Rheinmetall-Chef löst mit abfälligen Äußerungen über ukrainische Drohnenhersteller Empörung aus
Rheinmetall-Chef löst mit Drohnen-Äußerungen Empörung aus

Rheinmetall-Chef zieht ukrainische Drohnenproduktion ins Lächerliche

Der Vorstandsvorsitzende des deutschen Rüstungskonzerns Rheinmetall, Armin Papperger, hat in einem Interview mit dem US-Magazin The Atlantic abwertende Äußerungen über die ukrainische Drohnenproduktion getätigt. Seine Bemerkungen lösten eine Welle der Empörung in der Ukraine aus und zwangen das Unternehmen zu einer öffentlichen Stellungnahme.

"Wie mit Lego spielen" - Pappergers kontroverse Aussagen

In dem am Freitag veröffentlichten Gespräch bezeichnete Papperger die Entwicklung von Drohnentechnologie in der Ukraine als "wie mit Lego zu spielen". Er behauptete, in den Fabriken würden "ukrainische Hausfrauen" arbeiten, die mit 3D-Druckern in ihren Küchen Drohnenteile herstellten. "Das ist keine Innovation", so der Rheinmetall-Chef weiter. Die Ukraine habe keinen technologischen Durchbruch erzielt und könne nicht mit internationalen Rüstungskonzernen wie Lockheed Martin, General Dynamics oder Rheinmetall mithalten.

Ukrainische Reaktion: Von Ironie bis zu konkreten Erfolgszahlen

Die Reaktionen aus der Ukraine fielen scharf aus. Der ukrainische Drohnenhersteller Skyfall konterte mit beißender Ironie: "Wenn eine Drohne, die von ukrainischen 'Hausfrauen' gebaut wurde, ausreicht, um Panzer und Artillerie auszuschalten, dann sind wir wohl offiziell in der Ära der 'Hausfrauen' angekommen."

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Oleksandr Kamyschin, Berater des ukrainischen Präsidenten, hob auf der Plattform X die Erfolge ukrainischer Drohnen hervor. Bei seinen Besuchen in Waffenfabriken habe er häufig ukrainische Frauen gesehen, die genauso arbeiteten wie Männer. "Sie sind großartige Hausfrauen, und doch müssen sie hart in den Militärfabriken arbeiten. Sie verdienen Respekt", schrieb Kamyschin.

Später fügte er konkrete Zahlen hinzu: "Unsere LEGO-Drohnen sind von Hausfrauen in ihren Küchen gemacht und haben schon mehr als 11.000 russische Panzer zerstört." Unter dem Hashtag #MadeByHousewives verbreiteten sich im Netz zahlreiche Memes und Kommentare zur Effektivität ukrainischer Drohnen.

Ukrainische Drohnenerfahrung und internationale Zusammenarbeit

Die Ukraine verfügt mittlerweile über vier Jahre Kriegserfahrung im Einsatz von Drohnen sowie in der Abwehr iranischer Schahed-Drohnen. Russland greift das Nachbarland regelmäßig mit diesen Drohnen an, die mittlerweile unter der Bezeichnung Geran-2 in Russland selbst produziert werden.

Interessanterweise wurden Ende Februar ukrainische Experten in die Golfregion entsandt, um bei der Abwehr von iranischen Drohnenangriffen zu helfen. Dies zeigt die internationale Anerkennung ukrainischer Expertise in diesem Bereich.

Präsident Wolodymyr Selenskyj befindet sich derzeit auf einer Reise durch mehrere Golfstaaten und vereinbarte mit Saudi-Arabien, Katar und den Vereinigten Arabischen Emiraten eine Zusammenarbeit bei der Luftverteidigung.

Rheinmetalls verspätete Schadensbegrenzung

Am Sonntag reagierte Rheinmetall schließlich auf die wachsende Kritik. Das Unternehmen erklärte auf X, man habe "höchsten Respekt für die immensen Bemühungen der ukrainischen Bevölkerung, sich zu verteidigen". Jede Frau und jeder Mann in der Ukraine leiste einen "unermesslichen Beitrag".

Besonders anzurechnen sei der Ukraine, dass das Land "sogar mit begrenzten Ressourcen hoch effektiv kämpft". Diese verspätete Stellungnahme kam jedoch erst nach Tagen öffentlicher Empörung.

Wirtschaftlicher Hintergrund des Rüstungskonzerns

Rheinmetall verzeichnete im vergangenen Jahr ein Umsatz- und Gewinnplus und erwartet für das laufende Jahr ein Umsatzwachstum von 40 bis 45 Prozent auf 14 bis 14,5 Milliarden Euro. Die kontroversen Äußerungen des Vorstandsvorsitzenden fallen somit in eine Phase wirtschaftlichen Erfolgs für das Unternehmen.

Die Diskussion um Pappergers Aussagen wirft ein Schlaglicht auf das Spannungsfeld zwischen traditioneller Rüstungsindustrie und innovativen Kriegstechnologien, die unter schwierigsten Bedingungen entwickelt werden. Sie zeigt zudem, wie sensibel die Sprache in einem andauernden Kriegskontext ist.

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