Eine Untersuchungskommission der australischen Regierung hat den tödlichen Schusswaffenangriff am Bondi Beach in Sydney im Dezember als direkte Folge eines zunehmenden Antisemitismus eingestuft. Die Vorsitzende des Gremiums, Virginia Bell, erklärte am Montag zu Beginn einer öffentlichen Anhörung, dass der Judenhass in einem deutlichen Zusammenhang zu den Ereignissen im Nahen Osten, insbesondere dem Gazakrieg, stehe. Vertreter der jüdischen Gemeinde in Sydney hätten demnach bereits im Vorfeld eine Katastrophe befürchtet, nachdem es zu mehreren antisemitischen Angriffen gekommen war.
Hintergründe des Anschlags
Am 14. Dezember hatten zwei Männer während einer Feier zum Chanukkafest am berühmten Bondi Beach in Sydney das Feuer auf die Menge eröffnet. Dabei wurden 15 Menschen getötet und Dutzende weitere verletzt. Die australischen Behörden stufen die Tat als antisemitischen Angriff ein. Sie gehen davon aus, dass die beiden Täter von der Ideologie der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) beeinflusst waren. Der 50-jährige Sajid Akram wurde von der Polizei erschossen, während sein Sohn Naveed Akram in Haft sitzt.
Zunahme von Judenhass
Bell betonte, dass in Australien und anderen westlichen Ländern eine deutliche Zunahme von Judenhass zu verzeichnen sei. Es sei wichtig zu verstehen, wie schnell Feindseligkeiten gegenüber Menschen entstehen könnten, nur weil sie Juden sind. Die Kommission habe Tausende Eingaben zu den Folgen von Judenhass erhalten. Einige Zeugen äußerten sich vor der Kommission unter Pseudonym, um ihre Sicherheit zu gewährleisten.
Persönliche Schicksale
Sheina Gutnick, deren Vater Reuven Morrison bei dem Anschlag am Bondi Beach getötet wurde, erklärte, dass der Antisemitismus nach Beginn des Gazakriegs 2023 offen zutage getreten sei. Der Angriff der islamistischen Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 hatte den Krieg ausgelöst. Seit vergangenem Oktober gilt eine fragile Waffenruhe.
Antisemitische Vorfälle in Australien
Vertreter der jüdischen Gemeinde in Australien verzeichneten im Jahr nach Beginn des Gazakriegs 2062 antisemitische Vorfälle. Dazu gehörten Angriffe auf Synagogen und Geschäfte in Sydney und Melbourne. Laut einem vorläufigen Bericht, der Ende April veröffentlicht wurde, hatte die jüdische Gruppierung Community Security die Polizei wenige Tage vor dem Angriff vor der Gefahr eines Terrorschlags gewarnt. Die Polizei teilte der Gruppe jedoch mit, dass sie keine Beamten zur Absicherung der Chanukka-Feierlichkeiten vor Ort postieren könne, aber mobile Streifen entsenden werde.
Gedenken an die Opfer
Die Opfer des Anschlags waren Menschen, die in der jüdischen Gemeinde Sydneys engagiert waren, Fußball spielten oder einfach nur fotografieren wollten. Australien gedenkt ihrer mit Trauer und Entsetzen. Die Untersuchungskommission wird weiterhin die Ursachen und Hintergründe des wachsenden Antisemitismus in Australien untersuchen.



