AfD erzielt historisches West-Ergebnis in Baden-Württemberg
Die Alternative für Deutschland (AfD) hat bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg ein bemerkenswertes Ergebnis erzielt. Mit 18,8 Prozent der Zweitstimmen erreichte die Partei ihr bestes Resultat bei einer Landtagswahl in Westdeutschland und übertrumpfte damit sogar das hessische Ergebnis von 2023 (18,4 Prozent). Bundesparteichef Tino Chrupalla verkündete stolz: „Wir sind jetzt auch in Baden-Württemberg Volkspartei.“ Trotz dieses Erfolgs und Avancen von Spitzenkandidat Markus Frohnmaier an die CDU wird die AfD voraussichtlich auf der Oppositionsbank Platz nehmen.
Fast eine Verdopplung gegenüber 2021
Im Vergleich zur Landtagswahl 2021 hat die AfD, die vom Verfassungsschutz in Baden-Württemberg als rechtsextremistischer Verdachtsfall beobachtet wird, ihr Ergebnis nahezu verdoppelt. „Und darauf sind wir natürlich stolz“, erklärte Frohnmaier. Er betonte, das Ergebnis zeige deutlich, dass die Bürger keine grüne Politik mehr wollten, sondern einen grundlegenden Kurswechsel. Obwohl er bei der CDU für eine bürgerlich-konservative Mehrheit warb, die rechnerisch möglich wäre, schloss CDU-Landeschef Manuel Hagel kategorisch aus, sich von der AfD zum Ministerpräsidenten wählen zu lassen.
Analyse der Wählermotive
Laut einer Analyse der Forschungsgruppe Wahlen gaben 62 Prozent der Befragten an, die AfD „als Denkzettel“ gewählt zu haben, während nur 32 Prozent ihre politischen Forderungen als Hauptgrund nannten. Rolf Frankenberger vom Institut für Rechtsextremismusforschung (IRex) an der Universität Tübingen kommentierte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur: „Die Partei hat ausgeschöpft, was sie kann.“ Er wies darauf hin, dass die AfD vor allem Nichtwähler mobilisiert habe, während die Ströme von ehemaligen CDU- oder FDP-Wählern deutlich geringer ausfielen.
Regionale Hochburgen und städtische Ausnahmen
Die AfD schnitt besonders stark in ländlichen Gebieten wie dem Schwarzwald ab. Im Wahlkreis Tuttlingen-Donaueschingen erreichte sie mit 26,7 Prozent ihren höchsten Zweitstimmenanteil, blieb aber hinter der CDU. In städtischen Regionen blieb die Partei meist einstellig, mit zwei bemerkenswerten Ausnahmen: In Pforzheim wurde die AfD mit 26,4 Prozent der Zweitstimmen stärkste Kraft, und im Wahlkreis Mannheim I gewann Kandidat Bernhard Pepperl sogar das Direktmandat. Frankenberger erklärte, die AfD habe hier der SPD als Arbeiterpartei den Rang abgelaufen, wobei die relativ niedrige Wahlbeteiligung in diesem Wahlkreis eine Rolle gespielt haben könnte.
Themen und Kampagnenstrategien
In traditionalistisch geprägten Regionen adressierte die AfD laut Frankenberger wie keine andere Partei Themen wie traditionelle Familienbilder, Patriotismus sowie Fremden- und Homofeindlichkeit. Der Kampf gegen Windkraft und das Verbrenner-Aus in den Hochburgen der Autoindustrie spielten ebenfalls eine zentrale Rolle im Wahlkampf. Mit Plakatsprüchen wie „Dein Nachbar wählt uns auch“ signalisierte die Partei Normalität und breite Akzeptanz. Ein möglicher Schub kam durch die Entscheidung des Verwaltungsgerichts Köln, die es dem Verfassungsschutz vorerst verbietet, die AfD als gesichert rechtsextremistisch einzustufen.
Historischer Kontext und Entwicklung
Die AfD ist im Südwesten seit 2016 im Landtag vertreten, als Flüchtlingsthemen im Fokus standen. Damals wurde sie mit 15,1 Prozent drittstärkste Kraft. Fünf Jahre später erlitt sie Verluste und wurde mit 9,7 Prozent die kleinste Fraktion, trat aber laut Landeszentrale für politische Bildung disziplinierter auf – wenn auch nicht unbedingt inhaltlich gemäßigter. Als rechte Partei ist die AfD kein neues Phänomen im Stuttgarter Parlament: Bereits Ende der 1960er Jahre saß die NPD dort, in den 1990ern die Republikaner.
Für Spitzenkandidat Markus Frohnmaier bedeutet das Wahlergebnis trotz des Erfolgs, dass er Bundestagsabgeordneter bleibt. Der 35-Jährige war nur als möglicher Ministerpräsident angetreten, hatte aber nicht für den Landtag kandidiert. Die AfD verfügt in Baden-Württemberg nach eigenen Angaben über rund 8.600 Mitglieder und wird im Landtag nun voraussichtlich als stärkste Oppositionskraft agieren.



