ZDF-Dokumentation enthüllt systematische Vertuschung von DDR-Verbrechen
Die DDR-Führung verheimlichte über Jahrzehnte hinweg einige ihrer schwersten Verbrechen vor der eigenen Bevölkerung und der Weltöffentlichkeit. Erst jetzt bringt eine umfassende ZDF-Dokumentation mit dem Titel "Geheimnisse der DDR – Macht und Unterdrückung" diese dunklen Kapitel der deutschen Geschichte ans Licht. Die dreiteilige Produktion zeigt in erschütternden Details, wie das SED-Regime systematisch Menschenrechtsverletzungen vertuschte und Oppositionelle brutal verfolgte.
Die vertuschte Todesstrafe: Herzinfarkt statt Hinrichtung
Obwohl die Todesstrafe in der DDR erst 1987 offiziell abgeschafft wurde, vollstreckte der Staat bis 1981 über 160 Todesurteile im zentralen Hinrichtungsraum in Leipzig. Ab 1960 begann die Staatsführung jedoch, diese Hinrichtungen systematisch zu vertuschen. In offiziellen Dokumenten wurden die getöteten Inhaftierten als Opfer von Herzinfarkten oder anderen natürlichen Todesursachen geführt.
Ein besonders tragisches Beispiel ist das Schicksal des Ehepaares Bruno und Susanne Krüger. Die beiden ehemaligen Stasi-Mitarbeiter äußerten Zweifel am System und flohen 1955 mit ihrem Sohn nach West-Berlin. Daraufhin setzte die Stasi 20 Agenten und 16 inoffizielle Mitarbeiter auf ihre Verfolgung an. Bruno Krüger wurde betäubt, in einen Teppich gerollt und in die DDR entführt. Sein Sohn wurde von einer vermeintlichen Freundin der Familie verschleppt.
Susanne Krüger suchte Hilfe bei einem alten Stasi-Bekannten, der sie ebenfalls betäubte und nach Ost-Berlin brachte. Nach nur einem Verhandlungstag wurden beide 1955 wegen Hochverrats zum Tode verurteilt und wenige Minuten später hingerichtet. Ihr Sohn erfuhr erst 2011 die Wahrheit – die DDR-Führung hatte jahrzehntelang behauptet, seine Eltern seien bei einem Autounfall ums Leben gekommen.
Jugendwerkhöfe: Systematische Folter und sexueller Missbrauch
In der DDR existierten 53 Jugendwerkhöfe, in denen knapp 4.000 Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren untergebracht waren. Die berüchtigtste Einrichtung war der geschlossene Jugendwerkhof in Torgau, der unter der Leitung von Horst Kretschmer stand. Kretschmer brüstete sich damit, jeden Jugendlichen innerhalb von drei Tagen "brechen" zu können.
Corinna Thalheim aus Wittenberg kam am 8. April 1985 in diese Einrichtung und durchlebte dort unvorstellbare Qualen. Der Tagesablauf war geprägt vom sogenannten "Torgauer Dreier": Liegestützen, Strecksprünge und Kniebeugen bis zur völligen Erschöpfung, gefolgt von 20 Kilometer Dauerlauf. Wer nicht spurte, dem drohten Essenentzug, Schläge und Arrest in der gefürchteten Dunkelkammer.
Noch schlimmer war der systematische sexuelle Missbrauch: Thalheim berichtet, dass Kretschmer sie innerhalb von vier Monaten mehrfach missbrauchte, als sie 17 Jahre alt war. "Die Erzieher haben mich aus dem Schlafraum geholt und nachts um 22 Uhr zum Direktor gebracht", erinnert sie sich. Zwei Tage vor ihrem 18. Geburtstag entließ Kretschmer sie – doch nicht ohne sie auf der Rückfahrt nach Wittenberg ein letztes Mal zu missbrauchen.
Kretschmer starb in der Nacht des Mauerfalls an Leberzirrhose und entging so jeder strafrechtlichen Verfolgung. Auch die anderen Erzieher konnten nach der Wende ihren Beruf weiter ausüben, da die Taten bei ihrer Aufdeckung bereits verjährt waren.
Geheime Überwachungstechnologie und gefährliche Fluchtversuche
Die Dokumentation beleuchtet auch weniger bekannte Aspekte der DDR-Überwachung. So entwickelte der Stasi-Major Frank L. einen radioaktiven Gamma-Strahler, der zur lückenlosen Überwachung an der innerdeutschen Grenze eingesetzt wurde. Besonders am Grenzübergang Marienborn in Sachsen-Anhalt durchleuchtete man damit Fahrzeuge, um Flüchtlinge in Hohlräumen zu entdecken.
Die Stasi wusste um die Gefährlichkeit der Strahlung – in Tests mussten etliche Hunde eingeschläfert werden. Dennoch setzte man das Gerät weiter ein und gefährdete damit regelmäßig Lkw-Fahrer und Grenzmitarbeiter.
Trotz aller Gefahren versuchten tausende Menschen, die DDR zu verlassen. Roland Schreyer aus Harpke in Sachsen-Anhalt arbeitete nach seinem Wehrdienst selbst an der Grenze und kannte die Sicherheitsvorkehrungen genau. 1988 floh er mit Hilfe von West-Verwandten in den Westen, kehrte aber wenige Wochen später zurück, um seine Familie zu holen.
Über den nur schwach gesicherten Bach Wirbke gelangte er zurück in die DDR und organisierte die Flucht seiner Frau, Tochter und seines Vaters. "Das war die längste Zeit meines Lebens", erinnert er sich an die bangen Minuten vor dem Treffen. Nicht alle hatten dieses Glück: Bis zum Mauerfall starben über 1.000 Menschen an der innerdeutschen Grenze, weitere 10.000 wurden bei Fluchtversuchen festgenommen.
Die ZDF-Dokumentation "Geheimnisse der DDR" ist ein wichtiger Beitrag zur Aufarbeitung der deutschen Geschichte und zeigt in erschütternder Deutlichkeit, wie ein Unrechtsregime systematisch Verbrechen vertuschte und Menschen ihrer Grundrechte beraubte. Die Betroffenen leiden bis heute unter den Folgen dieser systematischen Unterdrückung.



