Dortmunder Bündnis fordert Bleiberecht für Brüder des erschossenen Mouhamed Dramé
Bleiberecht für Brüder des erschossenen Mouhamed Dramé gefordert

Dortmunder Bündnis kämpft für dauerhafte Bleibeperspektive der Brüder Dramé

Ein breites Dortmunder Bündnis aus Politik, Zivilgesellschaft und Kultur setzt sich mit Nachdruck für eine gesicherte Aufenthaltsperspektive der Brüder des 2022 von einem Polizisten erschossenen Mouhamed Dramé ein. Sidy Dramé (39 Jahre) und sein jüngerer Bruder Lassana (26 Jahre) waren vor zwei Jahren aus dem Senegal nach Deutschland gereist, um als Nebenkläger dem Prozess um die Aufarbeitung des tödlichen Polizeieinsatzes beizuwohnen. Ihre Aufenthaltserlaubnis ist jedoch nach Angaben der Unterstützer Ende Januar abgelaufen, was ihre Zukunft in Dortmund ungewiss macht.

Offener Brief mit prominenten Unterzeichnern fordert Verlängerung

In einem offenen Brief fordern die Unterzeichner, darunter der Dortmunder Stadtdirektor Jörg Stüdemann, Vertreter der Grünen und Linken sowie zahlreiche Initiativen, Vereine, Kulturschaffende und Rechtsanwälte, eine Verlängerung und langfristige Sicherung des Aufenthalts der beiden Brüder. Zusätzlich werden Arbeitserlaubnisse gefordert, um ihnen eine berufliche Perspektive zu ermöglichen. Die Brüder haben bereits konkrete Arbeitsangebote erhalten, die nur noch der Zustimmung der Ausländerbehörde bedürfen.

Der tragische Fall Mouhamed Dramé: Noch kein juristischer Abschluss

Ihr jüngerer Bruder Mouhamed Dramé war im August 2022 mit fünf Schüssen aus einer Maschinenpistole von einem Polizisten erschossen worden. Das Landgericht Dortmund urteilte Ende 2024, der Schütze habe aus Notwehr gehandelt, da er irrtümlicherweise annahm, der Jugendliche wolle ihn angreifen. Der 16-jährige Geflüchtete aus dem Senegal war mit einem Messer gegen sich selbst gerichtet im Innenhof einer Jugendhilfeeinrichtung aufgefunden worden und hatte auf Ansprache nicht reagiert. Als die Polizei Pfefferspray einsetzte, bewegte er sich auf die Beamten zu. Auch Taser konnten ihn nicht stoppen, woraufhin die tödlichen Schüsse fielen. Neben dem Schützen sprach das Gericht vier weitere Polizeibeamte frei. Die Staatsanwaltschaft und die Familie Dramé haben Revision eingelegt, sodass der Fall juristisch noch nicht abgeschlossen ist.

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Dortmund ist für die Brüder zum Lebensmittelpunkt geworden

Im offenen Brief wird betont, dass beide Brüder dem Prozess mit beeindruckender Stärke und Würde beigewohnt hätten – ihre Enttäuschung über die ausgebliebenen Konsequenzen sei groß. Für das noch laufende Revisionsverfahren sowie für die kontinuierliche Gedenkarbeit und politische Begleitung seien ihre Präsenz und ihr Wirken als Angehörige essenziell. Zudem hätten sie in Dortmund seit ihrer Ankunft ein Zuhause gefunden: Sie besuchen Deutschkurse, engagieren sich ehrenamtlich und haben sich in der Stadt gut integriert. Die Stadt ist trotz – oder vielleicht sogar wegen – ihrer schicksalhaften Geschichte für die beiden zum Lebensmittelpunkt geworden, heißt es in dem Schreiben.

Solidarität als Zeichen für mehr als nur juristische Gerechtigkeit

Das Bündnis sieht in der Möglichkeit, den Brüdern in Dortmund eine Zukunft zu ermöglichen, ein wichtiges Zeichen der Solidarität. Gerechtigkeit ist mehr als das, was vor Gericht geurteilt wird, argumentieren die Unterstützer. Sie betonen, dass Sidy und Lassana Dramé nicht nur für ihren eigenen Bruder, sondern auch für eine breitere gesellschaftliche Aufarbeitung des Falls stehen. Ihre Bleibeperspektive wird somit als Symbol für Menschlichkeit und Zusammenhalt in einer Stadt verstanden, die mit diesem tragischen Ereignis konfrontiert wurde.

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