Korruptionsskandal in der Ukraine: Ex-Energieminister bei Fluchtversuch festgenommen
Ukraine: Ex-Minister bei Fluchtversuch verhaftet

Korruptionsskandal in Kiew: Ukrainischer Ex-Minister bei Fluchtversuch verhaftet

An der ukrainischen Grenze ist der ehemalige Energieminister German Galuschtschenko (52) festgenommen worden. Der Politiker hatte offenbar versucht, das Land zu verlassen, wurde jedoch von Beamten des Nationalen Antikorruptionsbüros (NABU) gestoppt. Galuschtschenko ist in einen der größten Korruptionsskandale der vergangenen Jahre in der Ukraine verwickelt.

Ermittlungen mit dem Codenamen „Midas“

Die Behörde bestätigte auf Telegram, dass die Festnahme im Rahmen der Korruptionsermittlungen mit dem Codenamen „Midas“ erfolgte. Dem Ex-Minister werden schwere Korruptionsdelikte vorgeworfen. Laut Antikorruptions-Staatsanwaltschaft (SAPO) soll er persönliche Vorteile von dem Unternehmer Timur Minditsch erhalten haben – im Gegenzug für Einfluss auf Geldflüsse im Energiesektor.

Ermittler gehen von einem mutmaßlichen Bestechungssystem im Umfang von rund 100 Millionen US-Dollar (etwa 86 Millionen Euro) aus. Zudem soll seine Stimme auf einer Aufnahme zu hören sein, in der Geschäftspartner zu Schmiergeldzahlungen gedrängt werden.

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Skandal um Schutzanlagen für Energie-Infrastruktur

Der Skandal flog im November 2025 auf. Nach 15 Monaten Ermittlungen durchsuchten Fahnder Büros und Wohnungen, nahmen mehrere Verdächtige fest und erhoben Anklage gegen insgesamt sieben Personen. Im Zentrum der Affäre steht der staatliche Atomkonzern Energoatom – das Herzstück der ukrainischen Stromversorgung mit einem Jahresumsatz von rund vier Milliarden Euro.

Konkret geht es um Aufträge für Schutzanlagen rund um Energie-Infrastruktur. Diese Bauten sollten Kraftwerke und Netze gegen russische Drohnen- und Raketenangriffe absichern. Laut NABU sollen jedoch zehn bis 15 Prozent der Auftragssummen systematisch abgezweigt worden sein – obwohl das Land im Krieg dringend auf jeden Euro angewiesen ist.

Mutmaßlicher Drahtzieher bereits im Ausland

Als mutmaßlicher Drahtzieher gilt der Unternehmer Timur Minditsch, ein langjähriger Geschäftspartner und Vertrauter von Präsident Wolodymyr Selenskyj. Er soll im Hintergrund Auftragsvergaben und Geldflüsse gesteuert haben. Als die Ermittler zuschlugen, setzte er sich ins Ausland ab.

Die Festnahme von German Galuschtschenko markiert einen weiteren Höhepunkt in den laufenden Ermittlungen. Die ukrainischen Behörden betonen, dass sie entschlossen sind, Korruption auch in höchsten Regierungskreisen zu bekämpfen – insbesondere in Zeiten des Krieges, in denen jede finanzielle Ressource von kritischer Bedeutung ist.

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