Vetternwirtschaft-Debatte weitet sich auf Linkspartei aus
Während bundesweit seit Wochen über mutmaßliche Vetternwirtschaft in der AfD diskutiert wird, rücken nun auch familiäre Verflechtungen innerhalb der Thüringer Linkspartei in den Fokus der Öffentlichkeit. Recherchen der „Thüringer Allgemeinen“ haben ergeben, dass Angehörige von Landtagsabgeordneten der Linken in Büros anderer Abgeordneter auf Bundes- oder EU-Ebene beschäftigt sind.
Mutter des Fraktionschefs bei EU-Abgeordnetem angestellt
Wie ein Sprecher der Linke-Landtagsfraktion bestätigte, arbeitet die Mutter von Fraktionschef Christian Schaft (34) im Thüringer Wahlkreisbüro eines Linke-Europaabgeordneten. Nach Informationen handelt es sich dabei um Martin Schirdewan (50), der seit 2019 Co-Vorsitzender der Fraktion Die Linke im Europäischen Parlament ist und von 2022 bis 2024 Co-Vorsitzender der Bundespartei war.
Die Thüringer Linke-Fraktion verteidigt die Beschäftigung und betont, dass Schafts Mutter bereits lange vor ihrer Anstellung politisch aktiv gewesen sei. „Die Mitarbeiterin war über viele Jahre engagiert, etwa als Mitglied eines Gemeinderates und als ehrenamtliche erste Beigeordnete in einer Gemeinde“, heißt es in der Stellungnahme. Zudem habe sie verschiedene Funktionen in Landes- und Bundesparteien übernommen.
Weitere familiäre Verbindungen aufgedeckt
Auch bei der Linke-Landtagsabgeordneten und Vize-Landtagspräsidentin Lena Saniye Güngör (32) existiert eine familiäre Verbindung. Ihr Partner ist bei einer Bundestagsabgeordneten angestellt, die nicht aus Thüringen stammt. Der Fraktionssprecher erklärte dazu: „Auch in diesem Fall ist ein individuelles und persönliches politisches Engagement unabhängig von der Partnerschaft existent.“ Das Arbeitsverhältnis habe demnach bereits bestanden, bevor die Partnerschaft begann.
Ein weiteres Beispiel betrifft das Ehepaar innerhalb der Fraktion: Die Ehefrau von Sascha Bilay (46) arbeitet als Pressesprecherin Diana Glöckner in der Thüringer Linke-Fraktion. Beide hatten sich vor Jahren kennengelernt, als sie noch gemeinsam als Mitarbeiter in der Fraktion tätig waren. Nach ihrer Heirat wurde Bilay Landtagsabgeordneter, während seine Frau weiterhin als Mitarbeiterin in der Fraktion beschäftigt blieb.
Kontext der aktuellen Debatte
Die Enthüllungen erfolgen vor dem Hintergrund einer bundesweiten Diskussion über Vetternwirtschaft in der Politik. Erst kürzlich war bekannt geworden, dass der Mann der wegen Betrugs verurteilten Thüringer AfD-Landtagsabgeordneten Wiebke Muhsal (39) als wissenschaftlicher Mitarbeiter vom AfD-Thüringer Bundestagsabgeordneten Stefan Schröder (42) beschäftigt wird.
Die Thüringer Linke betont in ihrer Stellungnahme die langjährige politische Erfahrung der betroffenen Familienmitglieder und weist darauf hin, dass diese bereits vor den familiären Verbindungen zu den Abgeordneten politisch aktiv waren. Dennoch werfen die Fälle Fragen nach Transparenz und möglichen Interessenkonflikten innerhalb politischer Parteien auf.



