Bulgarien wählt: Russland-freundlicher Ex-Präsident Radew erzielt klaren Wahlsieg
Bei der vorgezogenen Parlamentswahl in Bulgarien zeichnet sich ein überwältigender Sieg für die Wahlallianz von Ex-Staatschef Rumen Radew ab. Laut aktuellen Hochrechnungen mehrerer Meinungsforschungsinstitute kommt sein Bündnis Progressives Bulgarien (PB) auf bis zu 45 Prozent der Stimmen. Dies würde bedeuten, dass Radews Allianz mit bis zu 140 Abgeordneten im 240 Sitze umfassenden Parlament über eine absolute Mehrheit verfügen könnte.
Hohe Wahlbeteiligung und deutlicher Vorsprung
Die Wahlbeteiligung lag nach Angaben des Instituts Alpha Research bei gut 51 Prozent – ein vergleichbar hoher Wert wie bei der Parlamentswahl im April 2021. Das amtliche Endergebnis wird bis Donnerstag erwartet. Die etablierten prowestlichen Parteien bleiben deutlich zurück: Das konservative Bündnis Gerb-SDS und der liberal-konservative Verband PP-DB kämpfen mit jeweils 12 bis 13 Prozent um den zweiten Platz.
Radews Versprechen: Stabilität und Korruptionsbekämpfung
Im Wahlkampf hatte Radew versprochen, dem EU- und Nato-Land eine stabile Regierung zu geben und die Korruption zu bekämpfen. Eine seiner prioritären Aufgaben wird die Verabschiedung eines Staatsetats für 2026 sein, nachdem Bulgarien zu Jahresbeginn den Euro einführte, aber wegen der Regierungskrise ohne neuen Haushaltsplan blieb. Zudem strebt Radew eine Justizreform an, wofür er allerdings eine verfassungsändernde Mehrheit von 160 Parlamentariern benötigt.
Außenpolitische Positionierung wirft Fragen auf
Dass sich Radew als Präsident russlandfreundlich zeigte und sich für Dialog mit Moskau einsetzte, wirft Fragen zu seiner künftigen Positionierung innerhalb der EU bezüglich der Ukraine-Unterstützung auf. In einem Fernsehinterview sagte Radew, Bulgarien werde sich nicht finanziell an Militärhilfen für die Ukraine beteiligen, aber Entscheidungen auf EU-Ebene nicht blockieren. Russische Medien bezeichnen ihn bereits als „bulgarischen Orban“ und erwarten, dass Sofia unter seiner Führung für Brüssel ähnlich unbequem werden könnte wie Budapest.
Etablierte Parteien und nationalistische Kräfte verlieren
Die nationalistische prorussische Partei Wasraschdane stürzte laut Hochrechnungen massiv auf rund vier Prozent ab – nach 13,3 Prozent im Jahr 2024. Es bleibt vorerst unklar, ob sie nach Auszählung der Briefwahlstimmen die Vier-Prozent-Hürde überwindet. Im Europaparlament gehört Wasraschdane zur gleichen Parteienfamilie wie die Alternative für Deutschland (AfD).
Hintergrund der Neuwahl und Radews politische Basis
Die Neuwahl wurde nach Massenprotesten gegen Korruption und dem Rücktritt der prowestlichen Koalitionsregierung im Dezember 2025 notwendig. Radew trat im Januar vom Amt des Staatspräsidenten zurück, um an der Wahl teilzunehmen. Laut der Konrad-Adenauer-Stiftung sind die potenziellen Wähler seiner Allianz im linken, nationalistischen und prorussischen Spektrum zu verorten. Im Wahlkampf betonte er die Wahrung nationaler Interessen innerhalb von Nato und EU.
Radews Vision für Europa
In der Wahlnacht äußerte Radew, Europa müsse seine Konkurrenzfähigkeit wiederherstellen und die Deindustrialisierung stoppen, um strategische Autonomie zu erreichen. Zudem forderte er, dass Europa ernsthaft über die Garantie seiner Energieressourcen nachdenken müsse. Er erwarte, dass Europa viel pragmatischer werde.



