Mitternachtsregel im Münchner Univiertel: Späti-Betreiber kämpft gegen Umsatzeinbußen
Späti-Streit: Mitternachtsregel sorgt für Konflikte im Univiertel

Späti-Streit im Münchner Univiertel: Kioskbesitzer wehrt sich gegen Mitternachtsregel

Im Münchner Univiertel prallen derzeit Nachtruhe und studentische Feierkultur heftig aufeinander. Ein Spätkauf-Betreiber klagt über erhebliche Umsatzeinbußen durch eine neue Mitternachtsregel für Flaschenbier, während der nahegelegene Giesinger Stehausschank mit strengen Auflagen, sogenannten Silencern und einer geplanten To-go-Bar versucht, Lärm und Lebenslust in ein akzeptables Gleichgewicht zu bringen.

Späti-Betreiber Shivan Beseh: "Das Geld fehlt mir natürlich"

In seinem Kiosk an der Schellingstraße 36 darf Shivan Beseh (43) seit März dieses Jahres nur noch bis Mitternacht Flaschenbier verkaufen. Tabak, Schokoriegel, Softdrinks und Hygieneartikel wie Shampoo und Zahnpasta bietet er zwar weiterhin an, doch gerade der nächtliche Bierverkauf brachte bisher den wesentlichen Umsatz. Geöffnet hat sein Späti regulär bis 2 Uhr nachts, an Freitagen und Samstagen sogar bis 3 Uhr.

"Ich jammere nicht, aber ich fühle mich schon sehr eingeschränkt", erklärt Beseh gegenüber der AZ. Sein Kiosk gehört zu jenen fünf Betrieben im Univiertel, die Flaschenbier aus Lärmschutzgründen nur noch bis Mitternacht anbieten dürfen. Im vergangenen Jahr hatte es zwischen Anwohnern und Feiernden immer wieder Probleme gegeben. Zu viel Müll und nächtlicher Lärm sorgten für erheblichen Unmut, was schließlich zu diesen restriktiven Maßnahmen führte.

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"Das ist für mich schlecht, weil nach Mitternacht am Wochenende oft noch 150 oder 200 Leute für ein Bier kommen und ich die wieder wegschicken muss. Das Geld fehlt mir natürlich", so der frustrierte Späti-Betreiber. Die neue Regelung sei aber auch für die jungen Leute nachteilig, die mit kleinem Budget ihre Jugend genießen wollen. "Warum lassen wir die Studenten nicht ihre Jugend genießen? Wer weiß, was auf sie noch zukommt", fragt er rhetorisch.

Ungleiche Behandlung und Hoffnung auf den neuen Oberbürgermeister

Beseh kritisiert zudem die Ungleichbehandlung der verschiedenen Betriebe. "Entweder sollten alle Kioske und Gaststätten in der ganzen Stadt um 24 Uhr beschränkt werden, oder keiner. Aber nur wir fünf hier – das ist nicht fair", moniert er. Nun setzt er seine Hoffnungen auf den neu gewählten grünen Oberbürgermeister Dominik Krause. "Er ist doch ein lockerer Typ. Er sollte die neue Regel wieder abschaffen", wünscht sich Beseh und lädt Krause herzlich zu einem Stehbier an seinem Kiosk ein – "natürlich vor Mitternacht".

Giesinger Stehausschank setzt auf strenge Auflagen und neue Konzepte

Für den Giesinger Stehausschank an der Ecke Schelling-/Türkenstraße, wo sich an warmen Abenden regelmäßig Trauben junger Menschen versammeln, gilt die Mitternachtsregel zwar nicht. Doch auch hier gibt es klare Vorschriften zur Lärmreduzierung. Groß neben Tür und Fenster steht die Regel: "Keine Getränke draußen ohne Tisch und Sitzplatz". Das Kommunalreferat (KVR) hat dem Betrieb für dieses Frühjahr zudem die Zahl der Tische und Stühle am Gehsteig reduziert, wie Betriebsleiter Stefano Weitzner (32) berichtet.

Dafür wurde an der Türkenstraße ein Schanigarten eingerichtet, der unter der Woche bis 23 Uhr und an Wochenenden bis Mitternacht geöffnet ist. "Wir haben am Wochenende Silencer draußen, die aufpassen, dass die Leute leise sind und keiner mit Bier in der Hand am Gehsteig steht", erklärt Weitzner. Diese Aufsichtspersonen sollen dafür sorgen, dass die nächtliche Feierlaune nicht in übermäßigen Lärm ausartet.

Neue Konzepte: Public Viewing und To-go-Bar

Der Betriebsleiter freut sich dennoch auf die kommende Saison. Für die Fußball-WM im Juni und Juli wurden bereits zwei Bildschirme im Innenbereich installiert, möglicherweise kommt noch ein weiterer für ein öffentliches Public Viewing hinzu. "Das wird cool", ist Weitzner überzeugt.

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Zudem plant er in Kürze die Eröffnung einer To-go-Bar namens "Gassenschänke". "Da verkaufen wir ab mittags bis 22 Uhr Getränke aus dem Fenster an die Laufkundschaft", so Weitzner. "Kein Flaschenbier, sondern Getränke in Bechern" – und diese sind ausdrücklich zum Mitnehmen und Weitergehen gedacht, nicht zum Verweilen vor dem Lokal. Dieses Konzept soll zusätzlich zur Lärmreduzierung beitragen und gleichzeitig neue Kundschaft anlocken.

Der Konflikt im Münchner Univiertel zeigt deutlich die Herausforderungen, Nachtleben und Anwohnerinteressen in Einklang zu bringen. Während ein Späti-Betreiber unter den neuen Regelungen leidet, setzt ein etablierter Stehausschank auf kreative Lösungen und strenge Kontrollen. Die Diskussion um die richtige Balance zwischen Feierkultur und Nachtruhe wird in der bayerischen Landeshauptstadt sicherlich weitergehen.