Baden-Württemberg vor historischer Wahl: Das Ende der Ära Kretschmann und die Suche nach einem Nachfolger
Baden-Württemberg: Landtagswahl 2026 und das Ende der Kretschmann-Ära

Baden-Württemberg vor historischer Wahl: Das Ende der Ära Kretschmann und die Suche nach einem Nachfolger

Baden-Württemberg steht am 8. März 2026 vor einer politischen Zeitenwende. Mit der Wahl zum 18. Landtag endet die Ära von Ministerpräsident Winfried Kretschmann, dem am längsten amtierenden Regierungschef des Landes. Doch es geht nicht nur um die Nachfolge einer prägenden Figur. Das wirtschaftsstarke Bundesland, oft als politischer Trendsetter betrachtet, gibt mit dieser Wahl den Auftakt für ein hochspannendes Wahljahr in Deutschland, in dem insgesamt fünf Landtagswahlen anstehen.

Neues Wahlrecht und junge Erstwähler

Rund 7,7 Millionen Menschen sind bei dieser Landtagswahl stimmberechtigt – ein neuer Höchststand. Dieser Anstieg ist vor allem auf die Absenkung des Wahlalters auf 16 Jahre im Zuge der Wahlrechtsreform zurückzuführen. Dadurch kommen etwa 650.000 Erstwählerinnen und Erstwähler hinzu, was etwa 8,4 Prozent aller Wahlberechtigten entspricht. Diese junge Wählerschaft bringt Themen wie Klimaschutz, Bildung, bezahlbares Wohnen und digitale Verwaltung stärker in den Fokus.

Wer folgt auf Winfried Kretschmann?

Der Amtsinhaber Winfried Kretschmann tritt nicht erneut an. Nach mehr als 14 Jahren im Amt überholte er im August 2025 sogar das CDU-Urgestein Erwin Teufel als längstdienender Ministerpräsident. Die Grünen setzen auf Ex-Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir als Nachfolger. Dieser Berliner Politiker mit schwäbischen Wurzeln soll den Abwärtstrend seiner Partei stoppen, die in aktuellen Umfragen weit hinter der CDU liegt. Für die CDU tritt Landeschef Manuel Hagel an, während die AfD Markus Frohnmaier als Ministerpräsidentenkandidaten aufgestellt hat. Die Chancen der Kandidaten von SPD (Andreas Stoch), FDP (Hans-Ulrich Rülke) und der Linken (Kim Sophie Bohnen, Amelie Vollmer, Mersedeh Ghazaei) gelten als gering.

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Koalitionsmöglichkeiten und Umfragen

Nach aktuellem Stand ist Schwarz-Grün die wahrscheinlichste Koalition. In vielen Umfragen liegt die CDU vorn, und zusammen mit den Grünen erreichen beide Parteien meist eine Mehrheit ohne FDP oder AfD. Allerdings erschweren AfD-Zuwächse eine Mehrheitsbildung jenseits dieser Achse. Eine „Deutschlandkoalition“ aus CDU, SPD und FDP oder eine „Jamaika“-Koalition aus CDU, Grünen und FDP sind rechnerisch möglich, aber unsicher, insbesondere ob die FDP die Fünf-Prozent-Hürde überwindet. Eine schwarz-rote Koalition verfügt nach aktuellen Umfragen nicht über ausreichende Stimmen.

Dominierende Themen im Wahlkampf

Im Zentrum des Wahlkampfs steht die Suche nach einer neuen politischen Führungsfigur. Kretschmann galt als integrativ, pragmatisch und stabilisierend. Sein Rückzug eröffnet ein offenes Rennen. Die Grünen müssen beweisen, dass sie auch ohne ihren populären Landesvater regierungsfähig bleiben, während die CDU ihre Chance zur Rückkehr an die Macht nutzen will. Als wirtschaftsstarkes Land steht Baden-Württemberg vor tiefgreifenden Umbrüchen, insbesondere in der Automobil- und Zulieferindustrie. Streitpunkte sind der Umgang mit dem Strukturwandel (E-Mobilität, Wasserstoff, Digitalisierung) und die Sicherung von Arbeitsplätzen.

Der Klimaschutz bleibt ein zentrales, aber kontroverses Thema. Nach Energiekrise und steigenden Lebenshaltungskosten rückt die Bezahlbarkeit stärker in den Fokus. Migration, Integration und innere Sicherheit sind weitere Schlüsselthemen, wobei Parteien unterschiedliche Ansätze verfolgen: CDU und FDP setzen auf strengere Regeln, während Grüne und SPD humanitäre Verantwortung betonen.

Das Wahlsystem im Überblick

Die Landtagswahl folgt einem gemischten Verhältniswahlrecht. Wählerinnen und Wähler haben zwei Stimmen: eine Erststimme für eine Person im direkten Wahlkreis und eine Zweitstimme für eine Partei auf einer Landesliste. Das Kräfteverhältnis im Landtag richtet sich primär nach dem Ergebnis der Zweitstimmen. Der Landtag hat mindestens 120 Sitze, die proportional verteilt werden, mit einer Fünf-Prozent-Hürde für den Einzug. Dieses System sorgt für eine bundesweit übliche Sitzverteilung und mehr Repräsentation.

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Die Ergebnisse der letzten Landtagswahl 2021 zeigen: Grüne 32,6 Prozent, CDU 24,1 Prozent, SPD 11 Prozent, FDP 10,5 Prozent, AfD 9,7 Prozent, Linke 3,6 Prozent, Sonstige 5,5 Prozent. Mit dem neuen Wahlrecht und den jungen Wählern könnte sich das politische Bild in Baden-Württemberg nun grundlegend verändern.