Umfrage zeigt: Deutsche fürchten Cyberangriffe und Anschläge auf Infrastruktur
Deutsche fürchten Cyberangriffe und Infrastruktur-Anschläge

Deutsche blicken sorgenvoll in die sicherheitspolitische Zukunft

Eine aktuelle repräsentative Umfrage des Markt- und Meinungsforschungsinstituts Civey im Auftrag des Consulting-Unternehmens Deloitte zeigt ein düsteres Stimmungsbild in der deutschen Bevölkerung. Demnach erwarten 54 Prozent der Deutschen, dass sich die sicherheitspolitische Lage in den kommenden zwei Jahren verschlechtern wird. Nur etwa 15 Prozent rechnen mit einer Verbesserung der Situation.

Geringes Vertrauen in die Verteidigungsfähigkeit

Besonders alarmierend ist das mangelnde Vertrauen in die eigene Verteidigungsfähigkeit. Drei Viertel der Befragten (76,8 Prozent) beurteilen Deutschlands Verteidigungsfähigkeit als eher gering oder sehr gering. Parallel dazu empfindet eine Mehrheit von 60,5 Prozent, dass sich die sicherheitspolitische Zusammenarbeit innerhalb der Nato in den vergangenen zwei Jahren verschlechtert hat.

Hybride Gefahren als Hauptbedrohung

Die größten Sorgen bereiten den Deutschen hybride Bedrohungen. Über die Hälfte der Befragten (53,6 Prozent) empfindet Anschläge auf kritische Infrastruktur als größte Gefahr für die nationale Sicherheit. Cyberangriffe auf Staat und Wirtschaft folgen mit 39,6 Prozent, politischer Extremismus mit 39 Prozent. Militärische Angriffe auf deutsches Gebiet werden hingegen nur von 8 Prozent als größte Bedrohung wahrgenommen.

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„Die Menschen in Deutschland nehmen Sicherheit heute breiter und realistischer wahr“, kommentiert Volker Krug, CEO bei Deloitte Deutschland. „Nicht allein militärische Szenarien, sondern vor allem Angriffe auf kritische Infrastruktur und Cyberattacken bereiten Sorgen.“

Geteilte Meinungen zur militärischen Bedrohung

Die Einschätzung der aktuellen militärischen Bedrohungslage ist in der Bevölkerung gespalten. Während 43,7 Prozent der Befragten Deutschland als militärisch bedroht empfinden, sehen genauso viele keine solche Bedrohung. Diese Diskrepanz verdeutlicht die komplexe Sicherheitswahrnehmung in der Gesellschaft.

Vertrauensverlust bei traditionellen Partnern

Die Umfrage zeigt einen massiven Vertrauensverlust bei traditionellen sicherheitspolitischen Partnern. Als vertrauenswürdigster Partner wird die Europäische Union von zwei Dritteln der Befragten genannt, gefolgt von Großbritannien mit 49,7 Prozent. Den USA vertrauen nur noch 15 Prozent als Partner in der Sicherheitspolitik.

Bevorzugte Wege für internationales Engagement

Die Bevölkerung favorisiert für Deutschland eine unterstützende Rolle als „Mitgestalter“ (47,9 Prozent) in der globalen Krisenbewältigung. Die Stärkung der Nato-Zusammenarbeit (54 Prozent) und die Reduzierung strategischer Abhängigkeiten (58,1 Prozent) sind die bevorzugten Wege für ein stärkeres internationales Engagement.

„Die Diskrepanz zwischen dem Wunsch nach einer starken Rolle in internationalen Bündnissen und der Skepsis gegenüber der eigenen Verteidigungsfähigkeit verdeutlicht die Herausforderung“, sagt Germar Schröder von Partner Defence & Security bei Deloitte.

Informationsquellen für Sicherheitsthemen

Um sich über sicherheitspolitische Themen zu informieren, nutzen die meisten Deutschen traditionelle Medien: Zeitungen und Nachrichtenportale (65,9 Prozent) sowie das öffentlich-rechtliche Fernsehen (59,5 Prozent). Soziale Netzwerke (11,2 Prozent) und Podcasts/YouTube-Kanäle (16,6 Prozent) spielen eine geringere, aber für jüngere Zielgruppen relevante Rolle.

Die Umfrage wurde unter 5000 Bundesbürgerinnen und Bundesbürgern ab 18 Jahren durchgeführt und anlässlich der bevorstehenden Münchner Sicherheitskonferenz veröffentlicht. Sie zeigt deutlich, dass die deutsche Bevölkerung Sicherheitspolitik heute multidimensional betrachtet und vor allem nicht-militärische Bedrohungen als kritisch einschätzt.

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