Fall Collien Fernandes: Hubig beschleunigt Gewaltschutzgesetz nach digitalen Gewaltvorwürfen
Fall Fernandes: Hubig beschleunigt Gewaltschutzgesetz

Fall Collien Fernandes löst politische und gesellschaftliche Reaktionen aus

Die Vorwürfe der Schauspielerin Collien Fernandes gegen ihren Ex-Mann Christian Ulmen haben ein breites Echo in Politik und Unterhaltungsbranche ausgelöst. Bundesjustizministerin Stefanie Hubig kündigte an, ihren Gesetzentwurf zum Schutz vor digitaler Gewalt bereits in der kommenden Woche vorzulegen – deutlich früher als ursprünglich geplant.

Beschleunigtes Gesetzgebungsverfahren nach öffentlichem Druck

Im SPIEGEL-Interview hatte die SPD-Politikerin zunächst angekündigt, das Gewaltschutzgesetz „im Frühjahr“ vorlegen zu wollen. Nach den öffentlich gewordenen Vorwürfen gegen Ulmen korrigierte Hubig diese Zeitangabe jedoch deutlich. Bereits kommende Woche soll der Entwurf in die Ressortabstimmung gehen, wie die Ministerin in den Tagesthemen erklärte.

Grünen-Politikerinnen wie Lena Gumnior hatten zuvor scharfe Kritik geäußert: „Wir Frauen sind die warmen Worte der Bundesjustizministerin leid“, sagte die Obfrau im Rechtsausschuss. Der Fall Ulmen müsse jetzt Veränderungen bewirken – „nicht irgendwann, mit langen Aktionsplänen“.

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Forderungen nach Gleichstellung digitaler und physischer Gewalt

Die stellvertretende NRW-Ministerpräsidentin Mona Neubaur forderte in einem Gastbeitrag für die „Rheinische Post“ eine Reform des Sexualstrafrechts. Digitale Gewalt müsse strafrechtlich der physischen Gewalt gleichgestellt werden, so die Grünen-Politikerin. „Digitale Gewalt ist reale Gewalt“, betonte Neubaur und verwies auf die Notwendigkeit spezialisierter Gerichte für sexualisierte Gewalt.

Bundesweit formiert sich Widerstand: In Berlin ist für Sonntagnachmittag eine Solidaritätskundgebung am Brandenburger Tor geplant. Das neu gegründete Bündnis „Feminist Fight Club!“ will auf strukturelle Missstände und Gesetzeslücken aufmerksam machen.

Breite Solidarität aus Politik und Entertainmentbranche

Mehr als 1300 Personen, darunter prominente Politiker wie Hubertus Heil (SPD) und Lamya Kaddor (Grüne), unterstützen eine Unterschriftenaktion gegen digitale Gewalt. Aus der Unterhaltungsbranche äußerten sich zahlreiche Kolleginnen und Kollegen solidarisch mit Fernandes:

  • ProSieben-Moderator Joko Winterscheidt: „Es ist so verstörend, zu lesen, was dir angetan wurde“
  • Schauspielerin Pheline Roggan: „Ich bewundere dich dafür, dass du den Mut und die Kraft hast, damit an die Öffentlichkeit zu gehen“
  • Schauspieler Hendrik von Bültzingslöwen sprach seine „vollste Solidarität“ aus

Die Produktionsfirma Pyjama Pictures, die die Serie „Jerks“ produziert, zeigte sich schockiert über die Vorwürfe und ist im Gespräch mit Ulmen über die Rückgabe seiner Gesellschafteranteile.

Hintergrund der Vorwürfe

Collien Fernandes hatte im SPIEGEL Christian Ulmen vorgeworfen, täuschend echte Fakeprofile von ihr auf Social Media erstellt zu haben. Über diese Profile soll Ulmen Hunderte Männer kontaktiert und sich als Fernandes ausgegeben haben, wobei sexuelle Gespräche geführt und erotisches Material verschickt worden sein soll. Fernandes hat in Spanien Anzeige erstattet, das Verfahren befindet sich in einem frühen Stadium. Für Ulmen gilt die Unschuldsvermutung.

Die Anwälte des Schauspielers und Produzenten sprechen von „unwahren Tatsachen“. Ulmen war Mitbegründer der Serie „Jerks“, für die er 2019 den Deutschen Fernsehpreis erhielt und in der er sich selbst spielte.

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