Bundeswehr-Veteran mit PTBS: Warum er vor Gericht gegen die Armee zog
Bundeswehr-Veteran mit PTBS: Sein Kampf vor Gericht

Ein Leben nach dem Einsatz: Bundeswehr-Veteran kämpft mit den Folgen von Bosnien

Vor drei Jahrzehnten verließ Ralf Claus Schaff als junger Sanitätssoldat seine Heimatstadt Halle, um in den Bosnien-Einsatz der Bundeswehr zu ziehen. Was damals als Dienst für das Land begann, sollte sein Leben für immer verändern. Bis heute leidet der heute 55-Jährige unter einer schweren Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS), die ihn in seinem Alltag massiv einschränkt.

Der ständige Kampf mit den Erinnerungen

In seinem Wohnzimmer in Vockerode im Landkreis Wittenberg schließt Schaff regelmäßig die Fenster, wenn Hubschrauber über sein Haus kreisen. Der Lärm der Rotoren löst bei ihm sofort intensive Reaktionen aus. „Das triggert mich“, erklärt der Veteran. Selbst beim Grillen muss er Abstand halten, denn der Geruch von verbranntem Fleisch versetzt ihn mental unmittelbar zurück nach Bosnien im Jahr 1996.

Zur Bewältigung dieser Situationen hat Schaff spezielle Strategien entwickelt. Wenn Helikopter vom nahegelegenen Luftwaffenstützpunkt Holzdorf im Tiefflug über die Felder donnern, setzt er Kopfhörer auf und dreht die Musik laut – entweder klassische Stücke oder harte Klänge wie von Rammstein. Diese akustische Ablenkung hilft ihm, die traumatischen Erinnerungen kurzzeitig zu unterdrücken.

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Der Weg vor Gericht gegen die Bundeswehr

Die anhaltenden psychischen Belastungen haben Schaff dazu bewegt, rechtliche Schritte gegen die Bundeswehr einzuleiten. Der Veteran zog vor Gericht, um auf die langfristigen Folgen von Auslandseinsätzen aufmerksam zu machen und Ansprüche auf angemessene Unterstützung geltend zu machen. Seine Klage wirft grundsätzliche Fragen zur Verantwortung der Streitkräfte für die Gesundheit ihrer Soldaten auf.

Seine Erfahrungen teilt Schaff heute bewusst mit jungen Menschen, die vor der Entscheidung über einen Wehrdienst stehen. Er betont die Notwendigkeit, sich über mögliche psychische Folgen von Auslandseinsätzen im Klaren zu sein und entsprechende Unterstützungsstrukturen einzufordern. Der Veteran plädiert für eine realistische Aufklärung über die Risiken militärischer Missionen.

Ein Leben im Schatten des Traumas

Trotz der jahrzehntelangen Belastung führt Schaff gemeinsam mit seiner Frau Sylvia ein geordnetes Leben. Die Bundeswehr bestimmt jedoch nach wie vor seinen Alltag – nicht durch aktiven Dienst, sondern durch die bleibenden Spuren des Bosnien-Einsatzes. Auszeichnungen, Orden und Abzeichen erinnern an seine Zeit als Soldat, doch die psychischen Narben sind die dominierende Erbschaft dieser Phase.

Die Geschichte von Ralf Claus Schaff steht exemplarisch für viele Veteranen, die mit den Spätfolgen von Auslandseinsätzen kämpfen. Sie wirft wichtige Fragen zur Nachsorge und Betreuung ehemaliger Soldaten auf und zeigt, dass die eigentlichen Herausforderungen oft erst Jahre nach der Rückkehr aus dem Einsatzgebiet beginnen.

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