Hochbegabt mit Narkolepsie: Patrick Fessler kämpft gegen Behörden-Widersprüche
Patrick Fessler (30) aus Aalen in Baden-Württemberg verfügt über einen außergewöhnlichen Intellekt – ein offizieller Test bescheinigt ihm einen IQ von 128. Doch statt seine Begabung nutzen zu können, kämpft der Mann seit Jahren gegen einen unsichtbaren Gegner: Narkolepsie. Die Schlafkrankheit führt dazu, dass er plötzlich und unkontrolliert einschläft, was einen regulären Job mit festen Arbeitszeiten praktisch unmöglich macht.
Ein zermürbender Behörden-Marathon ohne Lösung
Anstatt die dringend benötigte Unterstützung zu erhalten, durchlebt Fessler nach eigenen Angaben einen endlosen Behörden-Marathon. „Ich bin seit 15 Jahren in einem Verwaltungsakt gefangen, aus dem es offenbar kein Entrinnen gibt“, erklärt der Schwabe gegenüber Medien. Die Situation hat sich mittlerweile ins Absurde entwickelt, wie vorliegende Dokumente belegen.
Der Leidensweg begann mit abgebrochenen Ausbildungen zum Holzmechaniker und Fachinformatiker. Nach seinem Realschulabschluss wurde ihm der Zugang zum Abitur verwehrt. Das Sozialamt forderte ihn auf, dem Arbeitsmarkt zur Verfügung zu stehen, obwohl seine gesundheitliche Einschränkung dies extrem erschwert.
Widersprüchliche Beurteilungen der Ämter
Die Behörden schicken Fessler im Kreis herum: Vom Sozialamt wurde er an die Agentur für Arbeit verwiesen, von dort zum Jobcenter, dann zur Rentenversicherung. Das Jobcenter hielt ihn für erwerbsunfähig, während die Rentenkasse genau das Gegenteil behauptete und von „nicht dauerhafter Erwerbsunfähigkeit“ sprach. Nun ist er wieder beim Sozialamt gelandet, das ihn erneut ans Arbeitsamt verweist.
Eine Sprecherin des Landratsamts Ostalbkreis erklärt die widersprüchlichen Entscheidungen mit unterschiedlichen Rechtskreisen: „Die beantragten Leistungen betreffen unterschiedliche Rechtskreise mit jeweils eigenen gesetzlichen Grundlagen, Zielsetzungen und Prüfkriterien.“ Dem Kunden sei angeboten worden, sich online zum Fachinformatiker ausbilden zu lassen, was er jedoch abgelehnt habe.
Eigene Initiative trotz Bürgergeld
Fessler hat klare Pläne für seine Zukunft: Er möchte das Abitur nachholen, Informatik studieren und schließlich als Steuerzahler arbeiten. Ein Abendgymnasium nimmt ihn jedoch nicht auf, da er dafür einen Job benötigen würde. Von seinem Bürgergeld spart der 30-Jährige nach eigenen Angaben monatlich 150 Euro, um damit Online-Kurse an Universitäten zu finanzieren. Einen Kurs in „Software Engineering“ hat er bereits erfolgreich absolviert.
„Wenn ich meine Arbeitszeit frei einteilen dürfte, wäre ich voll leistungsfähig“, betont Fessler. „Ich könnte im Homeoffice arbeiten, aber auch tagsüber oder nachts in einem Büro.“ Der hochbegabte Mann fordert von den Behörden einen konkreten Weg, wie er trotz seiner Erkrankung am Arbeitsleben teilhaben kann – ein Anspruch, der ihm laut Sozialgesetzbuch zusteht.
Die menschliche Seite der Bürokratie
Während die Ämter sich in Zuständigkeitsfragen verlieren, kämpft Patrick Fessler täglich mit praktischen Herausforderungen. Selbst sieben Wecker helfen nicht immer, den schlafkranken Mann morgens zu wecken. Seine Geschichte zeigt auf erschütternde Weise, wie das deutsche Sozialsystem in Einzelfällen versagen kann, wenn verschiedene Behörden nicht zusammenarbeiten.
Der Fall des hochbegabten Baden-Württembergers wirft grundlegende Fragen auf: Wie können Menschen mit besonderen gesundheitlichen Einschränkungen, aber hohem intellektuellem Potenzial, besser in den Arbeitsmarkt integriert werden? Und wie lassen sich bürokratische Hürden abbauen, die Betroffene in endlose Verwaltungskreisläufe zwingen?



