Solidaritätsgeste aus Berlin: Wegner lädt Budapester Bürgermeister zum CSD ein
Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Kai Wegner (CDU), hat eine bemerkenswerte Einladung ausgesprochen. In einem Schreiben, das dem Tagesspiegel vorliegt, lädt er seinen Budapester Amtskollegen Gergely Karácsony zum Berliner Christopher Street Day am 25. Juli ein. Diese Geste erfolgt vor dem Hintergrund einer politisch brisanten Situation in Ungarn, wo Karácsony als erklärter Gegner von Ministerpräsident Viktor Orbán agiert.
Anklage in Ungarn nach massenhafter Pride-Teilnahme
Im Januar dieses Jahres erhob die ungarische Staatsanwaltschaft Anklage gegen Gergely Karácsony. Der Vorwurf bezieht sich auf die Budapester Pride-Demonstration im vergangenen Sommer, an der trotz eines polizeilichen Verbots rund 300.000 Menschen teilnahmen. Karácsony hatte die Veranstaltung zuvor zu einer kommunalen Demonstration erklärt, die keine spezielle Genehmigung benötige. Diese Demonstration wurde weithin als Protestaktion gegen den rechtspopulistischen Kurs der Orbán-Regierung interpretiert. Ungarischen Medienberichten zufolge droht dem Budapester Bürgermeister nun eine Geldstrafe.
Wegners deutliche Worte der Solidarität
In seinem Schreiben an Karácsony sprach Kai Wegner nicht nur seinem Amtskollegen, sondern der gesamten LGBTIQ*-Community in Budapest seine „aufrichtige Solidarität“ aus. Wegner zeigte sich besorgt über die Berichte zur Strafverfolgung Karácsonys, die er im Widerspruch zu den gemeinsamen europäischen Werten sieht. „Diese Entwicklung steht im klaren Gegensatz zu den Grundsätzen, für die wir in Europa gemeinsam eintreten“, betonte der Berliner Regierungschef.
Wegner verwies zudem auf die besondere Verbindung zwischen beiden Hauptstädten. Berlin und Budapest sind durch den Pakt der Freien Städte verbunden, der sich explizit für Toleranz, Gleichheit und Menschenrechte einsetzt. In diesem Jahr feiern die beiden Metropolen zudem das 35-jährige Bestehen ihrer Städtepartnerschaft – „ein wunderbarer Anlass, unsere Freundschaft zu feiern und Solidarität sichtbar zu machen“, so Wegner in seinem Schreiben.
Positive Resonanz vom Berliner CSD
Der Berliner Christopher Street Day begrüßte die Einladung an den Budapester Bürgermeister in einer offiziellen Pressemitteilung. Thomas Hoffmann, Vorstandsmitglied des Berliner CSD e. V., wurde mit den Worten zitiert: „Wir danken dem Regierenden Bürgermeister für diese Entscheidung. Berlin zeigt damit Haltung und stellt sich sichtbar an die Seite all jener, die sich für Demokratie, Menschenrechte und Freiheit einsetzen.“
Der Verein betonte die besondere Bedeutung europäischer Solidarität in einer Zeit, in der demokratische Grundrechte und die Organisation friedlicher Demonstrationen zunehmend unter Druck geraten. Die Einladung Wegners wird somit nicht nur als persönliche Geste, sondern als politisches Signal verstanden, das über die Stadtgrenzen Berlins hinausreicht.
Diese Entwicklung unterstreicht die anhaltenden Spannungen zwischen der ungarischen Zentralregierung unter Viktor Orbán und oppositionellen Kräften wie Gergely Karácsony. Die Einladung zum Berliner CSD transformiert eine lokale Veranstaltung damit zu einem Symbol europäischer Wertegemeinschaft und grenzüberschreitender Unterstützung für demokratische Grundrechte.



