EU-Betrugsbehörde nimmt Mandelsons Epstein-Kontakte unter die Lupe
Die Verwicklung des ehemaligen britischen Ministers und EU-Handelskommissars Peter Mandelson in den Skandal um den US-Sexualstraftäter Jeffrey Epstein beschäftigt nun auch die europäischen Behörden in voller Schärfe. Die EU-Anti-Korruptionsbehörde Olaf hat auf Bitte der EU-Kommission eine offizielle Prüfung eingeleitet, um mögliche Pflichtverstöße Mandelsons während seiner Amtszeit zu untersuchen.
Standardisiertes Verfahren zur Erstbewertung
Ein Sprecher der EU-Kommission in Brüssel bestätigte gegenüber Medienanfragen, dass die Kommission Olaf am 18. Februar 2026 formell mit der Untersuchung beauftragt habe. "Angesichts der Umstände und der erheblichen Anzahl öffentlich zugänglich gemachter Dokumente" sei diese Prüfung notwendig geworden. Das Pressbüro der EU-Behörde stellte jedoch klar, dass es sich zunächst um eine Erstbewertung nach standardisiertem Verfahren handelt, bei der alle eingehenden Informationen analysiert werden. Ein förmliches Ermittlungsverfahren wurde zu diesem Zeitpunkt noch nicht eingeleitet.
Die Prüfung konzentriert sich laut offiziellen Angaben auf zwei zentrale Aspekte:
- Die Einhaltung der Geheimhaltungspflichten durch Mandelson während seiner Zeit als EU-Kommissar
- Mögliche Verstöße gegen das Verbot der Entgegennahme von Geschenken und Vergünstigungen
Verdacht auf Weitergabe sensibler Informationen
Hintergrund der Untersuchung sind E-Mail-Verläufe, die den Verdacht nahelegen, dass Mandelson dem verstorbenen Multimillionär Epstein sensible Regierungsinformationen zugespielt haben könnte. Dies soll insbesondere während der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise geschehen sein, als Mandelson von 2008 bis 2010 das Amt des britischen Wirtschaftsministers bekleidete.
Den Akten zufolge soll Mandelson unter anderem die Entscheidung für einen 500-Milliarden-Euro-Rettungsschirm in der Eurokrise bereits einen Tag vor der offiziellen Verkündung an Epstein weitergegeben haben. Diese Vorabinformationen hätten dem US-Finanzier möglicherweise erhebliche Wettbewerbsvorteile verschaffen können.
Parallele Entwicklungen in Großbritannien
Die EU-Prüfung erfolgt zeitgleich mit Ermittlungen der britischen Behörden. Im Zuge dieser Untersuchungen wegen des Verdachts auf Fehlverhalten im öffentlichen Amt wurde Mandelson Anfang der Woche vorübergehend festgenommen, kam jedoch kurz darauf gegen Kaution wieder frei. Seine Anwälte kritisierten das Vorgehen der britischen Ermittler als überzogen und unnötig drastisch.
Bereits im September 2025 war Mandelson von seinem Posten als britischer Botschafter in den USA abberufen worden, nachdem erste Vorwürfe im Zusammenhang mit der Epstein-Affäre öffentlich geworden waren. Die nun eingeleitete Olaf-Prüfung könnte weitere Konsequenzen für die politische Karriere des ehemaligen Spitzenpolitikers nach sich ziehen.
Die EU-Kommission prüft parallel, ob Mandelson gegen spezifische Verhaltenspflichten aus seiner früheren Rolle als EU-Kommissar verstoßen hat. Ein Sprecher betonte, dass sowohl die Kommission als auch Olaf die Angelegenheit mit der gebotenen Sorgfalt und Unabhängigkeit behandeln werden.



