Historische Rückkehr: Merkel besucht CDU-Parteitag nach langer Pause
In einer überraschenden Ankündigung hat das Büro der ehemaligen Bundeskanzlerin Angela Merkel bestätigt, dass die Politikerin am 20. Februar 2026 am CDU-Bundesparteitag in Stuttgart teilnehmen wird. Dies markiert das erste Erscheinen Merkels auf einem Parteitag seit ihrem Ausscheiden aus der aktiven Politik im Jahr 2021. Die Ex-Kanzlerin wird als Ehrengast anwesend sein und damit eine lange Phase der Distanz zur Tagespolitik durchbrechen.
Bruch mit der bisherigen Praxis
Seit ihrer Abwahl als Bundeskanzlerin hatte Angela Merkel konsequent Abstand zu tagespolitischen Ereignissen gehalten. Wie ihr Büro mehrfach betonte, entsprach dies ihrem nachamtlichen Verständnis, nicht mehr in aktuelle politische Debatten einzugreifen. Zu den Bundesparteitagen der CDU in den Jahren 2022 und 2024 war Merkel nicht erschienen, was ihre konsequente Haltung unterstrich.
Die nun angekündigte Teilnahme am Stuttgarter Parteitag stellt daher eine bemerkenswerte Ausnahme dar. Auf Nachfrage erklärte Merkels Büro knapp: "Nein, die Ausnahme bestätigt die Regel." Die genauen Beweggründe für diesen Schritt bleiben vorerst im Unklaren. Ungewiss ist auch, ob die ehemalige Parteivorsitzende während des Parteitags das Wort ergreifen wird.
Politisches Spannungsfeld
Die Anwesenheit Merkels in Stuttgart fällt in eine politisch sensible Phase. Seit der Wahl von Friedrich Merz zum CDU-Vorsitzenden im Januar 2022 hat Merkel deutliche Distanz zur aktuellen Parteiführung gewahrt. Das Verhältnis zwischen der ehemaligen Kanzlerin und dem aktuellen Parteichef gilt als angespannt, was sich bereits während der Kanzlerkandidatur von Merz zeigte.
Unter der Führung von Friedrich Merz hat sich die CDU programmatisch deutlich von der Ära Merkel entfernt. In der Bundestagsfraktion finden sich heute nur noch wenige überzeugte Anhänger der früheren Regierungschefin. Vor diesem Hintergrund gewinnt Merkels Rückkehr auf die Parteitagsbühne zusätzliche Symbolkraft.
Signal in turbulenten Zeiten
Fachleuten zufolge könnte Merkels Teilnahme am Parteitag als bewusstes Signal zu Beginn eines schwierigen Wahljahres interpretiert werden. Die Parteien der politischen Mitte stehen vor der Herausforderung, gemeinsam den Aufstieg der AfD zu bremsen. Der Stuttgarter Parteitag findet nur zwei Wochen vor der Landtagswahl in Baden-Württemberg statt und wird daher stark vom Wahlkampf geprägt sein.
Im weiteren Verlauf des Jahres stehen weitere wichtige Landtagswahlen an, darunter in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern, wo die AfD in aktuellen Umfragen Werte zwischen 35 und 40 Prozent erreicht. Vor diesem Hintergrund wird besonderes Augenmerk auf das persönliche Zusammentreffen zwischen Merkel und Merz in Stuttgart gerichtet sein.
Historische Versammlung ehemaliger Vorsitzender
Angela Merkel wird nicht die einzige ehemalige CDU-Vorsitzende sein, die den Weg nach Stuttgart findet. Der Bundestagsabgeordnete Armin Laschet nimmt als regulärer Delegierter teil, während Annegret Kramp-Karrenbauer gleich in doppelter Funktion erscheint: als frühere Parteichefin und als neue Vorsitzende der Konrad-Adenauer-Stiftung.
Damit werden in Stuttgart alle noch lebenden ehemaligen CDU-Vorsitzenden vertreten sein – eine seltene Konstellation, die der Veranstaltung zusätzliches Gewicht verleiht. Merkels Kommen erfüllt zudem einen Wunsch, den Friedrich Merz bereits 2024 anlässlich ihres 70. Geburtstages geäußert hatte: "Dass du der CDU gewogen bleibst."
Die Rückkehr der ehemaligen Kanzlerin auf die politische Bühne der CDU markiert einen bedeutsamen Moment in der jüngeren Parteigeschichte. Ob es sich dabei um eine einmalige Geste oder den Beginn einer behutsamen Wiederannäherung handelt, wird die politische Beobachtung in den kommenden Monaten zeigen müssen.



