Münchens OB Reiter im FC-Bayern-Aufsichtsrat: Stadtrat kritisiert fehlende Transparenz bei Vergütung
OB Reiters FC-Bayern-Job: Stadtrat kritisiert fehlende Transparenz

Münchens Oberbürgermeister im FC-Bayern-Aufsichtsrat: Transparenzdebatte im Stadtrat

Die Übernahme eines Top-Jobs beim FC Bayern durch Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter sorgt für erhebliche politische Wellen in der Landeshauptstadt. Unmittelbar vor der Kommunalwahl am Sonntag hat das Thema durch einen Dringlichkeitsantrag der Linkspartei den Stadtrat beschäftigt. Die Unruhe im Rathaus ist nach aktuellen Recherchen deutlich gewachsen.

Reiter weiß nicht über mögliche Vergütung Bescheid

Im Stadtrat äußerte sich der SPD-Politiker jetzt zu der entscheidenden Frage, ob er für seine Tätigkeit als Aufsichtsrat des FC Bayern bezahlt werde. "Ich könnte Ihnen jetzt nicht sagen, ob und in welcher Höhe ich überhaupt vergütet werde", erklärte Reiter. Das sei nicht seine erste Frage gewesen, als der Posten ihm angetragen wurde. Der bekennende Bayern-Fan betonte, dass er bereits im Februar an einer Aufsichtsratssitzung teilgenommen habe, dabei aber nur "als Gast" anwesend gewesen sei.

Rechtliche Bedenken und Vergleichszahlen

Die Fraktionen im Stadtrat wollen genau wissen, was es mit dem Engagement auf sich hat – und wie viel Geld der Oberbürgermeister vom deutschen Fußball-Rekordmeister dafür erhält. Nach Beamtenrecht sind Nebeneinkünfte ab 10.000 Euro pro Jahr genehmigungspflichtig. Ob Reiter als Aufsichtsrat darüber liegt, dazu schweigt sein Büro. Doch es gibt Vergleichszahlen: Der ehemalige Audi-Chef Markus Duesmann erhielt für das Kalenderjahr 2023 im Bayern-Aufsichtsrat 75.000 Euro, im Jahr zuvor waren es sogar 99.860 Euro gewesen.

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Kritik von Opposition und Experten

Die ÖDP setzte in ihrem Antrag im Stadtrat OB Reiter ein Ultimatum: Er soll bis Donnerstag, 5. März, um 9 Uhr schriftlich beantworten, welche konkreten Aufgaben er im Aufsichtsrat wahrnimmt, welchen zeitlichen Aufwand das Mandat erfordert, welche Vergütung vereinbart ist und ob städtische Ressourcen in Anspruch genommen werden. ÖDP-Fraktionsvorsitzender Tobias Ruff kritisierte scharf: "Es wurden Fakten geschaffen und der Stadtrat nachträglich vor vollendete Tatsachen gestellt."

Die AZ hat mit mehreren Experten über diese Frage gesprochen. Keiner von ihnen glaubt, dass die Einnahmen ohne Genehmigung rechtlich in Ordnung sind. Und: Keiner von ihnen glaubt, dass Reiter sie sich noch nachträglich genehmigen lassen kann.

Offizielle Position noch unklar

Die entscheidende Frage bleibt, ob Reiter eigentlich offiziell schon Teil des Aufsichtsrats ist. An einer Sitzung teilgenommen hat er auf jeden Fall schon. Im Handelsregister aber ist noch sein Vorgänger Edmund Stoiber eingetragen. Der FC Bayern ließ eine Anfrage, ab wann Dieter Reiter offiziell Teil des Aufsichtsrats ist, unbeantwortet.

Bis zur nächsten Sitzung des Aufsichtsrates wolle er das Ergebnis einer Prüfung seiner Rechtsabteilung vorlegen, die alle Fragen beantworten sollen, sagte Reiter. Dringlichkeitsanträge, das Thema noch vor der Kommunalwahl an diesem Sonntag im Stadtrat umfassend zu behandeln, wurden mit einer Mehrheit von SPD, CSU und FDP abgelehnt.

Umfragen sehen Reiter bei der Wahl zum Oberbürgermeister deutlich vor seinen Konkurrenten von Grünen und CSU. Es wäre seine dritte Amtszeit. Die Debatte um seinen FC-Bayern-Posten zeigt jedoch, dass auch ein erfahrener Kommunalpolitiker mit Transparenzfragen konfrontiert werden kann, besonders wenn private und öffentliche Interessen sich zu überschneiden scheinen.

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