe, reduzierte Aufträge für externe Juristen und Einsparungen beim Personal. Während seiner Amtszeit seien 10.000 neue Stellen geschaffen worden, einen solchen Personalaufbau werde es in Zukunft nicht mehr geben.
Dominik Krause, OB-Kandidat der Grünen, betont ebenfalls die Notwendigkeit zum Sparen. Gleichzeitig weist er darauf hin, dass Investitionen in den öffentlichen Personennahverkehr und den Klimaschutz unverzichtbar bleiben. Die Balance zwischen notwendiger Haushaltskonsolidierung und zukunftsorientierten Ausgaben stellt die Stadt vor eine komplexe Herausforderung.
Das traditionelle Geldbeutelwaschen am Aschermittwoch bleibt somit nicht nur ein folkloristisches Ritual, sondern spiegelt die aktuellen finanziellen Sorgen der Landeshauptstadt wider. Ob der symbolische Akt tatsächlich einen Geldsegen bringt, bleibt abzuwarten – die Diskussionen über Sparmaßnahmen und notwendige Investitionen werden in München jedoch sicherlich weitergehen.



