AfD erzielt Rekordergebnis in Baden-Württemberg: Fast 19 Prozent bei Landtagswahl
AfD mit fast 19 Prozent in Baden-Württemberg

AfD erzielt historisches West-Ergebnis in Baden-Württemberg

Bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg hat die Alternative für Deutschland (AfD) ihr bisher bestes Ergebnis in einem westdeutschen Bundesland erreicht. Mit 18,8 Prozent der Zweitstimmen übertrifft die Partei sogar das hessische Ergebnis von 2023 (18,4 Prozent). AfD-Bundesvorsitzender Tino Chrupalla erklärte daraufhin: "Wir sind jetzt auch in Baden-Württemberg Volkspartei." Trotz dieses Erfolgs wird die AfD voraussichtlich in der Opposition verbleiben, da CDU-Landeschef Manuel Hagel eine Wahl des Ministerpräsidenten mit AfD-Stimmen kategorisch ausschloss.

Fast eine Verdopplung gegenüber 2021

Im Vergleich zur Landtagswahl 2021 hat die AfD, die vom Verfassungsschutz in Baden-Württemberg als rechtsextremistischer Verdachtsfall eingestuft wird, ihr Ergebnis nahezu verdoppelt. AfD-Spitzenkandidat Markus Frohnmaier zeigte sich stolz auf diesen Zuwachs und interpretierte das Ergebnis als klaren Wunsch der Bürger nach einem Politikwechsel weg von grüner Politik. "Das zeigt, dass die Menschen keine grüne Politik mehr wollen, sondern einen Kurswechsel", betonte Frohnmaier und warb bei der CDU für eine bürgerlich-konservative Mehrheit, die rechnerisch möglich wäre.

Wähleranalyse: Denkzettel statt Überzeugung

Laut einer Analyse der Forschungsgruppe Wahlen gaben 62 Prozent der Befragten an, die AfD "als Denkzettel" gewählt zu haben, während nur 32 Prozent die politischen Forderungen der Partei als Hauptgrund nannten. ARD- und ZDF-Daten zur Wählerwanderung zeigen zudem, dass die AfD vor allem Nichtwähler mobilisieren konnte, während die Ströme von ehemaligen CDU- und FDP-Wählern deutlich geringer ausfielen.

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Rolf Frankenberger vom Institut für Rechtsextremismusforschung (IRex) an der Universität Tübingen kommentierte: "Die Partei hat ausgeschöpft, was sie kann." Viele Wähler hätten wohl gedacht: "Jetzt kommt's drauf an." Frankenberger wies auch darauf hin, dass sich Grüne und CDU aus Sicht mancher Wähler nicht stark genug unterschieden hätten, "wenn man nicht so genau hinschaut".

Regionale Unterschiede und Direktmandate

Die AfD schnitt besonders stark in ländlichen Regionen wie dem Schwarzwald ab. Im Wahlkreis Tuttlingen-Donaueschingen erreichte sie mit 26,7 Prozent ihren höchsten Zweitstimmenanteil, blieb aber hinter der CDU. In städtischen Gebieten blieb die AfD meist einstellig, mit zwei bedeutenden Ausnahmen:

  • In Pforzheim wurde die AfD mit 26,4 Prozent der Zweitstimmen stärkste Kraft
  • Im Wahlkreis Mannheim I gewann Kandidat Bernhard Pepperl sogar das Direktmandat

Frankenberger erklärte, die AfD habe der SPD in Mannheim als Arbeiterpartei den Rang abgelaufen. "In dem Wahlkreis ist die Wahlbeteiligung relativ niedrig", was sich zugunsten des AfD-Kandidaten ausgewirkt haben könnte.

Themen und Kampagnenstrategien

In traditionalistisch geprägten Regionen adressierte die AfD laut Frankenberger wie keine andere Partei Themen wie traditionelle Familienbilder, Patriotismus sowie Fremden- und Homofeindlichkeit. Auch der Kampf gegen Windkraft und das Verbrenner-Aus in den Hochburgen der Autoindustrie spielten im Wahlkampf eine Rolle. Die Partei setzte zudem auf Normalisierungsstrategien mit Plakatsprüchen wie "Dein Nachbar wählt uns auch".

Einen möglichen Schub könnte die Entscheidung des Verwaltungsgerichts Köln gegeben haben, die es dem Verfassungsschutz untersagt, die AfD vorläufig als gesichert rechtsextremistisch einzustufen. Auf der anderen Seite habe die Debatte um Vetternwirtschaftsvorwürfe die Zustimmung etwas gedämpft, so Frankenberger: "Das könnte sich ausgeglichen haben."

Historischer Kontext und Entwicklung

Die AfD ist im Südwesten mit rund 8.600 Mitgliedern vertreten und seit 2016 im Landtag, als Flüchtlingsthemen dominierte. Damals wurde sie mit 15,1 Prozent drittstärkste Kraft. 2021 fiel sie auf 9,7 Prozent zurück und wurde kleinste Fraktion, trat aber laut Landeszentrale für politische Bildung disziplinierter auf - "wenn auch nicht unbedingt inhaltlich gemäßigter".

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Rechte Parteien sind im Stuttgarter Parlament kein neues Phänomen: Ende der 1960er Jahre saß die NPD im Landtag, in den 1990ern die Republikaner. Für AfD-Spitzenkandidat Frohnmaier bedeutet das aktuelle Wahlergebnis trotz des Erfolgs, dass er Bundestagsabgeordneter bleibt - der 35-Jährige war nur als möglicher Ministerpräsident angetreten, hatte aber nicht für den Landtag kandidiert.