Münchner Grünen-Parteitag: Neues Führungsduo gewählt und klare Angriffe auf Bundesregierung
Bei ihrem Parteitag am Samstag haben sich die Münchner Grünen neu aufgestellt und ein frisches Führungsduo an die Spitze gewählt. Gleichzeitig nutzte der neu gewählte Oberbürgermeister Dominik Krause die Veranstaltung als Bühne für deutliche Kritik an der Bundesregierung, insbesondere am umstrittenen Tankrabatt.
Jarchow und Sauer übernehmen die Führung
Wie erwartet wurde Svenja Jarchow in ihrem Amt als Co-Vorsitzende bestätigt. Neu hinzu kommt Fabian Sauer aus Bogenhausen, der mit 35 Jahren den anderen Teil der traditionellen Doppelspitze übernimmt. Sauer betonte im Gespräch mit der AZ, dass sich die Grünen als OB-Partei verstehen und für alle 1,6 Millionen Münchnerinnen und Münchner da sein wollen.
„Wir werden noch stärker überall in der Stadt präsent sein“, erklärte Sauer und fügte hinzu: „Besonders wichtig ist uns, gemeinsam mit dem Oberbürgermeister vor Ort zu sein – auch bei Gegenwind und nicht nur, wenn es etwas zu feiern gibt.“
Der bisherige Co-Vorsitzende Florian Siekmann, Landtagsabgeordneter, hatte nach zwei Jahren Amtszeit auf eine Wiederwahl verzichtet. In seiner Zeit gelang es ihm, die Grünen als eigene Stimme in Stadtdebatten zu positionieren und maßgeblich zum historischen Wahlerfolg beizutragen, der München zur ersten von einem Grünen regierten Millionenstadt machte.
Krause warnt vor finanziellen Problemen und attackiert Bundesregierung
In seiner ernsthaften Rede auf dem Parteitag zeichnete Oberbürgermeister Dominik Krause ein düsteres Bild der städtischen Finanzen. „Wenn wir so weitermachen wie in den letzten Jahren, droht München der finanzielle Kollaps“, warnte er vor den Parteimitgliedern.
Trotz leerer Kassen betonte Krause die Notwendigkeit eines Aufbruchs. Besonders scharf kritisierte er jedoch die Bundesregierung für ihre Energiepolitik. Den Tankrabatt bezeichnete er als „Politik von Vorgestern“ und fügte hinzu: „Es ist einfach ein Skandal, dass Milliarden für einen Tankrabatt bereitstehen, während die Städte bei Investitionen in neue Tram- und U-Bahn-Linien im Regen stehen gelassen werden.“
Krause ließ durchblicken, dass er nicht mehr an eine Wiederaufnahme der gescheiterten Koalitionsverhandlungen mit Volt glaubt. Stattdessen positionierte er sich klar als kritische Stimme gegenüber der Bundespolitik.
Herausforderungen für die OB-Partei
Die Münchner Grünen stehen vor mehreren Herausforderungen:
- Sie müssen sich als Regierungspartei in der Millionenstadt bewähren
- Die angespannte Finanzlage erfordert kreative Lösungen
- Die Kritik an der Bundesregierung könnte zu Spannungen führen
- Die Präsenz in allen Stadtteilen muss ausgebaut werden
Das neue Führungsduo Jarchow und Sauer betonte die Bedeutung von Bodenhaftung und kontinuierlicher Arbeit vor Ort. „Unser Ziel ist es, für alle Bürgerinnen und Bürger da zu sein, nicht nur bei Erfolgen, sondern besonders in schwierigen Zeiten“, so Sauer.
Der Parteitag markierte damit nicht nur einen personellen Wechsel an der Spitze, sondern auch eine deutliche inhaltliche Positionierung. Während die Grünen intern ihre Strukturen neu ordnen, bereiten sie sich gleichzeitig auf die Herausforderungen ihrer neuen Rolle als regierende OB-Partei vor – mit klaren Worten gegenüber der Bundesebene.



