FDP in der Krise: Wolfgang Kubicki kandidiert überraschend für Parteivorsitz
Kubicki kandidiert für FDP-Vorsitz gegen Dürr und Höne

FDP in der Krise: Wolfgang Kubicki kandidiert überraschend für Parteivorsitz

Der 74-jährige FDP-Vize Wolfgang Kubicki hat eine überraschende Kehrtwende vollzogen und bewirbt sich nun um den Vorsitz seiner Partei. Seit 2013 ist er bereits stellvertretender Vorsitzender der Liberalen und hatte sich eigentlich schon halb aus der Politik verabschiedet. Doch nach zwei herben Wahlniederlagen der FDP hat Kubicki seine Meinung geändert und kandidiert damit voraussichtlich gegen den amtierenden Vorsitzenden Christian Dürr.

Drei Kandidaten im Rennen um die FDP-Spitze

Mit Kubickis Ankündigung sind nun drei Bewerber für den Parteivorsitz bekannt. Der derzeitige Vorsitzende Christian Dürr (48), der 2025 als Nachfolger von Christian Lindner ins Amt kam, will sich trotz des Rücktritts des gesamten Bundesvorstands erneut bewerben. Daneben hat der nordrhein-westfälische FDP-Landes- und Fraktionsvorsitzende Henning Höne (39) seine Kandidatur angekündigt. Höne bekräftigte am Sonntag auf X: „Mein Angebot an die Partei bleibt bestehen: Die FDP braucht einen Neustart.“ Er freue sich auf den Wettbewerb mit Kubicki.

Kubickis politische Wende

Eigentlich hatte der frühere Bundestagsvizepräsident 2025 für den Fall des Scheiterns der FDP bei der Bundestagswahl seinen Rückzug aus der Politik angekündigt. „Ja, dann ist für mich politisch Schluss, denn ich werde in der nächsten Woche 73 Jahre alt“, sagte er damals. Über Nacht änderte er jedoch seine Meinung, nachdem viele ihn zum Bleiben gedrängt hatten. Die desolate Lage seiner Partei dürfte auch seine Entscheidung zur Kandidatur beeinflusst haben.

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Im März flogen die Liberalen in ihrem Stammland Baden-Württemberg aus dem Landtag: „Das ist der wohl bitterste Tag meines politischen Lebens mit über 50 Jahren FDP-Mitgliedschaft“, sagte Kubicki damals dem „Tagesspiegel“. Zwei Wochen später folgte das nächste Desaster für die FDP in Rheinland-Pfalz. Für die anstehenden Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin im September sieht Kubicki so schwarz, dass er sich auf eine riskante Wette einließ: „Wenn die FDP in Sachsen‑Anhalt oder anderswo im Osten über fünf Prozent kommt und in den Landtag einzieht, lasse ich mir die Haare abschneiden“, sagte er dem „Stern“.

Kubickis politische Positionen

Der in Braunschweig geborene Jurist, der schon mit 19 in die FDP eintrat, erregte über die Jahre immer wieder mit markanten Zitaten Aufmerksamkeit. „Liberale müssen immer die Stahlbürste in der Hand führen, mit der sie gegen den Strich gehen“, schrieb er in seinem Buch „Aufwind im Freien Fall“, das 2025 erschien. Während der Zeit der Ampel-Koalition mit SPD und Grünen trieb er die eigene Partei immer wieder an, besonders nach schlechten Wahlergebnissen in Hessen und Bayern.

Immer häufiger zeigte er sich unzufrieden mit der Ampel, etwa mit dem Vollzug des angekündigten Atomausstiegs. Nach dem Bruch der Koalition folgte in seinem Buch die Abrechnung, vor allem mit den Grünen. Die „feministische Außenpolitik“ von Annalena Baerbock zerriss er, Robert Habeck betitelte er als „unfähigsten Wirtschaftsminister aller Zeiten“.

Kubickis Vision für die FDP

Seiner eigenen Partei riet Kubicki in seinem Buch: „Es darf keine Scheu vor Zuspitzung geben, keine Sorge, dass man des Populismus geziehen wird.“ Die Freien Demokraten dürften sich „nicht zu fein sein, in Wählersegmente vorzudringen, die wir vorher liegengelassen haben“. Dem Land bescheinigte er „infrastrukturell kaputt, zu feist und international nicht mehr satisfaktionsfähig“ zu sein.

Er beklagte angebliche Einschränkungen der Meinungsfreiheit und angebliches Versagen in der Corona- und der Migrationspolitik. Kubicki selbst vertritt bei Migration eine restriktive Linie. Im Februar 2025 sagte er über Integrationsbemühungen: „Wir brauchen keine jungen Männer aus arabischen Räumen und aus Afghanistan, die genau das nicht wollen“. Er warnt davor, die rund 20 Prozent AfD-Wähler auszugrenzen.

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Allerdings lag Kubicki mit eigenen Prognosen auch nicht immer richtig. Noch im Dezember 2024, also nach dem Bruch der Ampel, sagte er im „Stern“ über das erwartete Ergebnis seiner Partei bei der Neuwahl: „Wir werden zweistellig.“ Es wurden lediglich 4,3 Prozent.

In seiner Kandidaturserklärung bei X schrieb Kubicki: „Ich will eine Partei, die mit neuem Selbstbewusstsein die politischen Debatten in diesem Land anführt, statt ihnen hinterherzulaufen. Deutschland wartet nicht auf eine FDP, die sich in akademischen Diskussionen verzettelt, sondern auf eine, die dieses Land groß gemacht hat: klar im politischen Inhalt und ebenso klar in der Sprache. Für die Freiheit.“