Experte warnt bei Markus Lanz vor wachsenden Sicherheitsrisiken
In der aktuellen Ausgabe der Talkshow von Markus Lanz hat der Korvettenkapitän der Reserve Moritz Brake deutliche Warnungen zur deutschen Sicherheitspolitik ausgesprochen. Der Ex-Marineoffizier und heutige Experte für maritime Sicherheit an der Universität Bonn zeichnete ein düsteres Bild der internationalen Lage.
„Die Weltlage wird uns immer mehr Schmerzen abverlangen“
Brake reagierte damit auf die doppelte Seeblockade im Persischen Golf durch Iran und USA. Seine Analyse fiel deutlich aus: „Wir diskutieren über die Straße von Hormus und über den Einsatz von Kriegsschiffen der deutschen Marine. Solange wir aber zu Hause über den Spritpreis reden, sprechen wir über Soldaten, die ihr Leben riskieren, damit jemand womöglich mehr Geld hat, um im Internet Schrott aus China zu bestellen!“
Der Sicherheitsexperte kritisierte damit die Prioritätensetzung in der öffentlichen Debatte, die seiner Meinung nach wirtschaftliche Belange über sicherheitspolitische Erwägungen stellt.
China als Hauptgefahr für den Westen
Für Brake stellt China zunehmend die größte Bedrohung für den Westen dar. Seine Analyse umfasst mehrere maritime Engpässe:
- Die Straße von Hormus im Persischen Golf
- Den Suezkanal und das Rote Meer
- Potenzielle Blockaden durch die mit dem Iran verbündeten Huthi-Rebellen im Jemen
Brake betonte, dass die Huthis „direkt verknüpft mit Russland“ seien und „mindestens stillschweigend mit materieller Unterstützung aus China“ kämpften.
Ressourcenknappheit und industrielle Abhängigkeiten
Der Ex-Marineoffizier verwies auf besorgniserregende Zahlen zur Ressourcenverteilung: „Die Amerikaner und die Israelis haben in den ersten zwei Wochen dieses Krieges etwa tausend Flugabwehrraketen, eine Jahresproduktion, verschossen.“ Jede dieser Raketen werde in Russland und China mitgezählt, was gleichzeitig die Fähigkeit zur Versorgung der Ukraine schmälere.
„Wir setzen Ressourcen ein, die wir so schnell nicht wiederkriegen – die wir aber dringend brauchen, um glaubwürdig abschrecken und uns verteidigen zu können“, so Brakes ernüchternde Bilanz.
Chinas Dominanz im Schiffbau und Handel
Besonders alarmierend sind für Brake die strukturellen Abhängigkeiten:
- China kontrolliert weltweit 20 Prozent der Handelsflotten direkt
- Weitere 60 Prozent werden durch chinesische Finanzierungen ermöglicht
- Fast 70 Prozent aller Schiffe weltweit werden in China gebaut
- Europa liegt beim Schiffbau bei unter zwei Prozent
- Die USA erreichen nur einen Bruchteil der chinesischen Kapazitäten
„Selbst bei Kriegsschiffen müssen sich die USA in Südkorea als verlängerte Werkbank bedienen“, kritisierte Brake die industriellen Verhältnisse.
Vorsichtiger Optimismus und notwendige Maßnahmen
Trotz der düsteren Analyse ließ Brake am Ende einen Hoffnungsschimmer erkennen: „Wir haben noch Reedereien. Wir haben Werften, die noch Stahlbau machen. Wir haben auch noch Stahlwerke. Das ist der Kern, aus dem wir wieder etwas aufbauen müssen.“
Seine Forderung ist klar: Deutschland und Europa müssen ihre industriellen Kapazitäten im maritimen Bereich stärken und die Abhängigkeit von chinesischen Produktionen reduzieren, um langfristig sicherheitspolitisch handlungsfähig zu bleiben.



