Persönlicher politischer Werdegang einer Leserin
In einem bemerkenswerten Leserbrief schildert Birgit Hafner aus Baden-Württemberg ihren politischen Werdegang, der sie von einer langjährigen CDU-Wählerin zur AfD geführt hat. Der Brief wurde im Newsletter „Was, wenn doch?“ von Jan David Sutthoff veröffentlicht und gibt intime Einblicke in die Beweggründe einer Wählerin, die ihre bisherige politische Heimat verlässt.
Von traditionellen Wurzeln zur politischen Entfremdung
Hafner beschreibt ihre Herkunft aus einer Familie mit vier Kindern, in der der Vater als SPD-Wähler das Geld verdiente und die Mutter CDU wählte. Sie selbst blieb über Jahrzehnte der CDU treu, war fleißig und baute sich ein kleines Vermögen auf. „Ich fühlte mich sicher in Deutschland und war wirklich sogar stolz darauf, Deutsche zu sein“, schreibt sie. Besonders Angela Merkel bewunderte sie als Frau, die sich in einer Männerwelt behauptete – eine Bewunderung, die sie bis zum Ende von Merkels Kanzlerschaft begleitete.
Corona-Pandemie als Wendepunkt
Die Corona-Pandemie markierte einen dramatischen Einschnitt in Hafners Vertrauen in den deutschen Staat. Als Nicht-Geimpfte erlebte sie Ausgrenzung durch eigene Freunde und wurde bei Montagsspaziergängen beschimpft und beleidigt. „Auf den Montagsspaziergängen wurden wir beschimpft und beleidigt. Nicht nur von Passanten, auch von Mitarbeitern der Behörden“, berichtet sie konkret von Vorfällen vor dem Rathaus in Singen.
Die politische Führung um Gesundheitsminister Karl Lauterbach sowie die Bundesregierung unter Olaf Scholz und Annalena Baerbock bezeichnet sie als „Gruselkabinett“. Die Erfahrungen lösten bei ihr Ängste aus, die an dunkle historische Zeiten erinnerten: „Wird eines Tages ein Kreuz an mein Haus gemalt als Zeichen für Ungeimpfte? Betreten verboten! Oder kommen sie und holen Dich zur Zwangsimpfung...?“
Die Entscheidung für die AfD
Nach all den Jahren als treue CDU-Wählerin gab Hafner bei der letzten Bundestagswahl beide Stimmen der AfD. „Weil das nicht mehr das Deutschland ist, auf das ich stolz war und in dem ich mich immer sicher gefühlt habe“, begründet sie diesen Schritt. Sie gesteht, zu feige zu sein, dies öffentlich zu sagen, betont aber: „Mein Groll auf die Regierung ist so groß, dass ich mehr Angst vor der Dummheit der Politiker habe, als vor einer möglichen Gefahr, die von der AfD ausgehen könnte.“
Kritik an der Ausgrenzung der AfD
Hafner übt deutliche Kritik an der politischen Praxis, sich von der AfD zu distanzieren und jegliche Zusammenarbeit zu verweigern. „Solchen Leuten kann ich nicht mehr vertrauen“, schreibt sie und zitiert Friedrich Schiller: „Teuer ist mir der Freund, doch auch der Feind kann mir nützen. Zeigt mir der Freund, was ich kann, lehrt mich der Feind, was ich soll.“
Ihr zentraler Vorwurf lautet: „Mit der Ausgrenzung der AfD werden auch deren Wähler ausgrenzt. Wir leben angeblich in einer Demokratie, aber meine persönliche Meinung interessiert nicht?“ Dies nehme sie sehr persönlich und sei ein Grund, warum sie die AfD wieder wählen werde.
Persönliche Reflexion und Ausblick
Mit 61 Jahren blickt Hafner auf ihr Leben zurück: „Ich fühle mich wie 41, aber ich bin froh, schon so alt zu sein. Ich glaube, die besten Zeiten liegen hinter uns.“ In ihr herrsche Traurigkeit über die Veränderungen der Welt und die Machtlosigkeit, diese hinnehmen zu müssen.
Doch sie hat auch etwas gewonnen: „Die Erkenntnis, dass meine kleine Welt, sauber und struktiert, meine Liebe zur Natur und den Tieren, mein Glaube an Gott und der Friede in mir das ist, was mir bis zu meinem Lebensende niemand nehmen kann.“ Sie hofft, dass AfD-Wähler ihrer Linie treu bleiben und sich nicht anders orientieren, nur weil die Partei ihrer Meinung nach nicht zu Wort kommt.
Der Newsletter-Autor Jan David Sutthoff betont, dass er Hafners Entscheidung nicht bewertet, aber feststellt, dass viele Leser ähnliche Erfahrungen beschreiben. Daher sei es wichtig, ihnen Gehör zu schenken.



