Asylklagen überfluten Gerichte in Baden-Württemberg: 82 Prozent mehr Fälle
Die Verwaltungsgerichte in Baden-Württemberg versinken buchstäblich in Asylverfahren. Im Jahr 2025 landeten insgesamt 31.479 neue Klagen auf den Schreibtischen der Richter – das entspricht einem massiven Anstieg von 82 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Am Jahresende lagen mit 20.957 Verfahren mehr als doppelt so viele zur Bearbeitung vor wie Ende 2024.
„Wir ächzen und stöhnen unter der Last“
Malte Graßhof, Präsident des Verwaltungsgerichtshofs Baden-Württemberg (VGH) in Mannheim, bringt die dramatische Situation auf den Punkt: „Wir ächzen und stöhnen unter der Last der hohen Asyleingänge.“ Der enorme Zuwachs ist eine direkte Spätfolge der hohen Flüchtlingszahlen der vergangenen Jahre. Viele abgelehnte Asylbewerber ziehen nun vor Gericht, um ihre Ablehnungen anzufechten.
Die Richter schafften zwar beeindruckende 20.417 Verfahren – das sind 33 Prozent mehr als im Vorjahr. Doch diese Leistung reichte bei weitem nicht aus: Die Klageeingänge übertrafen die vorhandenen Kapazitäten deutlich. Zum Jahreswechsel stapelten sich daher 20.957 unerledigte Prozesse – mehr als doppelt so viele wie zwölf Monate zuvor, als es Ende 2024 noch etwa 9.900 offene Verfahren gab.
Ein Drittel der Klagen kommt aus der Türkei
Die Herkunftsländer der Kläger zeigen ein klares Bild:
- Etwa jeder dritte Fall betraf türkische Staatsbürger
- Dahinter folgten Afghanen und Syrer
Graßhof rechnet in den kommenden Monaten damit, dass weniger neue Verfahren bei den Gerichten eingehen werden. Auch die Zahl der Asylanträge beim BAMF sinke weiter deutlich. Der scheinbare Widerspruch – sinkende Anträge beim BAMF, aber steigende Klagen bei Gericht – erklärt sich durch die zeitliche Versetzung: Während das BAMF primär Erstanträge bearbeitet, klagen bei den Gerichten bereits abgelehnte Asylbewerber. Schnellere Entscheidungen des BAMF führen daher zunächst paradoxerweise zu mehr Gerichtsverfahren.
Schnellere Bearbeitung, aber wachsender Rückstau
Die Gerichte in Baden-Württemberg arbeiteten im Vergleich zu anderen Bundesländern besonders effizient. Dank neu geschaffener Richterstellen sank die durchschnittliche Verfahrensdauer auf 7,6 Monate. Bundesweit war nur Rheinland-Pfalz mit noch kürzeren Bearbeitungszeiten schneller. Im Jahr 2024 hatte ein Fall durchschnittlich noch 7,9 Monate gedauert.
Doch trotz der erwarteten sinkenden Neueingänge wird der aktuelle Rückstau die Verfahrensdauer zunächst wieder in die Höhe treiben, wie der VGH prognostiziert. Zum Vergleich: Im Jahr 2020 dauerte ein Asylklageverfahren im Durchschnitt noch 28,2 Monate – fast das Vierfache der aktuellen Bearbeitungszeit.
Die Situation zeigt deutlich, wie stark das deutsche Rechtssystem von den Folgen vergangener Migrationsbewegungen belastet wird. Während die Politik über langfristige Lösungen diskutiert, müssen die Gerichte im Südwesten täglich mit der akuten Überlastung kämpfen. Die kommenden Monate werden zeigen, ob die erwartete Entlastung tatsächlich eintritt oder ob die Gerichte weiterhin unter der enormen Verfahrenslast ächzen werden.



