Kein Handy, keine AirPods: Warum ich meine analoge Kindheit in der Uckermark schätze
Analoges Leben: Warum ich 1969 geboren bin und es liebe

Kein Handy, keine AirPods: Warum ich meine analoge Kindheit in der Uckermark schätze

Wer die Stöpsel drin hat, lässt die Welt draußen. Diese Beobachtung prägt meine jüngste Flugerfahrung und führt mich zurück zu meiner Geburt im Jahr 1969. Damals, in der Uckermark, war die Welt noch eine andere – eine, in der Begegnungen im Mittelpunkt standen und nicht digitale Ablenkungen.

Vom Plausch im Flieger zur Stille hinter Kopfhörern

Vor über drei Jahrzehnten flog ich mit meiner Oma nach London. Während der Aufenthalt in der britischen Hauptstadt nur schemenhaft in Erinnerung bleibt, ist der Rückflug unvergesslich. Aufgrund eines Buchungsfehlers saß ich getrennt von meiner Großmutter, die in Reihe 1 platziert wurde. Doch zu meiner Freude gesellte sich kurz vorm Start ein netter Herr zu mir im hinteren Drittel des Flugzeugs.

Die knapp zwei Stunden bis Berlin vergingen wie im Flug. Von der ersten Minute an plauderten wir angeregt, schlürften nebenbei ein Weinchen und hatten eine gute Zeit. Ringsum wurde ebenfalls geredet: Menschen scherzten, lachten und flirteten miteinander. Es war eine Atmosphäre der Gemeinschaft und des Austauschs.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Das große Technikverräumen: Ein neues Bild entsteht

Bei meinem jüngsten Flug nach Barcelona bot sich ein völlig anderes Bild. Kaum hatten die Passagiere den Airbus A320 betreten, begann das große Technikverräumen. Fast alle griffen sofort zu ihren Smartphones, um über Kopfhörer Musik zu hören, Filme zu schauen oder zu zocken. Nur zwei, drei andere Leute – mich eingeschlossen – nahmen ein Buch aus dem Rucksack.

Geschätzt neun Zehntel der rund 200 Menschen an Bord verbrachten den gesamten Flug in ihrer eigenen Welt. Diese Isolation setzte sich sogar beim Ausstieg fort: Mit AirPods vom Rest der Welt abgeschirmt, standen sie am Kofferband und starrten ins Leere.

Einsamkeit in der digitalen Ära: Eine besorgniserregende Entwicklung

Ein Flughafen mag kein Paradebeispiel für gute Umweltgeräusche sein, doch wo besteht eine bessere Möglichkeit, jemanden kennenzulernen? Statistiken zufolge sind die Menschen heute einsamer denn je, besonders in Großstädten. Kein Wunder, denn sie würden nicht einmal merken, wenn der Traummann oder die Traumfrau sie anspricht – die Musik dudelt oder das Geschehen auf dem Handybildschirm ist einfach zu spannend.

Diese Entwicklung lässt mich umso mehr meine eigene Kindheit und Jugend schätzen. In der Uckermark aufgewachsen, verbrachte ich meine frühen Jahre fast technikfrei. Statt auf Bildschirme zu starren, gab es echte Begegnungen, Gespräche und gemeinsame Erlebnisse. Diese analoge Zeit hat mich geprägt und lässt mich heute kritisch auf die digitale Dominanz blicken.

Reflexion über einen gesellschaftlichen Wandel

Die Veränderungen, die ich beobachte, sind nicht nur persönlicher Natur, sondern spiegeln einen breiteren gesellschaftlichen Wandel wider. Smartphones und Kopfhörer haben unsere Art zu kommunizieren und zu interagieren grundlegend verändert. Wo früher Zufallsbegegnungen und spontane Gespräche möglich waren, herrscht heute oft eine stille, abgeschirmte Atmosphäre.

Ich bin froh, 1969 geboren worden zu sein und diese Entwicklung aus einer besonderen Perspektive betrachten zu können. Meine Erfahrungen in der Uckermark und auf Reisen wie jenem Flug nach London haben mir gezeigt, wie wertvoll unmittelbare menschliche Kontakte sind. In einer Zeit, in der Einsamkeit zunimmt, sollten wir uns vielleicht öfter fragen, ob wir nicht etwas von der analogen Vergangenheit lernen können.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration