Neuer Militärhafen an der Nordsee? Marine prüft Standorte in Emden und Bremerhaven
Marine prüft neuen Militärhafen an der Nordsee

Marine prüft neuen Militärhafen an der Nordseeküste

Die Deutsche Marine erwägt, einen weiteren Militärhafen an der Nordseeküste zu errichten. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur (dpa) sind die genauen Standorte noch nicht festgelegt, doch Emden und Bremerhaven gelten als Favoriten. Beide Häfen werden bereits für militärische Güter bei Truppentransporten und Verlegeübungen genutzt. Derzeit verfügt die Marine an der Nordsee nur in Wilhelmshaven über einen eigenen Hafen, den Marinestützpunkt Heppenser Groden.

Offizielle Bestätigung und Details zur Standortsuche

Das Bundesverteidigungsministerium und die Marine bestätigten auf Anfrage die Prüfung möglicher neuer maritimer Standorte. Eine Sprecherin des Ministeriums erklärte, dass der geplante Aufwuchs der Streitkräfte neue infrastrukturelle Bedarfe und Standorterfordernisse mit sich bringe. Die Marine untersuche daher verschiedene Häfen auf ihr Potenzial, um diese Bedarfe zeitgerecht zu decken. Weder das Marinekommando noch das Ministerium gaben jedoch genauere Angaben zum Auswahlverfahren, den Kriterien oder den Kandidaten, da die Prüfungen und Entscheidungsprozesse noch nicht abgeschlossen seien. Medien wie die „Nordsee-Zeitung“ und „buten un binnen“ hatten bereits über entsprechende Pläne berichtet.

Potenzielle Standorte im Rennen

Holger Banik, Geschäftsführer der niedersächsischen Hafeninfrastrukturgesellschaft NPorts, betonte kürzlich in Wilhelmshaven, dass noch keine Entscheidung bei der Standortsuche gefallen sei. Der Bund habe sich mögliche Standorte in Norddeutschland angesehen, darunter neben Emden und Bremerhaven auch Cuxhaven. Banik erklärte, dass mehrere Orte im Rennen seien, wobei Emden und Bremerhaven weiterhin als Kandidaten gelten. Die Bremer Landesregierung bestätigte, dass die Marine mit Überlegungen an die Freie Hansestadt Bremen herangetreten sei, um einen Marinestützpunkt in Bremerhaven zu errichten, was zu einer Reihe von Gesprächen geführt habe.

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Argumente für Bremerhaven als Standort

Ein Sprecher der Bremer Regierung hob hervor, dass sich ein neuer Marinehafen in Bremerhaven schnell realisieren ließe, insbesondere im Bereich des Fischereihafens. Dort liegen bereits alle notwendigen Voruntersuchungen, Planungsunterlagen und rechtskräftige Bebauungspläne vor. Ursprünglich war für dieses Gebiet ein „Energy Port“ für die Energiewende geplant, doch diese Pläne stocken seit Jahren und könnten mit einem Marinehafen in den Hintergrund treten. Bremerhaven verfügt über eine lange militärische Tradition als Logistikknotenpunkt der US-Army und beherbergt bereits die Marineoperationsschule. Zudem sollen neue Fregatten der Marine von 2026 bis 2029 in einer Bremerhavener Werft gebaut werden. Die vorhandene Infrastruktur mit Reparaturdocks, Schleusen und einem geplanten maritimen Logistik-Hub, in den der Bund 1,35 Milliarden Euro investiert, spricht ebenfalls für diesen Standort.

Argumente für Emden als Standort

Die Konzentration von Investitionen auf Bremerhaven hat in Hamburg und Niedersachsen für Unmut gesorgt, was bei der Standortentscheidung eine Rolle spielen könnte und Emden begünstigen würde. Die ostfriesische Seehafenstadt bietet eine bessere geografische Lage und war bis 1997 bereits ein Marine-Standort. Die niedersächsische Landesregierung betont, dass Niedersachsen als Bundeswehr-Land Nummer 1 großes Interesse an einem starken Standort Emden habe. Vertreter des Bundesverteidigungsministeriums, der Marine und Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) verschafften sich Ende Februar vor Ort einen Überblick, wobei die Stadt Emden ihre Unterstützung für eine Rückkehr der Marine zum Ausdruck brachte. Der Emder Hafen verfügt laut NPorts über das größte ungenutzte Flächenpotenzial unter allen niedersächsischen Häfen, allerdings müssten geplante Hafen-Ausbauprojekte bei einer Entscheidung für Emden verschoben werden. NPorts-Chef Banik wies auf die Notwendigkeit zusätzlichen Personals und passender Rahmenbedingungen, wie eines Beschleunigungsgesetzes, hin.

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Zeitplan und weitere Entwicklungen

Ursprünglich sollte die Entscheidung bereits im März fallen, sodass mit einer baldigen Festlegung gerechnet werden kann. Dies steht auch im Zusammenhang mit der bevorstehenden Nationalen Maritimen Konferenz in Emden Ende April, bei der die Wettbewerbsfähigkeit und Bedeutung der maritimen Wirtschaft für die Sicherheit Deutschlands im Mittelpunkt stehen werden. Derzeit ist Wilhelmshaven der einzige und größte Marinehafen an der Nordseeküste und zugleich der größte Standort der Bundeswehr insgesamt, mit Einrichtungen wie einem Marinearsenal und einem Logistikzentrum, wo die Einsatzflottille 2 stationiert ist.