Die verborgenen Wahrheiten der DDR: Zwischen Mangelwirtschaft und Staatsgeheimnissen
Die DDR-Führung bewahrte über Jahrzehnte hinweg zahlreiche Geheimnisse vor ihrer eigenen Bevölkerung. Eine aktuelle ZDF-Dokumentation mit dem Titel "Geheimnisse in der DDR – Mangel und Erfolg" beleuchtet nun einige der größten Mythen und verheimlichten Praktiken des SED-Regimes.
Der florierende Schwarzmarkt: Selbst Parteimitglieder als Kunden
Obwohl die DDR offiziell als "Paradies der Werktätigen" bezeichnet wurde, herrschte in Wirklichkeit an vielen Stellen eklatanter Mangel. Ein wichtiger Ausgleich war der Schwarzmarkt, auf dem die westdeutsche D-Mark eine zentrale Rolle spielte. Viele DDR-Bürger tauschten dort ihre Westgeldgeschenke um – oft zum zehnfachen Kurs gegenüber den staatlichen Tauschbörsen.
"Ich habe für Leute, die einen Ausreiseantrag gestellt hatten, ihr komplettes Ostvermögen umgehoben", berichtet Frank Barenthin, ehemaliger Schwarzmarkt-Devisenhändler. Interessant ist dabei, dass nicht nur normale Bürger, sondern auch Parteimitglieder auf dem Schwarzmarkt einkauften. "Es waren selbst Kollegen dabei, die von mir Geld haben wollten, die in der Partei waren", so Barenthin weiter.
Doch der Staat war selbst aktiv auf dem Schwarzmarkt: Spezielle Abteilungen suchten wertvolle Antiquitäten im Privatbesitz, setzten die Besitzer unter Druck und verkauften die erbeuteten Werke gewinnbringend in den Westen.
Umweltkatastrophe Bitterfeld: Verfassungsrang ohne Wirkung
Seit 1968 genoss der Umweltschutz in der DDR zwar Verfassungsrang, doch besonders im Industriedreieck Bitterfeld-Leuna-Wolfen blieb dies reine Theorie. Die massive Industrialisierung seit den 1950er Jahren führte zu verheerenden Umweltfolgen.
Hans Zimmermann, ehemaliger Bauleiter im Chemie-Kombinat Bitterfeld, beschrieb die Zustände nach der Wende: "Ich wusste, wie es in den Betrieben selber aussah. Wie da gemanscht und gepanscht wurde. Dort ging man mit einem Eimer Säure um wie mit einem Eimer Wasser." Die Folgen waren dramatisch: Viele Kinder erkrankten an den Chemikalien.
1988 dokumentierte die westdeutsche Journalistin Margit Miosga die Umweltverfehlungen. Mit einem getarnten Lada reiste sie in die DDR und filmte die heruntergekommenen Straßen und grauen Häuser. Besonders schockierend war der "Silbersee", in den das Fotochemische Werk ungefiltert Abwasser leitete. "Da waren so kleine Bäche, die durch die Schrebergärten gingen, und da gab es chemische Reaktionen in diesem Wasser", erinnert sich Miosga.
Die Deponie "Freiheit III" bei Bitterfeld enthielt sechs Millionen Tonnen Giftmüll, der bis heute das Grundwasser verseucht. Nach der Wende flossen mehr als 350 Millionen Euro in die Sanierung der Region.
Gescheiterte Auto-Projekte und wahnwitzige Deals
Bereits Mitte der 1960er Jahre plante die DDR mit dem Modell 603 einen Nachfolger für den Trabant. Der Drei-Türer mit modernem Motor und Heckklappe hätte sogar vor dem VW Golf auf den Markt kommen können. Fünf Millionen Ost-Mark waren bereits investiert, doch fehlende Regierungsinvestitionen stoppten das Projekt.
Als der Golf 1974 erschien, wollte die SED-Führung plötzlich doch moderne Autos. In einem kuriosen Deal bot die DDR Volkswagen an: Für 10.000 VW Golf sollten Werkzeugmaschinen im Wert von 80 Millionen D-Mark geliefert werden. Zusätzlich sollte in Wolfsburg das weltweit modernste Planetarium entstehen – gebaut von DDR-Architekt Ulrich Müther, obwohl es offiziell als Geschenk VWs an die Stadt deklariert wurde.
Systematisches Staatsdoping: Kinder als Versuchsobjekte
Mit einem Talent-Sichtungssystem förderte die DDR jährlich 26.000 Kinder sportlich. Doch hinter der Förderung verbarg sich ein systematisches Dopingprogramm. Mediziner verabreichten bereits jungen Sportlern leistungssteigernde Mittel.
Ein tragisches Beispiel ist Heidi Krieger, die 1986 Gold im Kugelstoßen gewann. Bereits mit 16 Jahren erhielt sie Anabolika, was zu einer Geschlechtsumwandlung führte – aus Heidi wurde Andreas Krieger. "Ich kam mir im Nachhinein schon vor wie eine Laborratte", sagt Krieger heute. "Das macht mich ziemlich wütend, mit welcher Ruchlosigkeit über Menschen entschieden wurde."
Insgesamt gewann die DDR über 200 Olympische Goldmedaillen – ein Großteil davon durch gedopte Sportler. Nach der Wende flog der Schwindel auf, rund 2.000 Sportler standen im Dopingverdacht. Krieger sagte gegen ehemalige Funktionäre aus und brachte einige von ihnen ins Gefängnis.
Die dreiteilige Dokumentation "Geheimnisse der DDR" ist weiterhin kostenlos in der ZDF-Mediathek verfügbar und bietet tiefe Einblicke in die verborgenen Mechanismen des SED-Staates.



