Spionage-Krimi im Ungarn-Wahlkampf: Orbán-Gegner fürchtet Sexvideo-Falle
Budapest (Ungarn) – Ein politischer Spionage-Thriller erschüttert den ungarischen Wahlkampf. Der aussichtsreiche Herausforderer von Premierminister Viktor Orbán, Péter Magyar (44), fürchtet die Veröffentlichung eines heimlich aufgenommenen Sexvideos, das ihn mit seiner Ex-Freundin zeigen soll. Magyar beschuldigt die Regierung Orbán, ihn mit Geheimdienstmethoden nach russischem Vorbild kompromittieren zu wollen.
Die Nacht der Verführung
In einer Videobotschaft am Donnerstag schilderte Magyar die Ereignisse vom 3. August 2024. Er gab zu, in einer fremden Wohnung einvernehmlich mit einer Frau geschlafen zu haben, wo eine Party mit Alkohol und Drogen stattfand. „Ich habe noch nie Drogen konsumiert und habe sie auch an diesem Abend nicht angerührt“, betonte der Politiker. „In jener Nacht war mir nicht bewusst, dass ich mich in einer Geheimdienstoperation befand, also ließ ich mich verführen.“
Erst später sei ihm klar geworden, dass er in eine „typische russische Kompromittierungssituation“ geraten sei. Die Frau, mit der er die Nacht verbrachte, war seine damalige Freundin Evelin Vogel (36).
Die Lockvogel-Strategie
Magyar wirft seiner Ex-Freundin vor, über Monate als Lockvogel fungiert zu haben. Nach der Trennung im Jahr 2024 gelangten mehrere heimlich aufgenommene Tonbandaufnahmen an die Öffentlichkeit. Laut Magyar befand sich in einem Halskettenanhänger ein verstecktes Mikrofon. Auf einer Aufnahme soll Vogel eine hohe Geldsumme gefordert haben, um die Tisza-Partei ohne weitere Probleme zu verlassen.
Der Politiker behauptet zudem, die Audiodateien seien nachbearbeitet worden, um ihm mit Deepfake-Technologien zusätzliches Kompromat anzulasten. „Ich weiß nicht, wie die illegal in der Wohnung mit Geheimdienstausrüstung aufgenommenen Bilder und Tonaufnahmen später manipuliert werden“, sagte Magyar. „Aber ich schlage vor, die gesamte Aufnahme ungeschnitten zu veröffentlichen.“
Die Vorankündigung im Internet
Seit Dienstag kursiert im Internet ein Foto eines Zimmers mit einem Bett als „Vorankündigung“ für ein angeblich bald erscheinendes Sexvideo von Magyar. Seine Partei Tisza („Respekt und Freiheit“) ist der Hauptkonkurrent von Orbáns Fidesz („Junge Liberale“) bei den Parlamentswahlen am 12. April. Magyar führt in den Umfragen zum Teil deutlich und könnte damit die seit 2010 mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit regierende Partei ablösen.
Angriff auf die Familie
Magyar sieht die Kampagne um das Sexvideo als gezielten Angriff auf seine Familie. „Die Fidesz-Führung weiß, dass meine Söhne diese Woche bei mir sind, da nächste Woche unser Basiswahlkampf beginnt“, erklärte er. „Sie wollten diese Zeit zerstören und mich noch stärker psychisch unter Druck setzen.“ Der Politiker hat drei minderjährige Kinder aus seiner geschiedenen Ehe mit der ehemaligen Fidesz-Justizministerin Judit Varga (46).
Die Reaktionen der Beteiligten
Vertreter der Fidesz-Partei wiesen jegliche Beteiligung an der Verbreitung des Fotos und jegliche Kenntnis des Videos zurück. Auch Evelin Vogel äußerte sich zu den Vorwürfen. „Kein vernünftiger Mensch könne glauben, ich habe aktiv an dieser Aktion mitgewirkt“, sagte sie. Sie bezeichnete sich selbst als Opfer der Aktion und erklärte sich bereit, gemeinsam mit Magyar juristisch dagegen vorzugehen.
Magyar hatte bereits vor 15 Monaten Anzeige wegen Erpressung gegen Vogel erstattet, doch die Behörden seien untätig geblieben. Der Wahlfavorit bleibt trotz der Bedrohung kampfbereit: „Ich lasse mich nicht brechen.“



