SPD präsentiert Wahlprogramm für Sachsen-Anhalt mit Fokus auf soziale Gerechtigkeit
Mit ihrem Spitzenkandidaten Armin Willingmann hat die SPD in Merseburg ihr Wahlprogramm für die anstehende Landtagswahl in Sachsen-Anhalt vorgestellt. Unter dem Titel „Mit Herz, Haltung und Zuversicht“ setzen die Sozialdemokraten auf ein umfassendes Konzept für bezahlbares Leben und gut bezahlte Arbeitsplätze.
Kernforderungen für soziale Entlastung
Willingmann betonte in seiner Rede vor den Delegierten mehrere zentrale Maßnahmen:
- Senkung der Umsatzsteuer auf Grundnahrungsmittel
- Beitragsfreie Kita für alle Eltern
- Komplette Lernmittelfreiheit an Schulen
„Bildung darf nicht vom Geldbeutel der Eltern abhängen“, erklärte der Spitzenkandidat und verwies auf das 50-seitige Programm, das ursprünglich den Arbeitstitel „Mit Herz, Anstand und Zuversicht“ trug.
Wahlkampf in schwierigem Umfeld
Die Landtagswahl am 6. September findet unter besonderen politischen Vorzeichen statt. Aktuell regiert die SPD in einer Koalition mit CDU und FDP, doch laut jüngsten Umfragen kommt sie nur auf 8 Prozent Zustimmung. Die AfD liegt mit 39 Prozent deutlich vorne, gefolgt von der CDU mit 26 Prozent.
Sachsen-Anhalts SPD-Co-Vorsitzende Juliane Kleemann warnte davor, das Land den Radikalen und Populisten zu überlassen: „Die liberale Demokratie zu beschützen ist ein Marathonlauf ohne einfache Rezepte.“ Bundesumweltminister Carsten Schneider ergänzte in seinem Grußwort: „Ich will, dass nach dem 6. September Freiheit herrscht und nicht die Sehnsucht nach Freiheit.“
Konfrontation mit Koalitionspartnern
Willingmann ging in seiner Rede auch auf Konflikte mit dem Koalitionspartner CDU ein. Bei der Polizeipersonaldiskussion kritisierte er die Forderung der Union nach mehr als 8.000 Bediensteten als „Fantasieforderungen“. Realistisch sei zunächst das Ziel von 7.000 Polizisten, nachdem die Zahl von etwa 5.800 im Jahr 2019 auf aktuell rund 6.400 gestiegen sei.
Beim Schulsystem liegen die Positionen noch weiter auseinander. Während die CDU Sekundarschulen in Oberschulen umwandeln und Gemeinschaftsschulen abschaffen will, strebt die SPD mittelfristig ein System mit nur zwei weiterführenden Schulformen an: Gymnasium und Gemeinschaftsschule. „Jeder, der es nicht auf das Gymnasium schafft, würde es deutlich schwerer haben, zum Abitur zu gelangen“, argumentierte Willingmann gegen die CDU-Pläne.
Wirtschaftliche und energiepolitische Vision
Als Minister für Wissenschaft, Energie, Klimaschutz und Umwelt hob Willingmann die Bedeutung einer bezahlbaren Energie- und Wärmewende hervor. Erneuerbare Energien sorgten bereits heute für Zehntausende Arbeitsplätze in Sachsen-Anhalt, die er als „Heimatenergie“ bezeichnete.
Gleichzeitig warnte er vor den wirtschaftlichen Risiken durch die AfD: „Die AfD signalisiert klugen jungen Ärzten, IT-Fachleuten und Pflegekräften überdeutlich: Ihr sollt draußen bleiben!“ Die SPD stehe dagegen für eine Willkommenskultur und gegen Niedriglöhne, die sich Sachsen-Anhalt nicht mehr leisten könne.
Mit ihrem Programm positioniert sich die SPD als Verteidigerin sozialer Gerechtigkeit und weltoffener Politik in einem Bundesland, das vor einer entscheidenden politischen Weichenstellung steht.



