TV-Duell bei Caren Miosga: Grünen-Chefin weist Kampagnen-Vorwürfe entschieden zurück
In der hitzigen Talkshow von Caren Miosga stand Grünen-Chefin Franziska Brantner im Zentrum einer kontroversen Debatte um vermeintliches Negativ-Campaigning. Die 46-jährige Politikerin bestritt mit Nachdruck, über ein möglicherweise wahlentscheidendes Sexismus-Video informiert gewesen zu sein, das gegen den CDU-Kandidaten Manuel Hagel gerichtet war.
Die umstrittene Instagram-Veröffentlichung
Kern der Auseinandersetzung war ein Video, das die grüne Bundestagsabgeordnete Zoe Meyer nur zehn Tage vor der Baden-Württemberg-Wahl auf Instagram veröffentlicht hatte. Das Material zeigte Hagels Äußerungen von vor acht Jahren, als der damalige Regionalsender-Mitarbeiter nach einem Schulbesuch über die "rehbraunen Augen" einer 16-jährigen Schülerin gesprochen hatte. Miosga konfrontierte Brantner direkt mit der Frage nach deren Vorwissen.
"Wussten Sie von diesem Video?", wollte die Moderatorin wissen. Brantner reagierte mit Kopfschütteln und klarer Verneinung: "Das war keine Kampagne. Wir wussten von nichts. In Baden-Württemberg haben sich die Werte schon längst vorher geändert." Auf Miosgas skeptische Nachfrage, ob das Video wirklich keinen Einfluss gehabt habe, antwortete die Grünen-Chefin ausweichend: "Weiß man nicht. In Baden-Württemberg war die Presselage übrigens ganz anders als im Bund..."
Brantners Rechtfertigung und Miosgas Zweifel
Noch einmal bohrte Miosga nach: "Nur um es zu klären: Sie wussten nichts von dem Video?" Brantners Antwort ließ keinen Raum für Interpretationen: "Nein." Doch die Moderatorin gab nicht auf und fragte weiter, ob Brantner die Veröffentlichung durch ihre Parteikollegin für in Ordnung halte.
Die Grünen-Chefin erklärte: "Wissen Sie, die Zoe Meyer hat darüber geschrieben, wie es ist, eine junge Frau in der Politik zu sein, und hatte dazu ein Video, hat Zusendungen bekommen und hat dann das danach gemacht. Es war ein öffentlich zugängliches Video, es war ja nichts Privates, was geleakt wurde..." Miosga konterte unnachgiebig: "Es wurde in der heißesten Phase des Wahlkampfs gepostet."
Kritische Stimmen zur politischen Debattenkultur
Podcaster Robin Alexander äußerte sich besorgt über die Entwicklung einer "Kultur der Erbarmungslosigkeit" in der Politik. Über den bedrängten CDU-Politiker Hagel sagte er: "Ich finde, wir haben da so eine Kultur der Erbarmungslosigkeit. Dass man so nicht über Schülerinnen sprechen kann, das ist auch so. Aber er gesteht das sofort zu. Er arbeitet für unsere Demokratie, er hat drei Kinder, also wollen wir wirklich, wenn irgendwann so ein Spruch ist, sagen: Du bist jetzt für immer raus?"
Alexander warnte eindringlich: "Irgendwann werden nur noch Leute Politik machen, die noch nie irgendwas gesagt haben, was vielleicht daneben war, wie sie es durch eine noch so ernst gemeinte öffentliche Entschuldigung nicht mehr aus der Welt schaffen können."
Weitere politische Reaktionen und Bewertungen
Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther von der CDU bezweifelte Brantners Darstellung deutlich: "Natürlich hat da am Ende auch eine Wirkung erzielt, so knapp, wie das Ergebnis gewesen ist. Daran kann man nicht vorbeireden. Also das finde ich jetzt nicht so glaubhaft, dass das Video jetzt irgendwie gekommen wäre. Es ist sofort von Ihrem Co-Vorsitzenden Felix Banaszak retweetet worden."
Günther kritisierte grundsätzlich die Wahlkampfmethoden: "Hilft uns das eigentlich, wenn wir uns in einer solchen Skandalisierungsspirale öffentlich desavouieren? Dass man sich so im Wahlkampf verhält, wirft auch kein gutes Licht auf die Grünen."
Brantner verteidigte ihre Position mit dem Argument: "Viele kannten Herrn Hagel nicht und haben ihn erst durch das Video kennengelernt. Das kann man nicht Zoe Meyer vorwerfen." Doch Miosga blieb bei ihrer Einschätzung: "Das gepostet wurde, ist Negativ-Campaigning at its best."
Die Diskussion offenbarte tiefe Gräben in der Bewertung politischer Kommunikation und wirft grundsätzliche Fragen nach der Zukunft demokratischer Debattenkultur auf.



