Massive Gebührenerhöhung für historische Wiecker Brücke in Greifswald
Erneut sorgt die Wiecker Brücke in Greifswald für erheblichen Unmut bei den Anwohnern. Durch eine neu eingeführte Gebührenordnung sind die Preise für Überfahrten der historischen Klappbrücke förmlich explodiert. Für Bewohner wie Dieter Manthey stellt sich nun die schwierige Frage: Entweder die deutlich höheren Kosten akzeptieren oder jedes Mal einen zehn Kilometer langen Umweg mit dem Fahrzeug in Kauf nehmen.
Preisanstieg um mehr als das Zehnfache
Bisher zahlte Manthey für seinen Brücken-Chip lediglich elf Euro für einen Zeitraum von drei Jahren. Zusätzlich fiel eine Überfahrgebühr von 50 Cent pro Passage an. Als er jedoch im Februar 2026 die aktualisierte Rechnung der Stadtverwaltung erhielt, war er nach eigenen Aussagen zutiefst erschüttert. Stattliche 44,10 Euro soll ihn die Brückennutzung nun pro Jahr kosten, wobei zusätzlich jede Überfahrt mit 60 Cent zu Buche schlägt.
Während die jährlichen Kosten bisher bei etwa 3,50 Euro lagen, betragen sie jetzt mehr als das Zehnfache dieses Betrags. Manthey äußert sich deutlich: „Diese extreme Steigerung ist für mich einfach nicht mehr nachvollziehbar.“ Er führt eine detaillierte Berechnung an: „Wenn ich die zusätzlichen Ausgaben auf die aktuellen Benzinpreise umrechne, würde ich für den zehn Kilometer langen Umweg pro Fahrt ungefähr 1,75 Euro bezahlen.“
Erst ab der 40. Überfahrt innerhalb eines Jahres würde sich der teurere Brückenchip für ihn überhaupt rentieren. Dass sein Geld in diesem Fall nicht mehr der Instandhaltung der Brücke, sondern den Ölkonzernen zugutekommt, nimmt er dabei bewusst in Kauf.
Kritik an der Gebührenpolitik und fehlender Mitsprache
„Die Autofahrer derart finanziell auszunehmen, stellt ein ernsthaftes Problem dar“, betont Manthey. Zwar verstehe er grundsätzlich, dass die historische Brücke regelmäßig instand gehalten werden muss. Allerdings ist er überzeugt: „Die Schäden an der Brücke entstehen hauptsächlich durch die Schifffahrt, nicht durch den Autoverkehr.“ Seiner Ansicht nach fügt vor allem die regelmäßige Öffnung der alten Klappbrücke dem Bauwerk erheblichen Schaden zu.
Darüber hinaus kritisiert Manthey, dass die Entscheidung zur Gebührenerhöhung „wie aus heiterem Himmel“ getroffen wurde. Er hätte sich als direkt Betroffener eine Möglichkeit zur Mitsprache gewünscht und fühlt sich von der Stadtverwaltung übergangen.
Bereits 2023 beschlossene Satzung
Interessanterweise ist die umstrittene Entscheidung keineswegs aktuell. Die Gebührenerhöhung wurde bereits im Dezember 2023 von der Greifswalder Bürgerschaft im Rahmen einer neuen Verwaltungsgebührensatzung beschlossen. Die entsprechende Vorlage damals stammte vom Haupt- und Personalamt der Stadt und wurde von der Bürgerschaft mit 33 Ja- zu lediglich 2 Nein-Stimmen verabschiedet.
Die nun in Kraft getretenen Regelungen zeigen deutlich, wie sich kommunale Entscheidungen mit erheblicher Verzögerung auf das Alltagsleben der Bürger auswirken können. Für die Anwohner der Wiecker Brücke bedeutet dies konkret eine spürbare finanzielle Mehrbelastung oder den Zwang zu langen Umwegen.



