Grüne mit Cem Özdemir gewinnen knapp Landtagswahl in Baden-Württemberg
Grüne gewinnen knapp Landtagswahl in Baden-Württemberg

Grüner Wahlsieg in Baden-Württemberg: Özdemir tritt Kretschmanns Nachfolge an

Die Grünen mit Spitzenkandidat Cem Özdemir haben die Landtagswahl in Baden-Württemberg mit äußerst knappem Vorsprung gewonnen. Nach dem vorläufigen Endergebnis des Statistischen Landesamts kommen die Grünen auf 30,2 Prozent der Stimmen, während die CDU mit 29,7 Prozent nur knapp dahinter liegt. Der 60-jährige frühere Bundesminister Özdemir wird damit voraussichtlich Nachfolger von Ministerpräsident Winfried Kretschmann, der nach 15 Jahren im Amt nicht mehr angetreten war.

Historische Verschiebungen im Parteienspektrum

Die AfD konnte ihren Stimmenanteil auf 18,8 Prozent verdoppeln und erzielte damit ihr bestes Ergebnis bei einer Landtagswahl im Westen Deutschlands. Die SPD stürzte hingegen auf ein bundesweites historisches Tief von nur 5,5 Prozent und ist gerade noch so im Parlament vertreten. Sowohl die FDP als auch die Linke scheiterten an der Fünf-Prozent-Hürde und sind erstmals beziehungsweise erneut nicht im Landtag vertreten.

Im neuen Landtag erhalten sowohl Grüne als auch CDU jeweils 56 Sitze, obwohl die Grünen nach Zweitstimmen gewonnen haben. Zusammen verfügen beide Parteien über eine komfortable Zweidrittelmehrheit. Die AfD kommt auf 35 Mandate, die SPD auf lediglich 10.

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Özdemir bietet CDU Zusammenarbeit auf Augenhöhe an

Cem Özdemir erklärte sich am Wahlabend zum Sieger und rief die Christdemokraten zu einer erneuten Zusammenarbeit auf. „Wir haben die Wahl gewonnen“, sagte er auf der Grünen-Wahlparty und bot der CDU eine „Partnerschaft auf Augenhöhe“ an. „Der Maßstab sollten die letzten zehn Jahre sein und die Erfolge, die wir eingefahren haben.“

CDU-Landeschef Manuel Hagel räumte ein, dass der Auftrag zur Regierungsbildung bei den Grünen liege, bezeichnete das Ergebnis aber dennoch als das beste seiner Partei seit 2011. Der 37-jährige Hagel stand im Wahlkampf wegen eines acht Jahre alten Videos in der Kritik, in dem er von den „rehbraunen Augen“ einer minderjährigen Schülerin schwärmte.

Bittere Niederlage für die SPD

Für die SPD bedeutet das Ergebnis im Südwesten einen „total bitteren Abend“, wie Bundesparteichef Lars Klingbeil im ZDF erklärte. Spitzenkandidat Andreas Stoch kündigte seinen Rückzug als Landes- und Fraktionschef an. Das schwache Abschneiden der Sozialdemokraten kommt zu einem ungünstigen Zeitpunkt, da die Bundes-SPD mit den Koalitionspartnern CDU und CSU wichtige Reformen im Renten- und Gesundheitssystem vorantreiben muss.

AfD feiert sich als neue Volkspartei

Die AfD mit Spitzenkandidat Markus Frohnmaier, deren Landesverband vom Verfassungsschutz als rechtsextremistischer Verdachtsfall beobachtet wird, feierte sich als Gewinner des Abends. AfD-Bundeschef Tino Chrupalla erklärte: „Wir sind jetzt auch in Baden-Württemberg eine Volkspartei.“ Keine der etablierten Parteien hat Koalitionsabsichten mit der AfD geäußert.

Erstmals Wahlrecht für 16- und 17-Jährige

Die Wahlbeteiligung lag bei 69,6 Prozent und damit deutlich höher als 2021. Erstmals durften in Baden-Württemberg auch 16- und 17-Jährige abstimmen, zudem galt ein neues Wahlrecht mit zwei Stimmen nach dem Vorbild der Bundestagswahl. Gut 7,7 Millionen Wahlberechtigte konnten ihre Stimme abgeben – so viele wie nie zuvor in dem Bundesland.

Auftakt für das Superwahljahr 2026

Die baden-württembergische Landtagswahl markiert den Auftakt für das „Superwahljahr 2026“ mit insgesamt fünf Landtagswahlen. Es ist die erste Wahl unter der schwarz-roten Bundesregierung von Kanzler Friedrich Merz. Die Ergebnisse gelten als wichtiger Stimmungsindikator für die anstehenden Reformdebatten auf Bundesebene.

Bereits am 22. März wird in Rheinland-Pfalz gewählt, wo der seit 34 Jahren regierenden SPD der Verlust des Ministerpräsidentenpostens droht. Im September folgen Wahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern, wo die AfD in Umfragen bereits an die 40 Prozent heranreicht, sowie in Berlin.

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