Prignitzer Motorrad-Abenteuer: 6000 km durch Afrikas Wüsten beim Africa Eco Race
Prignitzer fährt 6000 km durch Afrikas Wüsten beim Eco Race

Ein Lebenstraum wird Wirklichkeit: 6000 Kilometer durch Afrikas Wüsten

Sand, soweit das Auge reicht, einsame Dünenlandschaften und die grenzenlose Weite der Wüste – für Thomas Fathke aus der Prignitz wurde in diesem Winter ein lang gehegter Traum Realität. Der 42-Jährige absolvierte das 17. Africa Eco Race, eine anspruchsvolle Motorradrallye über rund 6000 Kilometer durch Nord- und Westafrika. Von den Bergen Marokkos über die endlosen Dünen Mauretaniens bis zum Atlantikstrand vor Dakar im Senegal durchquerte er auf seinem Husqvarna-Motorrad einige der abgelegensten Regionen des Kontinents.

Vom Prignitzer Sandweg zur internationalen Rallye

Die Wurzeln dieser Leidenschaft liegen in der Prignitz, wo Fathke als Kind seine ersten motorisierten Abenteuer auf einer geschenkten Simson S51 erlebte. Die Sandwege rund um Putlitz wurden zum ersten Spielplatz für den späteren Weltenbummler. „Im Herzen bin ich bis heute der Motorradjunge vom Dorf geblieben“, erklärt Fathke, der mittlerweile in Norwegen lebt und auf Bohrinseln in der Nordsee arbeitet. Doch regelmäßig zieht es ihn zurück in seine Heimat, zu Familie und Freunden in Nettelbeck bei Putlitz.

Seine Reiselust führte ihn bereits auf zwei Rädern nach Madeira, Thailand, Kambodscha und in die Mongolei. Der entscheidende Impuls für das Wüstenabenteuer kam jedoch 2024 bei der Touareg Rallye in Marokko. Spätestens dort stand für ihn fest: Einmal wollte er die legendären 6000 Kilometer bis nach Dakar auf dem Motorrad bewältigen.

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Herausforderung Africa Eco Race: Hohe Kosten und große Risiken

Das 17. Africa Eco Race lockte mit einer Route durch Marokko, Mauretanien und den Senegal, forderte aber auch einen hohen Preis. Fathke investierte eine fünfstellige Euro-Summe, allein die Startgebühr belief sich auf über 11.000 Euro. Als Einzelfahrer wäre eine solche Rallye nicht zu bewältigen gewesen, daher schloss er sich dem Team um den deutschen Rallye-Fahrer Mike Wiedemann an, der 2022 jüngster deutscher Finisher der Dakar Rallye war.

Am 19. Januar startete die Reise von Berlin aus über Marseille nach Tanger, wo technische und Sicherheitskontrollen stattfanden. An elf Wertungstagen kämpften sich die Teilnehmer durch verschiedene Terrains. In separaten Wertungsgruppen traten Motorräder, Autos, Lkw, Side-by-Side-Buggys und sogar Oldtimer an – eine internationale Gemeinschaft von Enthusiasten aus Frankreich, Italien, Deutschland und Japan.

Alltag im Biwak: Nudeln, Zelte und nächtliche Reparaturen

Der Alltag während der Rallye war alles andere als komfortabel. Fathke verbrachte täglich mehrere Stunden auf dem Motorrad, übernachtete im Schlafsack im Zelt und duschte in einfachen Containern. Die Verpflegung bestand meist aus Nudeln mit Soße. „Komfortabel war die Tour nicht, dafür authentisch“, resümiert der Abenteurer. Auch ruhige Nächte waren selten, da Mechaniker oft bis spät die Maschinen für den nächsten Tag vorbereiteten.

Trotz detaillierter Organisation mit Roadbooks, Zeitkontrollen, Tankstopps, GPS-Trackern mit Notrufsystem und medizinischem Dienst blieb das Risiko hoch. Von 107 gestarteten Fahrern erreichten nur 70 das Ziel. Zwei Teilnehmer verloren in diesem Jahr sogar ihr Leben – einer durch einen Unfall, der andere erlitt einen Herzinfarkt.

Schlüsselerlebnis in der mauretanischen Wüste: Allein mit den Sternen

Ein besonderes Erlebnis prägte Fathke nachhaltig: Gegen sieben Uhr abends blieb sein Motorrad mit einer verstopften Einspritzdüse mitten in der mauretanischen Wüste liegen. Er setzte über das Notrufsystem einen Hilferuf ab, legte sich in voller Montur mit Rettungsdecke in den Sand – und wartete. Erst gegen ein Uhr nachts wurde er von einem Pickup eingesammelt und ins Biwak gebracht.

„Diese Nacht im Nichts war ein Schlüsselerlebnis für mich“, berichtet Fathke. „Keine Geräusche, kein Licht, kein Empfang – nur Sterne und Sand. In solchen Momenten denkt man plötzlich über vieles nach: über das eigene Leben, über Risiko und Freude, über das, was wirklich wichtig ist. Und man lernt, die Einfachheit zu schätzen.“ Angst habe er keine gehabt, sondern die Gewissheit, dass Hilfe unterwegs sei – egal wie lange sie brauche.

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Das Ziel erreicht: Die größte Belohnung

Am 7. Februar gehörte Thomas Fathke zu den „Finishern“, die das komplette Rennen von Anfang bis Ende durchfuhren. Der 64. Platz in der Gesamtwertung seiner Klasse spielte für ihn nur eine Nebenrolle. „Es ging nur um das Ankommen“, betont er. Für den Prignitzer, der beruflich mit Wind und Wasser auf norwegischen Ölplattformen konfrontiert ist, war die Mischung aus Technik, Risiko und rauer Umgebung in der Wüste eine besondere Herausforderung – und die Erfüllung eines Lebenstraums.