„Schwarze Haare. Rehbraune Augen“: TAZ spottet nach Wahlsieg von Cem Özdemir über CDU-Konkurrenten
TAZ spottet nach Özdemir-Wahlsieg über CDU-Konkurrenten

TAZ zieht nach Wahlsieg von Cem Özdemir über CDU-Konkurrenten her

Wer den Schaden hat, bekommt den Spott gratis – dieses Sprichwort bewahrheitet sich einmal mehr im politischen Berlin und Stuttgart. Nach dem knappen Wahlsieg von Cem Özdemir (60, Grüne) bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg greift die „taz“ tief ins Fotoarchiv und druckt ein Jugendbild des grünen Politikers prominent auf ihrer Titelseite. Daneben steht der vielsagende Satz: „Ich werd’s nie vergessen. Er hieß Cem. Schwarze Haare. Rehbraune Augen.“

Anspielung auf Wahlkampf-Panne von Manuel Hagel

Die Formulierung ist eine klare Anspielung auf Özdemirs Konkurrenten Manuel Hagel (37, CDU), der während des heißen Wahlkampfs wegen eines acht Jahre alten Videos in die Kritik geraten war. In dem Video äußerte sich Hagel über die „rehbraunen Augen“ einer Realschülerin – eine Bemerkung, die ihm im Nachhinein zum Verhängnis wurde. Die Titelseite der TAZ verbreitete sich anschließend wie ein Lauffeuer auf der Plattform X und erreichte tausende Nutzer.

Internationale Beachtung für erste Landtagswahl 2026

Auch international findet die erste von fünf Landtagswahlen in diesem Jahr große Beachtung. Die „Neue Zürcher Zeitung“ analysiert: „Für die Union war der Südwesten lange als Erfolg eingeplant. Auch wenn die CDU deutlich besser abschneidet als 2021 und nahezu auf Augenhöhe mit den Grünen aufgeschlossen hat, ist der knappe Ausgang des Rennens um das Amt des Ministerpräsidenten ein Dämpfer – für den Spitzenkandidaten Manuel Hagel wie für die Bundespartei.“ Über die SPD urteilt das Schweizer Blatt deutlich: „Sie landet im Bereich der kleinen Parteien und muss sogar darum zittern, überhaupt noch als relevante Kraft wahrgenommen zu werden.“

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Medien kritisieren CDU-Strategie scharf

Die „Welt“ fürchtet in ihrem Kommentar: „Das Regieren wird für Merz noch schwieriger.“ Welt-Herausgeber Ulf Poschardt schreibt von einer „peinlichen Niederlage, die zu 100 Prozent selbst verschuldet ist“ und fügt mit Blick auf den CDU-Kurs hinzu: „Niemand will von Lappen regiert werden.“

Ähnlich urteilt die „Kölnische Rundschau“: „Im Schlafwagen kommt man nicht an die Macht.“ Manuel Hagel habe zu sehr auf Wohlfühlen und taktisches Wahlverhalten gesetzt. „Das kippte, als Hagel ein paar PR-Fehler beging.“ Über Cem Özdemir schreibt das Blatt anerkennend: „Er hat sich so stark von seiner Partei abgesetzt, dass er sogar den Parteinamen Grüne auf Wahlplakaten strich.“

Wahlausgang als Hypothek für Berliner Koalition

„Focus Online“-Chefkorrespondent Ulrich Reitz warnt: „Alles das ist für die Koalition von Friedrich Merz Gift.“ Der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) urteilt: „Die Wahl in Baden-Württemberg ist eine Hypothek für die Regierungsparteien in Berlin.“ Das „Redaktionsnetzwerk Deutschland“ (RND) spricht von einem „Paukenschlag“ zum Auftakt des Landtagswahljahres 2026.

Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ kritisiert, die Union habe „die Anziehungskraft des bis weit in das bürgerliche Klientel hinein populären Spitzenkandidaten der Grünen massiv unterschätzt“. Die „Süddeutsche Zeitung“ analysiert Hagels Strategie: „Sie scheint im Wesentlichen darin zu bestehen, keine Fehler zu begehen.“

Bittere Niederlage für CDU und SPD

Die „Magdeburger Volksstimme“ nennt es für Manuel Hagel eine „extrem bittere Wahlniederlage“. Der „Spiegel“ schreibt: „Niederlagen für CDU und SPD: Eine Wahl zum Vergessen für Merz und Klingbeil“. Der „Stern“ urteilt hingegen, Özdemirs Triumph sei „ein Erfolg, der manchem Grünen Angst macht“.

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Die erste Landtagswahl des Jahres 2026 in Baden-Württemberg hat somit nicht nur regional, sondern auch bundespolitisch erhebliche Wellen geschlagen. Während Cem Özdemir seinen historischen Sieg feiert, müssen CDU und SPD über ihre strategischen Fehler nachdenken – und die Medienlandschaft sorgt mit beißendem Spott für zusätzliche Schärfe in der politischen Debatte.