Edis treibt Netzausbau im Nordosten voran: 40 Umspannwerke und 520 km Leitungen bis 2045 geplant
Edis plant massiven Netzausbau im Nordosten bis 2045

Edis treibt Netzausbau im Nordosten Deutschlands mit ambitionierten Plänen voran

Der Netzbetreiber Edis hat umfangreiche Ausbaupläne für die Stromverteilnetze in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern vorgestellt. Bis zum Jahr 2045 sollen im Hochspannungsbereich 40 Umspannwerke errichtet werden, dazu kommen 520 Kilometer neue Hochspannungsleitungen. Im Mittelspannungsbereich sind 400 Umspannwerke und 12.000 Kilometer Leitungen geplant, während im Niederspannungsbereich 14.000 Ortsnetzstationen und 6.500 Kilometer Leitungen benötigt werden.

Massive Investitionen in die Netzinfrastruktur

Die Edis Netz GmbH ist für Stromverteilnetze mit einer Gesamtlänge von etwa 83.000 Kilometern in weiten Teilen Brandenburgs und Mecklenburg-Vorpommerns verantwortlich. In diesem Netzgebiet werden rund 1,5 Millionen Kunden mit elektrischer Energie versorgt. „Allein im vergangenen Jahr hat die Edis Netz GmbH rund 300 Millionen Euro in ihr Verteilnetz investiert“, erklärte Edis-Sprecher Nils Winter. Mittlerweile konnten bereits über 223.000 Energiewende-Anlagen angeschlossen werden, darunter vor allem Photovoltaik- und Windkraftanlagen.

Diese Anlagen verfügen über eine maximale Erzeugungsleistung von mehr als 17.000 Megawatt, während die Jahreshöchstlast im Netzgebiet lediglich bei 2.400 Megawatt liegt. Diese Diskrepanz verdeutlicht das zentrale Problem: Im Edis-Netzgebiet wird durch erneuerbare Energiequellen deutlich mehr Strom produziert als vor Ort verbraucht werden kann.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Überschuss an erneuerbarem Strom stellt Netz vor Herausforderungen

Laut Angaben des Netzbetreibers werden in der Region bereits 159 Prozent des Bruttostromverbrauchs aus regenerativen Quellen erzeugt. In einer Ausschusssitzung der Stadtverordnetenversammlung von Templin wurde diese Situation thematisiert. Die Kleinstadt in der Uckermark verzeichnet derzeit eine Flut von Neuanträgen für Freiflächensolaranlagen.

Die entscheidende Frage lautet: Brauchen wir noch mehr Erzeugungskapazitäten, wenn einerseits Anlagen bereits abgeregelt werden müssen und andererseits die Bevölkerung nicht angemessen von den niedrigen Erzeugerpreisen profitiert? Diese Diskussion wird nicht nur in Templin und der Uckermark geführt, sondern betrifft die gesamte Region.

Geplante Leistung übertrifft lokalen Bedarf bei weitem

Bereits jetzt beträgt das Volumen der beantragten Erneuerbare-Energie-Leistung im Netzgebiet der Edis mehr als 110 Gigawatt. Dies entspricht etwa 50 Prozent des Ausbauziels der Bundesregierung. Folgerichtig kann der Strom aus regenerativen Energiequellen nur zum Teil in der Region verbraucht werden und muss bereits heute in weiten Teilen über das Netz abtransportiert werden.

Der Mutterkonzern Eon geht für das Edis-Gebiet für das Jahr 2030 von einer installierten Anlagen-Leistung von gut 30.000 Megawatt aus erneuerbaren Energiequellen aus. Die maximale Verbrauchslast wird im selben Zeitraum voraussichtlich nur auf etwa 3.500 Megawatt ansteigen. Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) hatte in einem Interview verkündet, sein Ziel sei es, „Brandenburger Strom, der günstig erzeugt wird, hier zu verbrauchen“. Sollte noch etwas übrig sein, könne auch Bayern davon profitieren.

Verschiedene Lösungsansätze im politischen Diskurs

Auf dem Tisch liegen mehrere Vorschläge zur Bewältigung der Herausforderungen:

  • Regulierung des Ausbaus erneuerbarer Energiegewinnung an Standorten mit strombedingten Netzengpässen
  • Abschaffung der Entschädigung für abgeregelte Energie, wie von Wirtschaftsministerin Katharina Reiche (CDU) vorgeschlagen
  • Beteiligung der Betreiber von Erneuerbare-Energien-Anlagen an den Netzkosten über Baukostenzuschüsse
  • Weitere Forcierung des Netzausbaus mit politischer Förderung für mehr Tempo

Politisch wird derzeit insbesondere die Idee diskutiert, dass nicht nur die Stromverbraucher, sondern auch die Einspeiser an den Netzkosten beteiligt werden sollten.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration

Lange Planungsverfahren bremsen den Netzausbau

Von einer schnellen Umsetzung der Ausbaupläne scheint man allerdings noch entfernt. Wie Eon auf seiner Webseite erinnert, sind für viele Investitionsprojekte, insbesondere für Hochspannungsleitungen, Planfeststellungsverfahren vorgeschrieben. Während der Bau eines Solarparks unter optimalen Bedingungen in etwa zwei Jahren realisiert werden kann, rechnet man für den Freileitungsausbau nach derzeitigem Verfahrensstand mit Realisierungszeiten von acht bis zwölf Jahren.

Diese zeitliche Diskrepanz zwischen dem schnellen Ausbau der Erzeugungskapazitäten und dem deutlich langsameren Netzausbau stellt eine erhebliche Herausforderung für die Energiewende im Nordosten Deutschlands dar. Die Edis bleibt jedoch bei ihren ambitionierten Ausbauplänen, um die Stromnetze für die Zukunft fit zu machen.