Stichwahl in Wismar: Erfahrener SPD-Politiker trifft auf AfD-Neuling
Die Hansestadt Wismar steht vor einer entscheidenden politischen Weichenstellung. Am 26. April 2026 treten in der Stichwahl um das Bürgermeisteramt der langjährige SPD-Politiker Frank Junge und die politisch noch unerfahrene AfD-Kandidatin Manuela Medrow gegeneinander an. Seit 1990 ist Wismar eine SPD-Hochburg, doch die erste Wahlrunde brachte keine klare Mehrheit für einen Kandidaten.
Junge mit klarem Vorsprung – aber ohne absolute Mehrheit
Frank Junge konnte bei der Bürgermeisterwahl am Sonntag mit 42,1 Prozent der Stimmen den klaren ersten Platz erringen. Für eine absolute Mehrheit reichte dieses Ergebnis jedoch nicht, weshalb es nun zur Stichwahl kommt. „Ich bin mit dem Zwischenergebnis total zufrieden“, erklärte Junge nach der Wahl. „Bei acht Kandidaten war mir von vornherein klar, dass es eine Stichwahl gibt. Ich bin aber vor allem deshalb zufrieden, weil der Abstand zur Zweitplatzierten auch so groß ist.“
Der SPD-Politiker blickt auf umfangreiche politische Erfahrung zurück: Seit 2013 ist er Mitglied des Bundestages und seit 2024 Mitglied der Bürgerschaft der Hansestadt sowie des Kreistages Nordwestmecklenburg. Junge will den Erfolgskurs der SPD in Wismar fortsetzen, wo zuletzt Thomas Beyer (SPD) das Bürgermeisteramt innehatte.
Medrow will als politische Unbekannte punkten
Ihm gegenüber steht Manuela Medrow von der AfD, die bei der ersten Wahl 20,5 Prozent der Stimmen erhielt. Die Kandidatin ist seit Mai 2024 Mitglied der AfD und politisch bisher kaum in Erscheinung getreten. „Ich danke den Wählern natürlich, dass sie uns das Vertrauen schenken“, sagte Medrow nach der Wahl. „Ich weiß aber auch, dass die Bürgermeisterkandidatur eine Personenwahl ist. Von daher freue ich mich insbesondere, dass die Bürger dann wahrscheinlich auch in mir eine fachkompetente Kandidatin sehen.“
In den zwei Wochen bis zur Stichwahl will Medrow den Wählern ein klareres Bild von sich vermitteln: „Es gilt, die Wähler abzuholen und noch mal richtig Gas zu geben und zu zeigen, Mensch, was steckt denn da überhaupt hinter der Frau Medrow?“
Unterschiedliche Wahlkampfstrategien
Während Medrow darauf setzt, sich als Person bekannter zu machen, bleibt Junge bei seinem inhaltlichen Programm: „Ich bleibe bei meinem Programm. Die Leute sollen wissen, was kriegen sie mit einem Bürgermeister Frank Junge, was will der inhaltlich mit der Stadt machen, wie will er es machen“, betonte der SPD-Kandidat.
Die Stichwahl markiert einen bedeutenden Moment für die politische Landschaft in Wismar. Seit Rosemarie Wilcken (SPD) in den 1990er Jahren das Amt übernahm, folgte mit Thomas Beyer (SPD) ein weiterer Sozialdemokrat, dessen zweite Amtszeit am 19. Juli 2026 endet. Ob die SPD-Tradition fortgesetzt wird oder die AfD mit einer politischen Newcomerin einen Überraschungserfolg erzielt, wird sich am 26. April zeigen.



