Linken-Chef attackiert VW-Privatjets in Krisenzeiten
Die Privatjet-Flotte des Volkswagen-Konzerns steht erneut im Fokus politischer Kritik. Jan van Aken, Bundesvorsitzender der Partei Die Linke, nutzt die aktuellen Schwierigkeiten des Automobilriesen für einen scharfen Angriff auf die Flugreisen der VW-Manager.
Kritik an Luxusflügen während Stellenabbau
»Während VW in der Krise steckt und tausende Beschäftigte um ihre Arbeitsplätze fürchten, fliegen die VW-Bosse in sechs Privatjets um die Welt«, erklärte van Aken gegenüber der Welt am Sonntag. Der Konzern hatte zuvor angekündigt, bis zum Jahr 2030 etwa 50.000 Stellen abbauen zu wollen.
Die Linkspartei ließ den Flugverkehr der Volkswagen AirService GmbH, einer Tochterfirma des Konzerns, durch die Non-Profit-Organisation OpenSky analysieren. Die Auswertung ergab für das Jahr 2025:
- 1.450 Flüge mit den sechs Privatjets
- Eine zurückgelegte Gesamtdistanz von etwa 1,01 Millionen Kilometern
- CO₂-Emissionen von 5.848 Tonnen
Urlaubsflüge und Steuertricks
Neben mutmaßlichen Dienstreisen zu VW-Standorten in Deutschland, Polen und Mexiko fanden sich in den Flugdaten auch zahlreiche Kurztrips in bekannte Urlaubsregionen. Flüge nach Nizza, Ibiza, Barcelona, Paris, Pisa und Malaga im Juli und August 2025 ließen laut einem Konzernsprecher »den Schluss zu, dass diese Flüge nicht oder ganz überwiegend nicht im Auftrag der Volkswagen AG getätigt wurden«.
Van Aken rechnete vor: »Mit dem ausgestoßenen CO₂ dieser Flüge hätte man rund 46.000 Menschen von Hannover nach Mallorca in den Sommerurlaub fliegen können«. Besonders kritisiert er die Steuerbefreiung für Kerosin: »Während wir alle an der Tankstelle Steuern auf Benzin zahlen, zahlen die VW-Jetsetter keinen Cent. Würde Kerosin genauso besteuert wie Benzin, hätte der Staat 2025 allein durch die VW-Privatjets rund 1,5 Millionen Euro mehr eingenommen«.
Rechtliche Grauzonen und frühere Kritik
Volkswagen nutzt dabei einen rechtlichen Kniff: Die Volkswagen AirService GmbH ist als gewerblicher Anbieter von Passagierflugzeugen registriert und kann ihre Jets auch für Charterflüge vermieten. Dadurch ist sie – wie große Fluggesellschaften – von der Energiesteuer befreit. Für Dienstreisen im reinen Werkverkehr müsste der Konzern dagegen Kerosinsteuern abführen.
Zu den Anteilen von Dienst- und Charterflügen sowie den Kostenträgern wollte sich Volkswagen »aus Wettbewerbsgründen« nicht äußern. Bereits vor drei Jahren hatten die Süddeutsche Zeitung und der NDR in einer gemeinsamen Recherche diese Praxis kritisiert.
Van Aken erwähnte nicht, dass derzeit keine Fluggesellschaft – weder Lufthansa noch Condor oder Ryanair – eine Kerosinsteuer abführt. Stattdessen wird eine Luftverkehrsteuer erhoben, die üblicherweise als Ticketsteuer auf Passagiere umgelegt wird. Auch die Volkswagen AirService GmbH ist dazu verpflichtet.
Die Debatte um die VW-Privatjets zeigt erneut die Spannung zwischen Konzernluxus und sozialer Verantwortung in wirtschaftlich schwierigen Zeiten auf.



